• The Wall Street Journal

Große Investoren wenden sich vom Gold ab

John Paulson glaubt nach wie vor an Gold. Zuletzt war es ein schmerzhafter Glaube. Der Wochenauftakt brachte für den bekannten Hedgefonds-Manager und andere Goldfans aber endlich mal wieder gute Nachrichten.

Der Goldpreis stieg in der Spitze auf 1.596 Dollar je Feinunze. Sorgen über den Wahlausgang in Italien und die drohenden großflächigen Ausgabenkürzungen in den USA halfen dem Edelmetall nach oben.

Die Erholung steht im Kontrast zu den Kursverlusten der vergangenen Monate, in denen das Fehlen schlechter Nachrichten den Enthusiasmus für Gold dämpfte. Die drei Schlussmonate des vergangenen Jahres waren für das Metall das schlechteste Quartal seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis – in Dollar gemessen – um weitere gut fünf Prozent gefallen, vom Rekordhoch bei 1.888,70 Dollar aus dem August 2011 trennen ihn nun 16 Prozent.

Die langfristigen Aussichten für Gold sehen viele Anleger weiter skeptisch. Einige Hedgefonds widmen ihm nach dem Kursrutsch aber schon wieder mehr Aufmerksamkeit.

[image] Bloomberg News

John Paulson bleibt ein großer Gold-Fan. Damit zählt er aktuell zur Minderheit der Investoren.

Dass Gold nach einem mehr als ein Jahrzehnt währenden Höhenflug zuletzt etwas die Luft ausging, liegt am besseren Zustand der Weltwirtschaft und der Aktienmärkte. Einige Investoren haben Mut gefasst und trauen sich wieder in riskantere Anlagen. Im Gegenzug ziehen sie sich aus sicheren Häfen wie Gold zurück. Auch einige Investoren, die Gold als Absicherung gegen Inflation gehalten hatten, haben verkauft, weil die Verbraucherpreise nur moderat steigen. Andere gehen davon aus, dass Aktien im Falle einer steigenden Inflation mindestens genau so gut laufen werden wie Gold.

Auch der Dollar zeigt sich stabil, was die Anziehungskraft von Gold verringert. Schließlich sind auch die Zinsen gestiegen, was die Opportunitätskosten der Goldhaltung erhöht, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Die Aktien von Goldminenbetreibern sorgen für noch größere Enttäuschung, nicht zuletzt wegen Managementfehlern und dem schwachen Cashflow der Bergbauunternehmen in den vergangenen Jahren.

Paulson hält seine Gold-Positionen

Ungeachtet aller negativen Faktoren, die auf dem Goldpreis lasten, gehört die Firma von John Paulson, Paulson & Co., weiter zu den größten Fans und lässt den Großteil ihrer Goldvorräte unangetastet. Paulson ist nach wie vor größter Anteilseigner am börsengehandelten Gold-Fonds SPDR Gold Trust, einem sogenannten ETF, an dem er im vergangenen Quartal unverändert 22 Millionen Anteile hielt. Auch an den großen Positionen des Hedgefonds an den Goldminen-Unternehmen Anglogold Ashanti, Detour Gold, Nova Gold Resources und Barrick Gold hat sich laut Finanzmitteilungen im vergangenen Quartal wenig geändert.

Unklar ist, ob Paulson seine Positionen bei Gold-Derivaten angepasst hat, die ebenfalls als groß gelten. Seinen Kunden versicherte der Hedgefonds-Manager aber, dass er daran glaube, dass Gold langfristig steigen werde. Die globalen Zentralbanken würden ihr Geldangebot weiter ausdehnen und die Inflation letztlich anziehen. Eine neue Kaufoffensive habe er aber nicht gestartet, berichten seine Anleger.

Nur einige wenige Kollegen von Paulson an der Wall Street teilen seine Meinung. Der Hedgefonds-Riese Och-Ziff Capital Management etwa hat seine Gold-Position im SPDR Gold Trust im vierten Quartal noch ausgebaut. Allerdings hat das Unternehmen weniger als ein Prozent seines gesamten Vermögens in den ETF investiert, zeigen Daten von Factset.

