• The Wall Street Journal

Älteste Schweizer Bank Wegelin schließt nach Steuerskandal

Die älteste Bank der Schweiz verschwindet. Nach mehr als zweieinhalb Jahrhunderten stellt die Bank Wegelin in Folge eines Steuerskandals ihr Geschäft komplett ein. Das Institut aus Sankt Gallen hat sich im Streit mit den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung für schuldig befunden und muss eine hohe Millionen-Strafe zahlen. In einer Anhörung gab Wegelin zu, reichen Amerikanern jahrelang dabei geholfen zu haben, Geld am Fiskus vorbeigeschleust zu haben.

Die USA hatten schon vor einem Jahr Anklage gegen die älteste Bank der Schweiz wegen des Verdachts erhoben, für amerikanische Bürger insgesamt 1,2 Milliarden Dollar auf Auslandskonten versteckt zu haben. Angesichts des Streits hatte die Bank Anfang 2012 das Geschäft außerhalb der USA an die Raiffeisen-Gruppe verkauft. Wegelin & Co behielt nur das US-Geschäft, das nun eingestellt wird. Die Traditionsbank ist damit Geschichte.

Das Schuldeingeständnis der bereits im Jahr 1741 gegründeten Bank ist der jüngste Schlag für die Praktiken der Schweizer Banken. Vor etwa fünf Jahren starteten die USA umfangreiche Untersuchungen, die der Auftakt für den jahrelangen Streit über das Bankgeheimnis waren. US-Behörden fordern die Namen von US-Bürgern, die Schweizer Konten haben.

Getty Images

Wegelin wurde 1741 gegründet - und schließt jetzt.

Im vergangenen Jahr hatte die Schweiz das Bankgeheimnis gelockert und Instituten erlaubt, Namen von Kunden zu nennen. Seitdem hofft die Branche auf eine umfangreiche Einigung mit den USA. Washington ermittelt derzeit noch gegen eine ganze Reihe weitere Banken aus der Schweiz.

Wegelin waren zwischen dem Jahr 2002 und 2010 US-Bürger bekannt, die geheime Konten bei der Bank führten, um Steuern zu umgehen, sagte Otto Bruderer, Vertreter der Schweizer Bank vor dem US-Gericht in Manhattan. Zwar sei sich die Bank darüber im Klaren, dass dieses Vorgehen falsch gewesen sei. Allerdings sei Wegelin davon ausgegangen, in den USA deswegen nicht betraft werden zu können, da man keine Büros oder Filialen in den USA habe. Zudem habe sich das Geldhaus nach dem eigenen Verständnis an die Gesetzgebung in der Schweiz gehalten und war davon ausgegangen, dass ein solches Vorgehen in der Schweizer Bankenbranche verbreitet sei.

Insgesamt muss Wegelin nun eine Strafe von 14,7 bis 29,4 Millionen Dollar berappen. Oben drauf kommt noch eine Entschädigung an die US-Steuerbehörde für mutmaßlich entgangene Steuereinnahmen über 20 Millionen und knapp 16 Millionen für die Gebühren, die Wegelin von US-Kunden erhalten hat.

Einen ersten Höhepunkt der Untersuchungen Washingtons gegen die Schweizer Bankenbranche gab es 2009. Die Großbank UBS hatte 2009 eingeräumt, am Steuerbetrug gegenüber den US-Behörden mitverantwortlich zu sein. Um nicht strafrechtlich belangt zu werden, brach die UBS ihr lange gehütetes Bankgeheimnis und übergab den Behörden eine Liste mit den Namen von 4.000 Kontoinhabern. Zusätzlich zahlte UBS 780 Millionen US-Dollar Strafe. Die UBS hatte ihren Service mit unangemeldeten Nummernkonten aufgegeben.

In den aktuellen Untersuchungen der US-Behörden ist die Bank Wegelin die erste, die sich schuldig bekennt.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Mai

    In Sri Lanka fertigt ein Schneider eine kunterbunte Buddha-Fahne, in China hat sich wieder ein riesiger Straßenkrater aufgetan und beim Radrennen Giro d'Italia kämpften sich die Teilnehmer durch die Alpen. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen