Von MICHAEL HADDON
In Europa dürften die Weizenpreise im ersten Quartals des kommenden Jahres steigen, denn einer stetigen Nachfrage steht ein knappes Angebot gegenüber. Aber die Rally wird nicht lange dauern. Analysten glauben, dass die Preise im kommenden Dezember niedriger als jetzt sein werden, da sich die weltweite Produktion erholt von einer Reihe von Naturkatastrophen erholt.
Marktbeobachter erwarten seit etwa einem Monat, dass die Ukraine – einer der weltweit größten Produzenten – Exporte verbannt oder erschwert, um nach einer schwachen Ernte die Bestände im eigenen Land abzusichern. Das könnte die Preise anfeuern. Gerüchte über solche Maßnahmen waren in den vergangenen Monaten immer wieder im Umlauf.
„Auf dem Weizenmarkt haben Spekulationen über fallende Lieferungen vom Schwarzen Meer und die Aussicht auf Exportbeschränkungen in der Ukraine dominiert, aber bisher haben die Zuflüsse aus der Region die Erwartungen übertroffen", teilte der Internationale Getreiderat Ende November mit. Das habe den Anstieg der Preise verzögert.
Bald könnte es aber steil bergauf gehen. Die Investmentbank Macquarie glaubt, dass die meisten großen Weizenexporteure ihre Bestände für den internationalen Markt bis zum ersten Quartal 2013 ausgeschöpft haben. Vor allem die Exporte aus Russland und der Ukraine dürften im neuen Jahr gegen Null gehen. Ein ähnliches Fazit zieht die Commerzbank . Die Analysten des Frankfurter Geldhauses schätzen, dass geringere Lieferungen aus der Region ums Schwarze Meer den Bedarf für Weizen aus der EU und den USA erhöhen werden.
Die europäischen Futures auf Weizen sind in den vergangenen Monaten stetig gestiegen. In Paris etwa gewann der Terminkontrakt auf Mahlweizen mit Lieferungstermin im Januar in drei Wochen knapp 10 Prozent. Zwischenzeitlich kostete eine Tonne knapp 280 Euro, vorher waren es knapp 255 Euro. Jetzt liegt der Preis bei knapp 270 Euro.
Die Analysten der Rabobank sagen voraus, dass die Weizen-Futures in der EU im ersten Quartal 2013 auf 290 Euro pro Tonne steigen. Die Produktion dürfte in diesem Jahr um 6 Millionen Tonnen auf 131 Millionen Tonnen fallen - der Regen vermiest die Ernte. Das alles führt dazu, dass die Bestände zurückgehen. Die so genannte Stocks-to-Use-Ratio – ein Quotient, der die Bestände im Vergleich zum Verbrauch misst – für EU-Weizen dürfte im Winter auf ein Rekordtief von 5,6 Prozent fallen. Die hohen Preise und niedrigen Bestände könnten dazu führen, dass früher oder später Weizen aus Nordamerika und Australien nach Europa eingeführt wird.
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Die Analysten der Commerzbank bemerken allerdings, dass die Weizenexporte aus der EU bisher noch sehr robust sind. Seit dem Beginn des Erntejahres vor 22 Wochen wurden 7,3 Millionen Tonnen aus der Staatengemeinschaft verschifft – im vergangenen Jahr waren es zur gleichen Zeit nur 6,5 Millionen Tonnen gewesen.
Sicher ist der Anstieg nicht: Selbst wenn die Weizenexporte aus der Gegend ums Schwarze Meer zurückgehen, könnten die Preise in Europa unter Umständen bleiben, wo sie sind. Ein Grund: Der EU-Weizen ist jetzt schon ein gutes Stück teurer als der in den USA. So könnten die US-Importe die Lücke füllen, die durch Ausfälle in Osteuropa und der EU entsteht.
Macquarie führt außerdem an, dass die Nachfrage aus Nordafrika schwach ist. Die Importe aus der Region waren zwischen Juni und September etwa 15 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Das lässt nichts Gutes für die Nachfrage bis Sommer vermuten – denn im Sommer wird meist zugekauft, um die Bestände zu sichern.
Der Internationale Getreiderat sagt, dass eine überraschend starke Nachfrage von China und Iran zu Anfang der Erntesaison die Prognose über das weltweite Handelsvolumen angehoben hat. Aber das geschätzte Volumen ist trotzdem niedriger als in der letzten Saison.
In der Saison von 2013 bis 2014 sollte ein Anstieg der Produktion die neunte Weizenknappheit in 14 Jahren vermeiden. Die zunächst hohen Preise dürften dabei helfen, dass mehr von dem Rohstoff angebaut wird. Außerdem könnte dann in Europa und am Schwarzen Meer wieder mehr Weizen wachsen, wenn die Unbillen des Wetters überstanden sind. Dadurch dürfte der Preis abfallen: Die Rabobank rechnet mit einem Durchschnitt von 204 Euro pro Tonne im vierten Quartal 2013 – ein kräftiger Verfall, im laufenden Quartal sind es bisher 270 Euro.
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