• The Wall Street Journal

Google-Chefaufseher Schmidt besucht Nordkorea

SEOUL – Google -Aufsichtsratschef Eric Schmidt wird zu einer nicht-offiziellen US-Delegation gehören, die in diesem Monat nach Nordkorea reist. Er ist damit der höchste US-Manager, der seit vielen Jahren an einer solchen Expedition in das Land teilnimmt.

dapd

Google Chairman Eric Schmidt war bis 2011 Chef des Konzerns.

Schmidt wird die Hauptstadt Pjöngjang zusammen mit dem demokratischen Politiker Bill Richardson besuchen, der unter der Regierung Bill Clintons als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen gearbeitet hat und von 2003 bis 2011 Gouverneur von New Mexico war. Sein langjähriger Mitarbeiter Kun Namkung wird die beiden begleiten.

Die Gruppe wird noch in diesem Monat aufbrechen, sagte eine Person, die über die Pläne informiert ist. Details wie das genaue Datum und mit wem sie sich treffen werden, waren noch nicht verfügbar.

Richardson reiste insgesamt sieben Mal nach Nordkorea, das erste Mal 1996. Damals erwirkte er die Entlassung eines Amerikaners, der wegen angeblicher Spionage festgenommen worden war.

Festnahme eines US-Amerikaners in Nordkorea

Erst am 21. Dezember hatte Nordkorea verkündet, dass der Amerikaner Kenneth Bae festgenommen wurde – ohne konkrete Anklagepunkte. Er ist der sechste US-Amerikaner, der innerhalb von vier Jahren in dem Land verhaftet wurde. Zwei wurden 2009 nach einem Besuch des früheren US-Präsidenten Bill Clinton entlassen, ein anderer 2010 nach einem Besuch des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter. Ein weiterer wurde nach dem Besuch eines US-Diplomaten entlassen. Den noch in Haft verbliebenen US-Amerikaner ließ Nordkorea später ausreisen.

Nur ein inoffizieller Besuch

Richardsons Besuch in Nordkorea wird inoffiziell sein – ebenso wie die Verhandlungen der Clinton-Regierung. Der jüngste Besuch des Politikers fand im Dezember 2010 statt, als die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea nach einer Artillerie-Attacke Nordkoreas auf eine südkoreanische Insel ihren Höhepunkt erreichten.

Schmidts Teilnahme wird sicher für deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit sorgen als ein gewöhnlicher Nordkorea-Besuch von Richardson. Unklar ist allerdings, ob Schmidts herausgehobene Stellung in der Geschäftswelt zu einem Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un oder anderen Spitzenvertretern des Regimes führen wird. Bei vergangenen Besuchen hatte sich Richardson stets mit Vertretern des Außenministeriums getroffen.

Die Spitzenfunktionäre des Regimes ignorierten 2008 eine Delegation der New Yorker Philharmonie, an der auch prominente Geschäftsleute teilnahmen. Auch eine Gruppe von Geschäftsleuten, zu denen auch CNN-Gründer Ted Turner gehörte, wurde 2005 kaum beachtet. Allerdings traf Kim Yŏng-nam fu, die nominelle Nummer zwei des Landes, 2009 eine Gruppe amerikanischer Geschäftsmänner – darunter den früheren AIG-Aufsichtsrat Maurice „Hank" Greenberg und den Bauunternehmer Ross Perot Jr.

Nordkoreas Regierung wirbt für Computereinsatz

Nordkorea hält fast alle seiner 24 Millionen Einwohner vom globalen Internet fern. Allerdings hat das Regime in den vergangenen sieben Jahren die Verbreitung von Computern für die Nutzung in Geschäftswelt und Bildung gefördert.

Google, Betreiber der weltweit meistgenutzten Websuchmaschine, hat sich als Fürsprecher der Informationsfreiheit und eines universellen Zugangs zu Informationen positioniert. Die Grundsätze der Firma wurden besonders in China, ein Nachbar und Verbündeter Nordkoreas, vor Herausforderungen gestellt, wo man lange gegen die Zensur der Regierung kämpfte – und sich letztlich aber aus dem Land zurückzog.

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