• The Wall Street Journal

TUI wird kleineren Hapag-Lloyd-Anteil los

[hapag1402] dapd

Das Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd steht nur auf dem Bild. In Wirklichkeit fährt es, wenn auch manchmal langsamer als gedacht.

HANNOVER--Die Geschichte will einfach kein Ende nehmen: Der Reisekonzern TUI ist bei dem geplanten Komplettausstieg aus der Containerschifffahrt wieder nur einen kleinen Schritt vorangekommen. TUI verkauft einen Teil seiner Aktien an der Reederei Hapag-Lloyd an das Konsortium um den Industriellen Klaus-Michael Kühne und die Stadt Hamburg, bleibt aber mit rund 22 Prozent beteiligt.

Damit kommt TUI seinem Ziel ein Stück näher, die eigene Verschuldung abzubauen und mehr Geld für den Ausbau des Touristikgeschäfts zu erhalten. 700 Millionen bekommt das Unternehmen bis Juni 2012 aus der nun vereinbarten Transaktion. Zum einen wird ein Hybridkredit abgelöst, den TUI der Reederei gewährt hat. Zum anderen erhält TUI für 17,4 Prozent der Hapag-Lloyd-Aktien einen Verkaufspreis von 475 Millionen Euro von dem Konsortium Albert Ballin, zudem auch noch die HSH Nordbank, M.M. Warburg, Hanse Merkur und Signal Iduna gehören.

Abschreibungen nötig?

Dennoch könnte der Teilausstieg teuer für TUI werden. Ende September 2011 hielt der Konzern noch 38,4 Prozent an Hapag-Lloyd. Diese Beteiligung stand mit knapp 1,2 Milliarden Euro in den Büchern. Mit dem nun erzielten Preis für nur einen Teil der Aktien wird die Reederei jedoch billiger bewertet. Denkbar ist also ein Abschreibungsbedarf bei TUI für die noch vorhandene Beteiligung. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Hinzu kommt, dass Hapag-Lloyd von TUI einen Hybridkredit von 350 Millionen erhalten hatte. Von dieser Summe fließen jetzt aber nur 225 Millionen an den Touristikkonzern zurück. Den Rest bringt TUI in Hapag-Lloyd ein, um das Eigenkapital der Reederei zu stärken. Auch Albert Ballin bringt 125 Millionen in Hapag ein. Für TUI bedeutet dieser Schritt im Endergebnis, dass der eigene Anteil an der Reederei kurzzeitig um gut ein Prozent steigt. Die 125 Millionen sind jedoch weg.

Mit dem nun vereinbarten teilweisen Ausstieg kommt TUI einen Schritt auf dem Weg zum vollständigen Abschied von der Containerschifffahrt voran. Um den schon seit fast vier Jahren angestrebten Schritt endlich zu vollziehen, bekommt TUI das Recht, jederzeit ab Ende Juni 2012 einen Börsengang mit vorrangiger Platzierung der selbst gehaltenen Aktien zu verlangen. Das war schon bislang möglich, allerdings nur mit Einverständnis des Miteigentümers. Unmöglich gemacht wurde ein solches IPO aber auch durch die widrigen Bedingungen an den Kapitalmärkten.

Der Reiseveranstalter hat jetzt auch unverändert die Möglichkeit, die verbleibenden Hapag-Lloyd-Anteile an Dritte zu verkaufen. Auch hier muss TUI jetzt nicht mehr Albert Ballin fragen. Das Konsortium hält bereits 61,6 Prozent der Reederei.

In Trippelschritten

"Wir haben für alle Beteiligten eine faire Verhandlungslösung gefunden, die sowohl den wirtschaftlichen Interessen der TUI wie auch der Gesellschafter des Konsortiums Albert Ballin und dem Unternehmen Hapag-Lloyd gerecht wird," kommentierte TUI-Chef Michael Frenzel den komplizierten Kompromiss.

Für TUI gestaltet sich der Ausstieg aus der Containerschifffahrt zu einer unendlichen Geschichte. Der ursprüngliche geplante Komplettverkauf platzte 2008, weil nur das Konsortium als ernsthafter Interessent übrig blieb, der dann statt der zunächst angedachten zwei Drittel nur knapp 57 Prozent übernahm. Das schwache Markt- und Finanzmarktumfeld sorgte dann immer wieder dafür, dass die erhofften großen Schritte zum Ausstieg zu Trippelschritten mutierten.

Anfang des Jahres nutzte der Konzern deswegen sein Andienungsrecht und bot dem Konsortium 33,3 Prozent der Reederei-Aktien zum Kauf an, was TUI auf nur noch fünf Prozent gebracht hätte. Die Parteien hätten sich für einen Verkauf jedoch auf einen Kaufpreis einigen müssen und die eine oder andere Seite hätte viel Geld in die Hand nehmen müssen - was sie beide nicht haben. Der nun gewählte Weg stellt einen Kompromiss dar. Beobachter hatten bereits damit gerechnet, dass TUI sich darauf einlassen würde, zunächst nur eine kleinere Beteiligung an der Reederei abzugeben. Bis zum nächsten Mal.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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