• The Wall Street Journal

Afrika hilft sich selbst

Reuters

Soldaten aus dem Tschad sind in dieser Woche in der Stadt Damara eingetroffen.

JOHANNESBURG – Im Kampf gegen eine Rebellenoffensive hatte sich der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé, mit der Bitte um diplomatische und militärische Hilfe an seine Nachbarn gewandt. Damit versuchen die afrikanischen Staaten, einen weiteren Krisenherd zu entschärfen, ohne dass westliche Großmächte eingreifen müssen.

Offenbar zeigt das Erfolge. Während ausländische Truppen in dem Land eintreffen, haben die Rebellen am Mittwoch ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bangui abgebrochen und sich zu Friedensgesprächen bereit erklärt. Nach Angaben des Außenministeriums könnten die Verhandlungen am 10. Januar in Gabun stattfinden. Bisher hatten sie damit gedroht, die Hauptstadt zu erstürmen und den Rücktritt von Bozizé als Vorbedingung für Gespräche verlangt.

Seit Beginn ihres Vormarsches vor drei Wochen hatten die Seleka-Rebellen mehrere wichtige Städte eingenommen und die Sorge geweckt, dass die ehemalige französische Kolonie erneut in den Strudel von Umstürzen und Gewaltherrschaft gerät. Bozizé selbst war 2003 durch einen Putsch an die Macht gelangt. Das Land ist tief gespalten zwischen dem wohlhabenderen, christlichen Süden und dem unterentwickelten, muslimischen Norden. „Ich habe unsere Truppen gebeten, ab heute ihre Positionen zu halten, weil wir in Gespräche über eine politische Lösung eintreten wollen", sagte Rebellen-Sprecher Eric Massi in Paris. „Unsere Partner diskutieren über Vorschläge zur Beilegung der Krise und einen politischen Übergang."

Gemeinsame Antwort auf Krise

Dieser Umschwung bei den Rebellen folgt auf die Entsendung von Soldaten durch andere afrikanische Staaten. Am Dienstag traf eine Abteilung aus Gabun in der Hauptstadt Bangui ein. Bereits zuvor waren 400 Soldaten aus dem Tschad und 120 aus der Republik Kongo angekommen. Die Truppen aus Kamerun werden für Freitag erwartet.

Das ist ein Strategiewechsel zu früheren Krisen, in denen der ehemalige Kolonialherr Frankreich eingreifen musste, etwa 2007 oder 1979. Noch immer sind etwa 600 französische Soldaten im Land. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte allerdings in der vergangenen Woche, diese seien nicht zum „Schutz eines Regimes" da, sondern für französische Staatsbürger und Interessen.

Die Nachbarstaaten werfen auch ihr diplomatisches Gewicht in die Waagschale, um den Konflikt zu lösen. Führende Politiker der Afrikanischen Union (AU) haben die Entsendung der Truppen in die Zentralafrikanische Republik als Stabilisierungsmaßnahme gelobt. Gleichzeitig hat die AU einen Sondergesandten benannt, der Friedensgespräche vorbereiten soll.

Diese gemeinsame Antwort auf die Krise ist nur ein Beispiel für die regionalen Kooperationen, mit denen lange schwelende Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent gelöst werden sollen. Im September versetze ein gemeinsames Kontingent aus kenianischen und AU-Soldaten der al-Shabaab-Miliz in Somalia einen schweren Schlag und vertrieb die Islamisten aus der Hafenstadt Kismayo. Die Gruppe bleibt allerdings aktiv und wird für die jüngste Anschlagsserie in Mogadischu verantwortlich gemacht.

Verhärtete Konfliktlinien

Erst kürzlich wurde der neu aufgeflammte Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo schnell beigelegt, nachdem die Nachbarn zu Friedensgesprächen gedrängt hatten. Diese laufen zurzeit in Uganda. Mehrere Staaten aus Westafrika haben sich verbündet, um im Norden Malis den Regierungstruppen im Kampf gegen al-Kaida-Splittergruppen zur Seite zu stehen.

Viele afrikanische Konflikte konnten in der Vergangenheit auch so lange schwelen, weil die Nachbarn tatenlos zusahen. In der Elfenbeinküste sorgten Vorwürfe der Wahlfälschung für monatelange Unruhen. In Libyen weigerte sich die Afrikanische Union lange, die gegen Muammar al-Gaddafi kämpfenden Rebellen offiziell anzuerkennen. Daher wurden die regionalen Diplomaten schnell übergangen, während Frankreich, die USA und andere westliche Länder eine Hauptrolle in den Konflikten einnahmen.

Die Verhandlungen zwischen Bozizé und den Deleka-Rebellen dürften allerdings schwierig werden. Wie viele andere Länder auf dem Kontinent verfügt die Zentralafrikanische Republik über große Vorkommen an Diamanten und Uran – und über verhärtete Konfliktlinien. Die Rebellen stammen aus dem armen, muslimischen Norden des Landes und bedrohen nun den christlichen Süden. Mit ihrer Offensive sicherten sich die Seleka unter anderem die Kontrolle über den Diamanten-Umschlagplatz Bria.

Die Soldaten aus dem Tschad befinden sich derzeit in der Stadt Damara, einer strategisch wichtigen Position zwischen der Hauptstadt und dem Rebellengebiet. Der Präsident des Tschad, Idriss Déby, ist ein enger Verbündeter von Bozizé. Dessen Legitimität ist trotz zweier Wahlen umstritten. Die Nachbarn sehen in ihm aber einen Garant für die Stabilität der Region, sagte Thierry Vircoulon, Projektleiter für Zentralafrika bei der International Crisis Group. „Die Afrikanische Union will nicht, dass eine Regierung gestürzt wird", sagt er. „Dies ist ein großer Prüfstein".

—Mitarbeit: David Gauthier-Villars und Emmanuel Tumanjong

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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