• The Wall Street Journal

Ölriese Rosneft besiegelt Kauf von TNK-BP

CHABAROWSK—Der Verkauf des russisch-britischen Joint Ventures TNK-BP an den staatlichen russischen Ölriesen Rosneft ist nach Aussage von Rosneft-Vorstandschef Igor Sechin nun unumkehrbar unter Dach und Fach. Im Dezember werde er die endgültigen Papiere zum Kauf jener Konzernhälfte unterschreiben, die noch von einem Konsortium russischer Oligarchen gehalten wird. Vergangene Woche hatte Rosneft bereits die erste Etappe in der Übernahme abgeschlossen und den 50-Prozent-Anteil des britischen Ölkonzern BP an dem Joint Venture gekauft.

Associated Press

Zentrale von TNK-BP in Moskau: Der Verkauf des Joint Ventures an den russischen Ölriesen Rosneft ist so gut wie abgeschossen.

Mit dem Zukauf steigt Rosneft zum weltgrößten börsennotierten Ölkonzern auf, der Russlands Energiebranche beherrschen wird. Bei einem außerordentlichen Aktionärstreffen in der russischen Stadt Chabarowsk hatte Sechin die letzten Formalitäten für die Übernahme mit den Oligarchen ausgehandelt. „Wir sind uns in den wichtigsten Punkten einig", sagte er. Es blieben noch ein oder zwei offene Fragen, in denen es aber auch keine gravierenden Meinungsverschiedenheiten gebe. „Das ist technische Arbeit", sagte Sechin.

Weder für den Kauf der BP-Anteile, noch für den Kauf der Anteil des russischen Oligarchen-Konsortiums Alfa Access Renova (AAR) sei die Zustimmung der Aktionäre erforderlich, sagte Sechin.

Der Konzernlenker gilt als treibende Kraft hinter dem Geschäft. Am Freitag verriet er jedoch nichts zu der geplanten neuen Konzernstruktur von Rosneft nach der Übernahme, die im ersten Halbjahr 2013 abgeschlossen sein soll. Es gebe einen Sonderkonzernausschuss bei Rosneft, der sich mit dem Kauf befasse, sagte Sechin. Mehr wollte er dazu aber nicht sagen. Die beiden Unternehmen behielten auch in Zukunft ihre separaten Markennamen bei.

Weder Rosneft noch AAR haben die Einzelheiten der Übernahme im Wert von 28 Milliarden US-Dollar öffentlich gemacht. Für den BP-Anteil an TNK-BP zahlt Rosneft 26,8 Milliarden US-Dollar in einer Mischung aus Bargeld und Aktienvermögen.

Um die Transaktion abschließen zu können, muss Rosneft aber noch 45,1 Milliarden Dollar in bar auftreiben. Der Ölgigant habe bei internationalen und russischen Banken um Kredite in Höhe von 37,5 Milliarden Dollar angefragt, hatten zwei mit der Sache vertraute Personen dem Wall Street Journal Anfang November gesagt. Ein weiterer Insider verriet dem Wall Street Journal am Donnerstag, dass Rosneft außerdem Unternehmensanleihen in Höhe von 3 Milliarden Dollar an Investoren verkauft habe.

Bei der Aktionärsversammlung am Freitag stimmten Investoren einer Dividendenerhöhung auf 25 Prozent des Nettogewinns für das Jahr 2011 zu. Im Vorjahr lag die Dividende bei 10 Prozent des Nettogewinns. Zusammen mit einer zusätzlichen Ausschüttung von 4,08 russischen Rubel je Aktie (rund 10 Euro-Cents) wird sich die Dividende für 2011 damit auf 7,53 Rubel je Aktie (rund 19 Euro-Cents) belaufen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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