Von NICO SCHMIDT
Die Achillesferse von Daimler liegt in China. Dass Mercedes-Benz der Konkurrenz im Geschäft mit Luxusautos hinterherfährt, liegt nicht zuletzt an diesem wichtigen Wachstumsmarkt. Während BMW und Audi in den vergangenen Monaten mit deutlichen Zuwächsen im Reich der Mitte das schwache Geschäft in Europa kompensieren konnten, lief es für die Stuttgarter dort nicht wirklich rund. Mit einem eigenen Ressortchef für die Volksrepublik wollen die Schwaben dieses Problem offenbar zur Vorstandssache machen.
Wie der Spiegel berichtet, wird die oberste Führungsriege Daimlers von sieben auf acht Mitglieder vergrößert. Ein namentlich nicht genannter Manager, der aus dem Unternehmen in den Vorstand aufrückt, soll künftig das China-Geschäft steuern. Laut Spiegel-Informationen soll die Einführung des Ressorts auf der nächsten Aufsichtsratssitzung beschlossen werden.
Ein Daimler-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Er äußerte sich auch nicht dazu, wann das Kontrollgremium das nächste Mal tagen wird.
Dass Daimler den wichtigsten Wachstumsmarkt der Welt durch ein eigenes Vorstandsressort aufwerten könnte, überrascht nicht. „Ich denke, dieser Schritt ist überfällig", sagt etwa Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Denn Daimler tut sich schwer im Reich der Mitte. Während Audi und BMW ihre Verkäufe in China um jeweils rund ein Drittel steigern konnten, verzeichnet Daimler in den ersten zehn Monaten ein vergleichsweise mageres Plus von 5,5 Prozent. Im Oktober gab es sogar einen Rückgang im wichtigsten Wachstumsmarkt der Welt.
Ineffiziente Strukturen in China
Die Gründe für die vergleichsweise schwache Entwicklung der Schwaben in China sind vielfältig. Zum einen sind die Vertriebsstrukturen ineffizient: Daimler unterhält zwei verschiedene Handelsorganisationen für vor Ort produzierte und importierte Fahrzeuge. Zu allem Überfluss sind die Stuttgarter auch noch mit weniger Händlern in dem riesigen Land vertreten. Zum anderen befindet sich Daimler in einer schwierigen Phase, was den eigenen Modelllebenszyklus angeht. Die neuen Generationen der A- und B-Klasse laufen gerade erst an, so dass die wichtigen Kompaktwagen in China über weite Teile des Jahres nicht voll verfügbar waren.
Einige Probleme in diesem Zusammenhang hat Daimler bereits erkannt: Die Zahl der Händler soll bis zum Jahresende von 207 auf ungefähr 260 steigen und in der mittleren Frist um rund 50 weitere pro Jahr zulegen. Zum Vergleich: Marktführer Audi will Ende 2012 schon ungefähr 300 Händler haben, ein Jahr später sollen es dann 400 sein.
Auch was die ineffiziente Handelsorganisation angeht, hat Daimler Fortschritte gemacht. So stockten die Stuttgarter vor wenigen Monaten ihren Anteil an der Vertriebsgesellschaft für importierte Autos von gut 50 Prozent auf drei Viertel auf. Ein erster Schritt in Richtung einer einheitlichen Vertriebsorganisation, die im kommenden Jahr stehen soll.
Tatsächlich ist es für Mercedes-Benz an der Zeit, in China aufzuholen. Schließlich spielt der chinesische Markt eine elementar wichtige Rolle bei den ambitionierten Wachstumsplänen der Schwaben. Bis 2020 will Vorstandschef Dieter Zetsche die Krone im Premiumsegment zurückerobern, die vor einigen Jahren an BMW abgegeben werden musste. Der Stern soll wieder in altem Glanz erstrahlen.
Vorbild in Stuttgart ist Volkswagen
Das kann nur mit Hilfe des chinesischen Marktes gelingen. China ist in den vergangenen Jahren zum weltweit größten Automobilmarkt aufgestiegen. Zwar hat sich die Dynamik im Volumensegment in den vergangenen Monaten mit der Wirtschaft abgeschwächt, im Premiumsegment dagegen sind weiter massive Zuwächse an der Tagesordnung. Der Hauptgrund: Die Zahl der wohlhabenden Chinesen, die sich ein Oberklasseauto leisten können, wächst rasant. Zudem legt man in dem Riesenreich nach wie vor viel Wert auf das Auto als Statussymbol.
Daimler ist nicht der erste Autobauer, der seinem China-Geschäft mehr Gewicht verleihen will: Auch Europas größter Hersteller Volkswagen richtete im Sommer dafür ein Vorstandsressort ein. Verantwortet wird es vom Produktionsexperten Jochem Heizmann. Die schiere Bedeutung des Marktes wird deutlich, wenn man in Betracht zieht, wie viel Geld die Wolfsburger für die Weiterentwicklung des Geschäfts in die Hand nehmen: VW allein will bis 2016 in China 14 Milliarden Euro in neue Werke und Modelle investieren.
Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com






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