Von DAVID REILLY
Zum Jahreswechsel 2013 ist für amerikanische Banken nicht die Frage, ob die US-Notenbank bei der Geldpolitik den Fuß auf dem Gaspedal lässt – sondern wie stark sie das Gaspedal durchtritt.
Die Antwort auf die Frage hängt davon ab, wie die laufenden Haushaltsverhandlungen zwischen Obama und den Republikanern ausgehen. Wenn die US-Politik über die Fiskalklippe stürzt und es entsprechend automatisch zu Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen kommt, dann dürfte die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm eher noch intensivieren.
Der Druck auf die Renditen langlaufender Staatsanleihen dürfte damit steigen – und den Banken in Form von niedrigen Zinsen weitere Probleme bei ihren Geschäften bereiten. Die Fiskalklippe und die wahrscheinliche Zinsentwicklung werden deshalb bei einer Investorenkonferenz der Investmentbank Goldman Sachs in dieser Woche wohl ganz oben auf der Themenliste stehen. Bei dem Treffen haben Anleger letztmalig Gelegenheit, von Bankmanagern zu hören, wie sie die Aussichten für das Jahresende und das neue Jahr einschätzen.
Allzu düster wird die Stimmung aber wohl nicht sein. Seit der Finanzkrise haben sich die US-Banken und ihre Gewinne erholt, auch an der Börse sah es für Bankaktien in jüngster Zeit wieder gut aus. Der amerikanische KBW-Bankenindex hat seit Jahresbeginn um 20 Prozent zugelegt und damit stärker gewonnen als der Standard & Poor's 500, dessen Notierung sich im gleichen Zeitraum nur um 12 Prozent verbesserte.
Blickt man allerdings weiter zurück, schneiden die Banken schlechter ab. Von Ende 2010 aus betrachtet hat der KBW-Index 7 Prozent nachgegeben. Schuld daran sind vor allem die niedrigen Zinssätze nebst der damit verbundenen Frage nach funktionierenden Geschäftsmodellen für Banken und darüber hinaus die Regulierung der Branche. Weil die langfristigen Zinssätze sanken, sind auch die Nettozinsmargen der Banken geschrumpft.
Selbst wenn die Politik das Problem der Fiskalklippe entschärft, dürfte die Geldpolitik der Notenbank den amerikanischen Banken wohl auch im nächsten Jahr nicht entgegenkommen. Die Fed dürfte auch 2013 weiterhin monatlich Staatsanleihen und Hypothekenpapiere für etwa 85 Milliarden US-Dollar kaufen, prognostizierte Chefökonom Neal Soss von Credit Suisse kürzlich.
Es wären vor allem größere Banken, die davon profitieren würden, sollten die Zinsen wieder steigen, sagte Barclays -Analyst Jason Goldberg. Das bedeutet im Klartext, größere Banken werden nicht kalt erwischt, wenn die Zinsen irgendwann wieder in die Höhe gehen. Aber bis dahin werden sie es schwer haben, ihre Gewinnmargen zu steigern.
Um sich Linderung zu verschaffen, verringern Banken derzeit ihre langfristigen Schulden – auch wenn andere Firmen das niedrige Zinsniveau nutzen, sich vergleichsweise günstig für viele Jahre Geld zu beschaffen. Kurzfristig nützt den Banken dieser Ansatz, weil die kurzfristige Refinanzierung für sie noch günstiger kommt. Langfristig könnte sich das Vorgehen aber als kurzsichtig erweisen.
In einigen Jahren nämlich könnten sich nämlich die Wirtschaftslage im Allgemeinen und das Zinsniveau im Besonderen ganz anders darstellen. Womöglich blicken Bankmanager dann auf das Jahr 2013 zurück und fragen sich, warum sie nicht die Gelegenheit genutzt und von der Geldpolitik der Fed profitiert haben.
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