• The Wall Street Journal

China kommt bei Schiefergas nicht voran

China ist in einer guten Position, um einen ähnlichen Schiefergasboom wie die USA zu erleben. Theoretisch. Denn die Reserven des Rohstoffs dürften zwar größer sein als die von USA und Kanada zusammen. Aber die Unternehmen im Riesenreich sind noch Jahre davon entfernt, den Energieträger in nennenswerten Mengen zu fördern.

Schuld ist eine Kombination aus den komplizierten geologischen Gegebenheiten in China, knappen Wasservorräten und einem Mangel an Anlegern aus dem Ausland, die sich an die komplexe Fördertechnik heranwagen wollen. So ist die kommerzielle Förderung von Schiefergas noch weit entfernt.

Chinas Regierung hat sich sportliche Ziele gesetzt: Peking will die jährliche Förderung des Gases, das zwischen Gesteinsschichten steckt, von praktisch Null bis 2015 auf 6,5 Milliarden Kubikmeter erhöhen. Im Jahr 2020 sollen 100 Milliarden Kubikmeter aus dem Boden geholt werden. Wood Mackenzie, eine große Beratungsfirma für die Energiebranche, hält diese Zielsetzung für sehr überzogen: Die Berater glauben, dass China im Jahr 2020 maximal 11 Milliarden Kubikmeter Schiefergas fördert.

Chinas Landwirtschaftsministerium hat zwei Auktionen für Schiefergasreserven veranstaltet. Vier Gebiete haben sie im Jahr 2011 sechs staatseigenen Unternehmen angeboten. 20 weitere wurden in diesem Jahr an Dutzende von staatseigenen und privaten Unternehmen auktioniert. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Auktionen die Förderung des Rohstoffes in den Himmel steigen lassen. Denn Chinas drei größte Energiekonzerne, allen voran die staatliche China National Petroleum Corp., besitzen die meisten Vorräte, und dominieren so die Landschaft.

Reuters

Ein Sinopec-Arbeiter überprüft die Geräte einer Förderanlage für Schiefergas in der Sichuan-Provinz.

Laut dem US-Energieministerium besitzt China 36 Billionen Kubikmeter an förderbarem Schiefergas allein im Tarim- und Sichuan-Becken – das eine im Nordwesten, das andere im Südwesten des Landes. Im Tarim-Becken wurde so gut wie nicht gefördert, weil der Boden sehr uneben ist und es in der Region an Wasser mangelt. Im Sichuan-Becken hat die CNPC etwas Schiefergas gefördert – aber nicht im großen Stil. Dafür ist die Technik dem Unternehmen zu teuer, außerdem fehlt es an Know-how und Geräten.

Beides brauchen alle chinesischen Unternehmen, wenn sie mehr Schiefergas im Land fördern wollen. Aber nur zwei große westliche Energiekonzerne forschen dort mit chinesischen Partnern nach dem Rohstoff, Royal Dutch Shell und Chevron . Chinas staatseigene Konzerne versuchen aufzuholen, indem sie Milliarden Dollar in Förderprojekte in den USA investieren – mit noch ungewissem Ausgang.

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