• The Wall Street Journal

Mit Chávez geht es bergab

Der Gesundheitszustand des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez hat sich nach Angaben seines Stellvertreters erneut verschlechtert. Als Folge einer Atemwegsinfektion seien bei dem Staatschef nach seiner Krebsoperation neue Komplikationen aufgetreten, sagte Vizepräsident Nicolas Maduro am Sonntagabend in einer Fernsehansprache aus Kuba. Chávez' Zustand sei heikel.

Weitere Einzelheiten nannte Maduro nicht. Er war am Samstag unerwartet nach Havanna aufgebrochen, um Chávez zu besuchen. Vor seinem Abflug hatte der Vizepräsident erklärt, dass Energieminister Hector Navarro die Regierungsgeschäfte in der Zwischenzeit führen werde.

"Vor ein paar Minuten waren wir mit dem Präsidenten zusammen", sagte Maduro in seiner TV-Ansprache. Neben ihm saßen Chávez' älteste Tochter Rosa, dessen Schwiegersohn Jorge Arreaza sowie Generalstaatsanwältin Cilia Flores. Chávez sei von selbst auf seine Komplikationen zu sprechen bekommen und habe angeordnet, das venezolanische Volk über seinen derzeitigen Gesundheitszustand zu informieren. Der Präsident werde noch "für die kommenden Stunden" in Havanna bleiben. Wie lange sein Aufenthalt in Kuba genau dauern wird, verriet Maduro allerdings nicht.

Der erst kürzlich wiedergewählte Chávez hatte sich am 11. Dezember in Kuba seiner vierten Krebsoperation seit Juni 2011 unterziehen müssen. Wenige Tage nach dem Eingriff erlitt er bei einer Untersuchung Blutungen, von denen er sich jedoch mittlerweile weitgehend erholt haben soll.

So hatte Maduro noch am vergangenen Montag erklärt, dass Chávez wieder laufen könne und Reha-Übungen mache. Seit seiner letzten Operation hat sich der venezolanische Staatschef aber nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Seine jüngsten Komplikationen dürften die Spekulationen befeuern, ob Chávez zu seiner geplanten Amtseinführung am 10. Januar wieder fit sein wird.

"Die Lage sieht nicht gut aus", sagte David Smilde von der Washingtoner Denkfabrik WOLA. "Dass Maduro eigens nach Kuba geht und Hector Navarro die Verantwortung überträgt, scheint nur Sinn zu machen, wenn Chávez' Gesundheitszustand heikel ist."

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