• The Wall Street Journal

Shell: Kein Ölleck in Arktis-Plattform

Der Ölkonzern Royal Dutch Shell hat kein Leck in seiner Ölplattform in Alaska festgestellt. Dem Konzern war vor der Südküste Alaskas eine Bohrinsel außer Kontrolle geraten. Jetzt konnte eine Rettungsmannschaft die Bohrinsel nach einigem Hin und Her betreten. Sie berichten, Kulluk sei stabil und kein Leck festzustellen.

Durch das kalte Wetter und hohe Wellen konnten die Rettungsmannschaften tagelang nicht an Bord der Plattform Kulluk gehen, nachdem die Bohrinsel am Montagabend an der Küste der unbewohnten Sitkalidak-Insel im Golf von Alaska aufgeschlagen war.

Die Plattform hat rund 139.000 Gallonen Diesel geladen, außerdem rund 12.000 Gallonen einer Mischung aus Schmieröl und Hydraulikflüssigkeit. Um sie vor Einstichen zu schützen, hat sie zentimeterdicke Stahlwände. Aufzeichnungen der Küstenwache zeigen, dass die Plattform stabil erscheint und kein Öl ins Meer läuft.

U.S. Coast Guard/Associated Press

Ein Mitarbeiter der US-Küstenwache blickt auf die Kulluk-Plattform - das Foto entstand vor dem Unfall.

Shell hatte Kulluk und eine weitere Plattform im vergangenen Jahr eingesetzt, um im arktischen Ozean Probebohrungen nach Öl vorzunehmen. Das Unterfangen war das erste dieser Art der in der amerikanischen Arktis seit mehr als zwei Jahrzehnten. Aber die Pläne kamen ins Stocken. Shell stieß auf Widerstand von Behörden und Einwohnern in Alaska, die vor Umweltrisiken warnten.

Und es gab noch mehr Probleme: Weil Shell in der Gegend auf unerwartet viel Eis stieß, konnte die Bohrsaison erst später als geplant beginnen. Schon die andere Plattform des Konzerns in Alaska, Noble Discoverer wäre im vergangenen Jahr beinahe auf Grund gelaufen, als sich ihr Anker löste.

Durch den Unfall haben die Kritiker wieder Auftrieb. Sie sagen, durch das extreme Wetter und die Abgelegenheit der Region seien das Bohren und das Transportieren von Ausrüstung schwerer als sonst. Durch den Unfall steigen die Sorgen, dass Shell dem Wetter in der Gegend nicht gewachsen ist – und dass selbst Routineoperationen zu Öldesastern auswachsen können, in einer Gegend, die für Reinigungsmannschaften nur schwer zu erreichen ist.

„Es ist klar, dass Ölfirmen nicht sicher bohren können angesichts der Bedingungen in der Arktis", sagte Ed Markey, Kongressabgeordneter der Demokraten für Massachusetts. „Weitere Bohrungen könnten für die Umwelt katastrophale Folgen haben."

Die größten Ölfirmen der Welt

Shell auf der anderen Seite kündigte an, schnell aufklären zu wollen, was schiefgegangen ist. Zum Unfall hätten „Transportprobleme" geführt, sagte eine Sprecherin vage. Die Bohrungen des Konzerns werden durch den Unfall nicht berührt, so die Sprecherin weiter.

„Je ernster die Folgen des Unfalls sind, desto mehr könnte Shell gezwungen sein, seine Operationen in Alaska zurückzufahren", schätzen Analysten der Bank Wells Fargo in einer Studie vom Mittwoch.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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