• The Wall Street Journal

Asien: Stimmung gut, Risiken bleiben

Das Jahr 2013 hat gerade erst angefangen, und schon herrscht Optimismus in Asiens Industrie. Die Exportnationen Südkorea und Taiwan legen zu. In beiden Ländern haben sich die verarbeitenden Produktionszweige erstmals seit dem Frühling wieder ausgeweitet, belegt der Einkaufsmanagerindex der HSBC für Dezember.

dapd

Elektronikwarengeschäft in Korea: Die Einkaufsmanager der Exportnation sind optimistisch eingestellt.

In China gab es schon am Dienstag den offiziellen Einkaufsmanagerindex, und der zeigte, dass die Industrieproduktion nach einem eher unbefriedigenden Sommer nun schon den dritten Monat in Folge wächst.

An den Aktienmärkten machen sich die guten Zahlen bemerkbar: Hongkongs Leitindex stieg am Mittwoch auf den höchsten Wert seit Sommer 2011. Auch andere führende Leitindizes verzeichneten Gewinne, was nicht nur an den positiven Daten aus China lag, sondern auch an Washingtons Klippen-Ausweichmanöver in letzter Minute.

Es wird allerdings nicht leicht sein, diesen frischen Schub beizubehalten.

In China muss die neue Führung einen schwierigen Balanceakt meistern und die Wirtschaft gleichzeitig ankurbeln und neu justieren. Analysten der Bank Société Générale glauben mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent an eine harte Landung in China, bei der das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2013 unter 6 Prozent fallen würde. Im vergangenen Jahr lag es noch um 7,7 Prozent.

Die Exporteure der Region haben auch immer noch mit der wirtschaftlichen Unsicherheit in den USA und der Wirtschaftsschwäche in Europa zu kämpfen. Die Industrieländerorganisation OECD schätzt, dass ein heftiger Abschwung in Europa die japanische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,3 Prozentpunkte schmälern könnte und jene in china um 1,2 Prozentpunkte.

Die jüngsten Exportdaten machen deutlich, dass die Zukunft ungewiss ist. In Singapur, einem Stimmungsbarometer für die Exportindustrie in Asien, enttäuschte das vierte Quartal. Das Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr 2012 stieg nur um 1,2 Prozent – die Regierung hatte mit 1,5 Prozent gerechnet.

In Südkorea nahmen die Ausfuhren im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent ab. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass es wegen der Wahlen im Land weniger Arbeitstage gab.

Kurzum, viele der Sorgen, die Asiens exportgetriebene Volkswirtschaften schon im vergangenen Jahr heruntergezogen haben, sind noch lange nicht verflogen. Die Vorzeichen zu Beginn des Jahres 2013 sind gut, aber die Risiken brodeln dicht unter der Oberfläche und es könnte zu früh sein, auf Asiens neue Stärke zu wetten.

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