Von AMIR EFRATI
Wer sich Youtube-Videos ansehen will, wird dafür vielleicht bald bezahlen müssen. Die Google -Webseite verhandelt gerade darüber, ob Macher der Online-Clips ihre Inhalte noch in diesem Jahr kostenpflichtig auf Youtube anbieten dürfen. Das sagen Personen, die von den Gesprächen wissen.
Mit dem Schritt würden sich Youtube und seine Tausenden von Partnern, die Inhalte zur Verfügung stellen, eine neue Einnahmequelle erschließen. Außerdem könnte das Bezahlmodell neue Videoproduzenten anlocken, die sich nicht nur auf Werbeerlöse verlassen wollen, heißt es. Youtube-Manager diskutieren schon seit längerem öffentlich über die Idee, insofern kommt der jüngste Vorstoß nicht überraschend. Auch das Fachmagazin der Werbebranche, Ad Age, hatte zuvor über die Pläne berichtet.
„Wir betonen schon seit langem, dass verschiedene Inhalte verschiedene Bezahlmodelle benötigen", sagte ein Youtube-Sprecher am Dienstag. „Viele derjenigen, die unsere Inhalte erstellen, glauben, dass sie von Gebühren profitieren würden, also schauen wir uns das an." Weitere Auskünfte wollte er nicht geben.
Mehrere Gebührenmodelle sind im Gespräch, sagen Insider. Eine Möglichkeit wäre, dass Videomacher neue, kostenpflichtige Kanäle eröffnen. Eine andere Idee wäre, Zuschauer dafür zahlen zu lassen, dass sie sich Videos früher als andere ansehen könnten. In der Branche ist diese Strategie auch als „Windowing" bekannt. Viele Videoproduzenten halten das für die bessere Lösung, als Gratiskanäle plötzlich zahlungspflichtig zu machen.
Youtube hofft nach Auskunft der Quellen insgeheim auch, dass die Besitzer angeschlagener Kabelfernsehkanäle ihre Inhalte auf Youtube verlagern, wenn sie dort Geld einnehmen könnten. Youtube erwirtschaftet bereits einen Teil seiner Erlöse über eine kostenpflichtige Online-Videothek, in der man Spielfilme ausleihen oder kaufen kann. Das kostet dann zwischen 1,99 US-Dollar und 14.99 Dollar.
Gebühren würden mit Videomachern geteilt
Nach Schätzungen von Mark Mahaney, Aktienanalyst der Investmentbank RBC Capital Markets, machte Youtube im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 4 Milliarden Dollar. 2011 waren es 2,5 Milliarden Dollar. Er rechnet damit, dass Youtube seine Erlöse im Jahr 2013 auf 5 Milliarden Dollar steigern kann – wobei aber die Hälfte davon an diejenigen geht, welche die Inhalte für Youtube liefern. Sie sind an den Werbeeinnahmen beteiligt.
Auch die geplanten Gebühren würde Youtube mit den Videolieferanten teilen, sagen die mit der Sache vertrauten Personen.
Die Webseite bietet längst nicht mehr nur Amateurfilmchen an. Inzwischen gibt es zahlreiche „Kanäle" auf Youtube mit Tausenden von „Abonnenten", die Videoneuheiten auf ihren Kanälen entgegenfiebern.
Youtube versucht zudem, Anzeigenkunden dazu zu bewegen, ihr Geld statt in Fernsehwerbung lieber in die Video-Webseite zu investieren. Aus dem Grund bemüht sich Youtube bereits sichtlich, die Qualität seiner Inhalte aufzuwerten.
In den USA hat die Seite schon einigen namhaften Kinoproduzenten, Komikern und Musikern wie Rapper Jay-Z insgesamt mehr als 150 Millionen Dollar an Vorschüssen gezahlt, damit diese ganz eigene Inhalte für Youtube erstellen. In Zukunft könnte Youtube das Modell weltweit fortsetzen und noch mehrere hundert Millionen Dollar für maßgeschneiderte Auftragsvideos ausgeben. Die Seite arbeitet überdies mit großen Produktionsfirmen wie Endemol und Walt Disney zusammen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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