Auch Vishaal Bhuyan, der den 20 Millionen Dollar schweren Hedgefonds Nariman Point verwaltet, erklärt, er habe in der jüngsten Schwächephase Gold gekauft – als Wette darauf, dass die Zinsen nicht abheben werden. Kurzfristig sieht Bhuyan durchaus die Gefahr, dass der Preis für die Feinunze bis auf 1.350 Dollar fallen könnte. Für ihn ist Gold aber eine Langfristanlage. Als Schutz versteht er es nicht: „Wenn man Gold als Schutz betrachtet, muss man es als Münze oder Barren besitzen, nicht als ETF", sagt er.

Goldbullen zuletzt in der Minderheit

Unter dem Strich sind die Gold-Bullen zuletzt eindeutig in der Minderheit gewesen. Im laufenden Monat fuhren Geldverwalter, die von der CFTC, der US-Aufsichtsbehörde für den Handel mit Rohstoff-Futures, beobachtet werden, ihre Wetten auf einen steigenden Goldpreis über Optionen und Future-Kontrakte auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren zurück. Die so genannte Netto-Long-Position der Fonds – also der Überhang der Kauf- über die Verkaufspapiere – schrumpfte in der Woche bis zum 19. Februar um 32 Prozent auf 42.000 Kontrakte.

Prominente Hedgefonds und andere Händler haben sich in den vergangenen Wochen von Gold abgewandt, und einige wollen auch weiter außen vor bleiben. Der Hedgefonds Lone Pine Capital von Steve Mandel hat im vierten Quartal seine komplette Beteiligung am SPDR Gold Trust, insgesamt fast 2,6 Millionen Anteile, abgestoßen, zeigen Wertpapierdokumente. Auch andere hoch angesehene Hedgefonds wie Moore Capital Management und Scout Capital Management haben ihre gesamten Gold-Positionen verkauft, zeigen die Dokumente. Fondsvertreter wollten dazu keine Stellung nehmen.

„Gold war ein Momentum-Geschäft und das langweilt die Leute jetzt", sagt der Chef eines großen Hedgefonds.

Auch der 24 Milliarden Dollar schwere Soros Fund von George Soros hat im vierten Quartal rund 100 Millionen Dollar aus dem SPDR Gold Trust abgezogen, rund die Hälfte seiner Position. Dieser Schritt war laut Insidern aber nicht auf eine negativere Einstellung des Fonds zu Gold zurückzuführen. Der Fonds hat in der Vergangenheit immer eine Reihe von Investments und Derivaten genutzt, um Gold zu kaufen und verkaufen.

Paulson hat auch eigenes Vermögen großteils in Gold angelegt

Das Ansehen von Paulson ist auf seinen 20-Milliarden-Dollar-Gewinn zurückzuführen, den er mit frühen Wetten gegen Subprime-Hypothekenkredite gemacht hatte. Er polsterte diese Gewinne, indem er bereits im Frühjahr 2009 auch Gold kaufte, lange bevor dessen Rally begann. Paulson legte auch einen Gold-Hedgefonds auf, der inzwischen 1 Milliarde Dollar verwaltet.

Die jüngste Goldschwäche hat Paulson weh getan. Sein eigenes Geld macht laut Investoren etwa die Hälfte des Goldfonds aus. Und Paulson hat seinen Kunden mitgeteilt, dass mehr als die Hälfte seines persönlichen Vermögens in seinen Goldfonds liege.

Am Derivatemarkt nimmt die pessimistische Stimmung zu. Im vergangenen Monat ist das Verhältnis zwischen Optionen, die auf fallende oder auf steigende Preise setzen, laut Daten von Trade Alert auf den höchsten Stand seit Oktober 2011 gestiegen.

Einige große Hedgefonds sagen, dass sie wieder größeres Interesse an Gold gewonnen hätten, seit die Stimmung gekippt und der Preis gesunken sei. Aber sie würden noch auf einen stärkeren Kursrutsch warten, bevor sie richtig einsteigen würden.

Daniel Arbess, der den Hedgefonds PWP Xerion managt, hatte Ende 2008 physisches Gold gekauft, es aber im vergangenen Jahr wieder verkauft. Er vermeide Gold, weil nach seiner Erwartung die Zentralbanken demnächst ihre lockere Geldpolitik zurückfahren müssten, was die Zinsen treiben werde. „Wir wollen vor der Normalisierung der Zinsen nicht in Gold investiert sein", sagt Arbess. Er kann sich eine Rückkehr aber durchaus vorstellen – als Absicherung gegen Inflation, wenn die US-Fed einige ihrer Anleihen wieder verkauft, die sie zuletzt gekauft hat.

—Mitarbeit Kaitlyn Kiernan.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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