• The Wall Street Journal

US-Bankenaufseher prüfen Libor-Reform

Reuters

Was wird aus dem Libor? In den USA machen die Bankenaufseher mit ihrer Suche nach einem Ersatz für den skandalerschütterten Libor ernst. Der in London ermittelte Zinssatz war ins Gerede gekommen, nachdem einige Banken diese Referenzgröße manipuliert hatten - unter anderem auch Barclays.

In den USA machen die Bankenaufseher mit ihrer Suche nach einem Ersatz für den skandalerschütterten Libor ernst. Der in London ermittelte Zinssatz ist ins Gerede gekommen, nachdem eine Anzahl von Banken diese Referenzgröße manipuliert hatte. Die US-Aufseher klärten derzeit die Auswirkungen, sollte dieser globale Schlüsselzinssatz für eine andere Messlatte aufgegeben werden, schrieb der Vertreter des US-Finanzministeriums, Alastair Fitzpayne, in einem Brief an Abgeordnete. "Eine breit angelegte weltweite Anstrengung" sei auf dem Weg, um den Libor zu überarbeiten oder nach Alternativen zu suchen.

Unter US-amerikanischen Aufsehern war die Entrüstung über die Zinsmanipulationen besonders groß. Sie analysieren jetzt die Schwächen des Zinssatzes und seiner Ermittlung. Der Libor geriet ins Fadenkreuz der Kritiker, nachdem die britische Barclays-Bank vor rund einem halben Jahr 451 Millionen US-Dollar Strafe wegen der Zinsmanipulationen gezahlt hatte.

Die US-Regulierer erwägen jetzt, andere auf Umfragen basierende Zinsmaße ins Spiel zu bringen. Man gehe das Libor-Problem energisch an und untersuche die potenziellen finanziellen Auswirkungen eines Übergangs zu einer neuen Benchmark, erklärte Fitzpayne in seinem Brief weiter.

Der Libor sollte an beobachtbare Markttransaktionen gekoppelt sein, gibt der Chairman der US-Aufsicht über die Future- und Optionsmärkte (CFTC), Gary Gensler, zu bedenken. Er sollte nicht auf Bankschätzungen zu ihren Kreditkosten beruhen. Die Schaffung einer neuen Benchmark schloss auch Gensler nicht aus.

Der Libor wird derzeit täglich durch Umfragen unter Kreditinstituten der Londoner Bankenlandschaft ermittelt. Sie geben an, zu welchen Kosten sie sich in verschiedenen Währungen und für unterschiedliche Zeiträume untereinander Gelder leihen können. Der Zinssatz soll die Kreditkosten der Banken adäquat widerspiegeln. In ihn soll in einem sich schnell ändernden Markt die jeweilige Risikoeinschätzung von Kreditvergaben einfließen. Der Libor ist immer noch das Zinsmaß schlechthin. Kredite und andere Finanzkontrakte in Höhe von mehreren Billionen Dollar fußen auf ihm.

Der Libor-Skandal mischt inzwischen die US-Politik auf. Die republikanischen Senatoren Charles Grassley und Mark Kirk blockieren derzeit eine Personalentscheidung des Finanzministers Timothy Geithner. Sie wollen einen Kandidaten für das neue Amt für Finanzforschung nicht einmal in Erwägung ziehen, bis Geithner ihre Fragen zur Libor-Untersuchung umfassend beantwortet hat. Die beiden Abgeordneten hatten dem Minister ihre Fragen bereits in einem Brief vom Oktober gestellt.

"Diese Antwort ist unvollständig", erklärte Grassley, nachdem er Fitzpaynes Brief erhalten hatte. "Ich hoffe, wir werden bald eine komplette Antwort vom Finanzministerium bekommen, in der detailliert erklärt wird, welche Maßnahmen die Behörde ergriffen hat und welche nicht." Zudem wollte Grassley wissen, ob Geithner künftig in der Öffentlichkeit weiter schweigen wolle, falls er von weiteren Zinsmanipulationen erfahren sollte.

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