• The Wall Street Journal

Für Yahoo-Mitarbeiter herrscht bald Anwesenheitspflicht

Home Office? Die Zeiten sind beim Internetkonzern Yahoo vorbei. Unternehmenschefin Marissa Mayer hat alle ihre Mitarbeiter zurück ins Büro gerufen.

Getty Images

Ab ins Büro: Das Home Office ist für Yahoo-Mitarbeiter bald tabu.

Während manche den Vorstoß richtig finden, beklagen andere, dass die Anwesenheitspflicht Eltern benachteilige. Auch Immobilientycoon Donald Trump gab bei Twitter seine Meinung kund. Es sei richtig, dass Mayer von den Mitarbeitern verlange, ins Büro zu kommen, schrieb er. „Sie macht eine fantastische Arbeit."

Wie auch immer man dazu steht - der Schritt, den Yahoo vergangene Woche in einer Unternehmensmitteilung verkündet hat, offenbart eine wenig diskutierte Wahrheit: Wenn Mitarbeiter von zuhause arbeiten, hat das Nachteile. Oftmals ist das Vertrauen unter den Kollegen nicht so groß, bei Absprachen entstehen schneller Missverständnisse und die Angestellten können Arbeit und Freizeit nicht so gut trennen.

Einige der besten Ideen entstünden bei zufälligen Treffen im Flur oder an der Kaffeemaschine, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: „Schnelligkeit und Qualität leiden oft darunter, wenn wir von zuhause aus arbeiten. Wir müssen ein Yahoo sein und das fängt damit an, dass wir am gleichen Ort sind."

Noch arbeiten laut dem Blog AllThingsD mehrere hundert Yahoo-Angestellte ausschließlich von zuhause, viele weitere kommen nur an ein paar Tagen in der Woche ins Büro.

Yahoo ist nicht die erste Firma, die die Arbeit aus dem Home Office begrenzt. Ende vergangenen Jahres forderte auch die Bank of America ihre Mitarbeiter dazu auf, häufiger ins Büro zu kommen, damit die Zusammenarbeit besser funktioniert.

Die Home-Office-Verfechter hat das verärgert. Mobile Technologien und Netzwerke wie Skype ermöglichten es Menschen, von dort zu arbeiten, wo es Internet gibt, argumentieren sie – und das solle man ausnutzen. Bei einigen Unternehmen wie der Internetfirma Automattic erledigt fast die gesamte Belegschaft ihre Arbeit von zuhause aus.

Tolle Ausstattung soll Mitarbeiter ins Büro locken

Für die Angestellten hat das oft Vorteile, weil sie Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. Unternehmen hingegen stehen vor Herausforderungen – gerade zu Zeiten, in den Gruppenprojekte immer wichtiger werden.

Bei anderen großen Firmen aus dem Silicon Valley wie Google und Facebook gibt es zwar auch Mitarbeiter im Home Office, doch großzügig ausgestattete Büros und kostenloses Essen sollen dafür sorgen, dass die Angestellten so oft wie möglich ins Büro kommen. Auch das amerikanische Portal für lokale Dienstleistungen Zaarly regt seine Mitarbeiter dazu an, im Büro zu arbeiten. Sie träfen schneller Entscheidungen, wenn sie sich direkt an die anderen Kollegen wenden könnten, sagt Produkt-Direktor Shane Mac.

Untersuchungen zeigen, dass die persönliche Zusammenarbeit gewöhnlich auch der beste Weg ist, um Vertrauen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Kollegen entstehen zu lassen. Das gelte besonders für neue Mitarbeiter oder für Teams, in denen sich die Kollegen nicht kennen, sagt Michael Boyer O'Leary von der Georgetown University.

Das heißt aber nicht, dass Mitarbeiter, die von zuhause aus arbeiten, nicht so produktiv sind wie ihre Kollegen im Büro. Es könnte sogar sein, dass sie mehr arbeiten. In einer Studie der University of Texas heißt es, dass Angestellte im Home Office wöchentlich fünf bis sieben Stunden mehr arbeiten als ihre Kollegen, die ausschließlich im Büro sind.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen