Von JOSHUA MITNICK und KRISHNA POKHAREL
Israel beschuldigt den Iran und die mit ihm verbündete Hisbollah-Miliz, hinter den Anschlägen auf Diplomaten in Indien und Georgien zu stecken. Der Konflikt um das iranische Atomprogramm schwelt unterdessen weiter.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu macht für die Angriffe den Iran verantwortlich. Unmittelbare Vergeltungsschläge soll es aber zunächst nicht geben. „Wir werden weiter methodisch und geduldig gegen den internationalen Terror, der aus dem Iran stammt, vorgehen", so Netanjahu.
Ein Sprecher der iranischen Botschaft in Delhi wies jedoch eine Beteiligung des Landes an den Anschlägen zurück. „Wir verurteilen diese Vorfälle", sagte der Sprecher. Auch die USA verurteilten die Angriffe und erklärten, man ermittle gemeinsam mit den israelischen Geheimdiensten. Zur Beteiligung Irans wollte man sich aber nicht äußern.
In der Nähe der Residenz des Ministerpräsidenten
Unklar bleibt, warum der Iran einen Anschlag in Neu Delhi durchführen würde. Indien ist ein bedeutender Handelspartner des Landes und hat im Januar China als größten Ölkunden abgelöst. Gerade vor dem Hintergrund des Ölboykotts sind die Beziehungen zu Indien für den Iran lebenswichtig.
Auch die Art und Weise der Anschläge ist verdächtig: In Delhi hatte am Montag ein Motoradfahrer ein offenbar mit Magneten ausgestattetes Paket an einem Botschaftsfahrzeug angebracht, das daraufhin explodierte. Auf exakt die gleiche Weise starb im Januar ein iranischer Wissenschaftler in Teheran.
Die Ehefrau eines Botschaftsmitarbeiters hatte sich in dem Wagen befunden. Sie wollte ihre Kinder von der amerikanischen Schule abholen. Sie wurde bei dem Anschlag verletzt, befindet sich aber in stabilem Zustand. Eine weitere Person in dem Fahrzeug trug Verletzungen davon, so die indische Polizei.
Der Anschlag fand in einer Gegend Delhis statt, in der viele Regierungsbeamte wohnen. Dort befindet sich auch die Residenz des indischen Ministerpräsidenten. Außenminister S.M. Krishna verurteilte den Angriff und versprach, dass „die Gesetze des Landes seinen Lauf nehmen werden". Die Polizei in Delhi behandelt den Vorfall als Terroranschlag, habe aber noch keine Hinweise, wer dahinter stecke, so eine Sprecherin.
In der georgischen Hauptstadt Tiflis, konnte die Polizei einen „ziemlich massiven" Sprengsatz entschärfen, der im Auto eines israelischen Botschaftsmitarbeiters gefunden wurde.
Die Anschläge kamen einen Tag nach dem Jahrestag der Ermordung des Hisbollah-Führers Imad Mughiyeh 2008. Dafür hatte die libanesische Miliz Israel Rache geschworen.
Im Nahen Osten braut sich ohnehin eine explosive Stimmung zusammen. Iran hatte zuletzt aufgrund des Ölembargos gegen ihn mit Militärschlägen gedroht. Auf der Gegenseite hält man aber auch in israelischen Regierungskreisen einen Präventivschlag gegen das Atomprogramm Teherans für denkbar.
Rache für Ermordung von Wissenschaftler
Während die USA und Europa versuchen, durch wirtschaftlichen Druck den Iran zum Einlenken zu bringen, setzt Israel auf seine Geheimdienste, um das Atomprogramm zu sabotieren, so Diplomaten und Sicherheitsexperten.
Die Anschläge könnten daher auch als Botschaft an die Regierung Netanjahu gedacht sein. Die Art und Weise der Angriffe „zeigt, dass sie genau so vorgehen wie Israel und der Mossad, wie um zu sagen: ‚Alles, was ihr tut, können wir auch tun'", sagt Yossi Melman, Journalist bei der israelischen Zeitung Haaretz.
Dass aber eine Ehefrau eines Botschaftsmitarbeiters ins Visier genommen wurde, zeigt laut Melman, dass die Angreifer nur über begrenzte Mittel verfügen. „Sie hätten sicher lieber ein Gebäude oder eine hochrangige Person wie den Botschafter getroffen", sagt er. „Sie haben das angegriffen, was in ihrer Reichweite war. Das zeigt, dass sie unter enormen Druck standen, einen Anschlag zu verüben".
Die iranische Regierung hatte bereits durchblicken lassen, dass man sich für die Ermordung des Wissenschaftlers Mostafa Ahmadi Roshan im Januar rächen werde. Teheran macht dafür die USA und Israel verantwortlich. Die USA haben die Anschuldigung zurückgewiesen, während Israel einen Kommentar verweigerte.
Video auf WSJ.com
Einige Tage später warnte die US-Botschaft in Thailand vor möglichen Terroranschlägen in Bangkok, nachdem die Polizei dort einen Libanesen mit Verbindungen zur Hisbollah festgenommen hatte. Das israelische Außenministerium erließ daraufhin eine Reisewarnung für das Land.
Ebenfalls im Januar hatte die Regierung Aserbaidschans eine iranische Gruppe verdächtigt, einen Anschlag in Baku zu planen. Aserbaidschan ist ein direkter Nachbar Georgiens. Am Montag wies die Regierung in Baku Anschuldigungen Teherans zurück, man habe israelischen Spionen geholfen, Aktivitäten gegen den Iran zu planen. Zuvor hatte das iranische Außenministerium den Botschafter Aserbaidschans in Teheran einberufen, um sich über israelische Geheimdienstaktivitäten in der ehemaligen Sowjetrepublik zu beschweren.
„Der Iran wagt es, solche Dinge zu tun, wenn sie noch keine Atomwaffen haben. Man muss sich nur einmal vorstellen, was sie mit Nuklearwaffen machen würden", sagte Yosef Kuperwasser, Generaldirektor im Ministerium für strategische Angelegenheiten. Die Spannungen zwischen beiden Ländern dürften seiner Ansicht nach anhalten: „Ich glaube nicht, dass das zur Entspannung beiträgt".
—Amol Sharma, Vibhuti Agarwal und Joe Parkinson haben zu diesem Bericht beigetragen.Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de




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