Von MARION ISSARD
Die Champagnerkorken knallen leiser. Die Rezession in Europa hat nun auch dieses Luxusgut erreicht. In den ersten neun Monaten ist der Absatz des Schaumweins aus Frankreich um 5 Prozent gesunken. Zwar wird der Konsum zum Jahresende hin steigen - Hochsaison für die quellenden Perlen im Glas. Allerdings wird dies nicht ausreichen, um auf Jahressicht einen Absatzanstieg gegenüber 2011 zu schaffen. Davon geht man zumindest in der Branche aus.
Die Abschwächung zeigt, wie eng das Glück der Champagner-Hersteller mit der Entwicklung der europäischen Wirtschaft korreliert. Noch stärker hängt es vom Vertrauen der französischen Konsumenten an, denn auf sie entfällt rund die Hälfte des Absatzes. Steigende Arbeitslosigkeit und eine schwächelnde Konjunktur vermiesen den Franzosen allerdings inzwischen die Laune auf Luxus.
"2011 war Frankreich von der Krise noch nicht voll erfasst, jetzt aber schlägt sie voll durch", stellt Marc Sibard fest. Ihm gehört Les Caves Auge, einer der ältesten Weinläden in Paris. "Champagner ist ein Festgetränk, und in diesem Jahr gibt es nicht viel zu feiern."
In den ersten neun Monaten haben die Hersteller aus der Champagne - nur sie dürfen diesen Schaumwein mit garantierter Herkunft als "Champagner" verkaufen - 6,3 Prozent weniger des Getränks im Inland abgesetzt. Noch schlechter lief es im europäischen Ausland. Die Verkäufe in die EU-Staaten gingen um gut ein Zehntel zurück, wie aus Daten der Handelsorganisation CIVC hervorgeht.
Bei den großen Luxuswarenherstellern führen die Krise in der Eurozone und die globalen wirtschaftlichen Probleme inzwischen zu einer Verlangsamung des Wachstums. In vielen Fällen haben die asiatischen Verbraucher das abgefedert - nicht so bei Champagner. Auf die Region entfielen 2011 gerade einmal 5 Prozent der Verkäufe. "Champagner ist weiter sehr europäisch und hat keinen Puffer in Asien", sagte Christine Ropert vom französischen Brokerhaus Gilbert Dupont.
2012 stellte die Champagnerhersteller vor große Herausforderungen. Nach einer Rekordernte im vergangenen Jahr erlebten die Hersteller zwei Kältewellen, Frühjahr und Sommer waren verregnet. Dies führte zu Krankheitsbefall der Trauben, rund 30 Prozent der Ernte wurden zerstört.
Keine Auswirkungen auf das Angebot
Auf das Angebot hat dies kurzfristig keine Auswirkungen. Denn bei der Champagnerherstellung werden Grundweine verschiedener Jahrgänge verschnitten. Dies ermöglicht die kontinuierliche Produktion eines gleichwertigen und beinahe gleich schmeckenden Getränks.
Zudem sitzt die Branche auf umfangreichen strategischen Reserven. Mehr als eine Milliarde Flaschen lagern in den Champagner-Kellern - die Vorräte reichen für mehr als drei Jahre.
Die schlechte Ernte hat aber auch ihr Gutes: Die Preise für das festlichste aller Getränke zogen an. Jahrelang bemühten sich die Erzeuger um Preisanhebungen, um dem Produkt ein noch luxuriöseres Image zu verleihen. In diesem Jahr wurde Champagner bis Ende September im Schnitt um 5,6 Prozent teurer. Der Umsatz stieg um insgesamt 1,2 Prozent, wie Nathalie Costa, Sprecherin der unabhängigen Champagnerhersteller und Genossenschaften, sagte.
Lichtblick USA
Einen Lichtblick bieten auch die USA. Nachdem die Verkäufe dort 2008 eingebrochen waren, dürften sie in diesem Jahr in etwa auf dem Niveau von 2011 liegen und damit die Schwäche des europäischen Marktes etwas ausgleichen.
"Wir werden wahrscheinlich nicht die 2011 verzeichnete Zunahme von 14,4 Prozent erleben, aber wir erwarten ein starkes Jahr", sagte Sam Heitner, Direktor des Champagnerbüros in den USA.
In den kommenden Jahr werden die Perlen im Glas nur langsam steigen: Die Branche erwartet für die nächsten drei Jahre nur ein weltweites Absatzwachstum von 1,2 Prozent. Laurent Reinteau, Generaldirektor für die Marken Jacquart und Montaudon, vertritt vor diesem Hintergrund eine sehr simple Geschäftsstrategie: "Wir wollen Marktanteile gewinnen."
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