Von SPENCER JAKAB
„Der Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Aktien zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar."
Mark Twain hat von den Aktienmärkten nicht viel gehalten. Aber er war auch berüchtigt für seine misslungenen Investitionen. Bessere Anleger dagegen haben davon profitiert, wenn sie nach historischen Mustern Ausschau halten. Dazu zählt auch Jeremy Grantham von Grantham Mayo Van Otterloo. Er hat kürzlich einen pessimistischen Ausblick auf die kommenden zehn Jahre gegeben. Besonders warnt er vor dem Jahr 2013 – wegen des Präsidenten-Effekts.
Es lässt sich schon seit längerer Zeit feststellen, dass von den vier Jahren, die ein US-Präsident im Weißen Haus verbringt, das erste für Aktienanleger das schlechteste ist, das dritte dagegen das beste. Daten für den Aktienindex S&P 500, die bis ins Jahr 1926 zurückreichen, zeigen, dass die Durchschnittserträge für das erste Jahr 8,2 Prozent betragen. Im dritten Amtsjahr sind es dagegen 18,7 Prozent.
Die Diskrepanz wird noch deutlicher, wenn man die rasante Erholung von Zusammenbrüchen 1933 und 2009 herausrechnet, als Franklin Roosevelt und Barack Obama ins Amt kamen. Ohne diese beiden Jahre beträgt der Schnitt nur etwa die Hälfte.
Natürlich lassen sich aus der Aktienhistorie unendlich viele Statistiken konstruieren. Besonders drastisch ist die Marktreaktion aber in dem Jahr, nachdem ein US-Präsident wiedergewählt wird: Im Schnitt sind es minus 0,3 Prozent. Im dritten Jahr einer ersten Amtszeit sind es dagegen 24,9 Prozent.
Der US-Präsident hat weitreichende Möglichkeiten, vor einem Wahlkampf die Wirtschaft anzukurbeln oder bittere Pillen auf die lange Bank zu schieben. Sobald die Wiederwahl überstanden ist, gibt es keinen Grund mehr, mit schlechten Nachrichten zu warten. Im vergangenen Jahr wurde das in dem viel zu späten Ringen über die Fiskalklippe mehr als deutlich.
Dieses Jahr könnte deshalb wie 2005 laufen, das erste Jahr der zweiten Amtszeit von George Bush, in dem die Aktienmärkte unterdurchschnittliche 4,9 Prozent abwarfen. Oder aber wie bei Bill Clinton 1997, als es fantastische 33,4 Prozent gab. Die beste Parallele scheint jedoch 1973 zu sein. Richard Nixon wurde wiedergewählt, im Nahen Osten kochten die Spannungen hoch, es kam zur ersten Ölkrise. Im Januar stiegen die Kurse noch, stürzten dann aber um unter den Strich 14,7 Prozent ab. Geschichte wiederholt sich nicht, wie schon Mark Twain schrieb, aber sie reimt sich.
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