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Wie traumhaft ist der Dreamliner?

Der „Dreamliner" Boeing 787 soll Flugreisen revolutionieren: Für besseres Klima in der Kabine und weniger Ärger mit Flugkrankheit, Jetlag und Kopfschmerzen soll er sorgen - sogar Babys könnten während des Flugs ruhiger sein.

Nach drei Monaten im Flugdienst kommt jetzt auf einem 11,5-Stunden-Flug von Tokio nach Frankfurt die Probe aufs Exempel. Insgesamt ist die Kabine eindeutig bequemer, die Fenster sind groß und der Stauraum an der Decke auch. Doch eins hat sich nicht geändert: Es ist nach wie vor eben nichts anderes als ein Flugzeug.

[MIDSEATjp] The Boeing Company

Große Träume: Als Boeing den Dreamliner vorstellte, setzte das Unternehmen auf großzügiges Interieur.

„Bei einem Blindversuch würde ich keinen Unterschied erkennen", sagt Winfried Scherle, Führungskraft beim Linsenhersteller Carl Zeiss, während des Flugs. Andere berichten, dass sie entspannter landen. Sie hätten leichter schlafen können und die Luft sei nicht so trocken gewesen. Doch das sei eine bescheidene Verbesserung, keine dramatische Veränderung. Und ein Baby habe trotzdem geschrien.

Boeing weist auf Neuerungen in und außerhalb der Kabine hin, die den Flug angenehmer machen sollen. Das Gehäuse besteht jetzt nicht mehr aus Aluminium, sondern aus besonders starker Karbonfaser. Der Dreamliner kann dadurch eine höhere Luftfeuchtigkeit vertragen, da bei einem Plastikgehäuse nichts rosten kann. In der 787 beträgt die Luftfeuchtigkeit zehn bis 15 Prozent, in anderen Flugzeugen sind es vier bis sieben Prozent. Doch auch mit 15 Prozent ist die Luft noch so trocken wie ein durchschnittlicher Sommertag in Las Vegas – und das liegt mitten in einer Wüste.

Der Druck in der Kabine entspreche dem auf einer Höhe von 6000 Fuß, bei normalen Flugzeugen wird der an die Luftverhältnisse in 8000 Fuß Höhe angepasst. Der Körper nehme dadurch sechs Prozent mehr Sauerstoff auf, und es komme seltener zu Müdigkeit und Kopfschmerzen, so eine Boeing-Sprecherin. Studien zeigten, dass die großen Fenster Reisekrankheit verringern. Die LED-Beleuchtung könne außerdem einen Sonnenaufgang simulieren, was gegen Jetlag helfen kann.

The Boeing 787 "Dreamliner" was billed as a revolution for travelers, offering a more humid, comfortable cabin and lighting that would lessen fatigue, dry eyes and jet lag. Scott McCartney on Lunch Break looks at the validity of those claims.

Ein Flugzeug-Stabilitätssystem soll das Rütteln bei Turbulenzen vermindern, doch in den fünf Dreamlinern, die derzeit in Gebrauch sind, funktioniert das System nur begrenzt. Ein Update der Software in den nächsten Wochen soll das Problem jedoch lösen, so der Hersteller. Treibstoffeffizienz und Emissionen seien 20 Prozent besser als bei der Boeing 767, die etwa genauso groß ist.

Wird das Flugzeug dem Hype gerecht? Die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) setzte die Maschine zuerst nur bei Regionalflügen ein, nahm im Januar jedoch die Route zwischen Tokio und Frankfurt auf. Auf den Langstreckenflügen wird die Zufriedenheit der Passagiere erst richtig auf die Probe gestellt.

„Mir kam es nicht gerade wie eine Revolution vor, eher wie eine natürliche Entwicklung. Es war anders, aber nicht sehr", sagt Michael Grepo, ein IT-Experte der US-Regierung, der extra sein langes Wochenende nutzte, um mit der 787 zu fliegen. Er sei nicht so kurzatmig gewesen wir auf anderen Flügen und musste sich seltener die Nase zuhalten, um seine Ohren wieder frei zu bekommen. Das orange Licht an der Kabinendecke kurz vor der Landung sei wie ein Sonnenaufgang und sehr beruhigend gewesen, sagt Grepo. Psychologisch habe es schon einen Unterschied gemacht.

„Was die Luftfeuchtigkeit angeht, fühlte es sich immer noch an, als würde ich austrocknen, aber es war besser als in anderen Maschinen", sagt Grepo.

Kleine Details machen einen großen Unterschied. Jeder Sitz hat eine eigene Belüftungsdüse an der Decke, womit der Passagier Luft und Temperatur besser regeln kann. Die großen Fenster geben beim Abflug außerdem einen Panoramablick aufTokio frei.

The Boeing Company

Auch eine Lounge lässt sich über den Wolken einrichten.

Nobumi Matsuda, der eine Augenklinik in Tokio leitet und die Augengesundheit von japanischen Piloten untersucht, schüttete auf dem Flug drei Flaschen Wasser in sich hinein. Die Verbesserung der Luftfeuchtigkeit reiche einfach nicht. „Ich hatte mir mehr erhofft – teils gefällt es mir, und teils bin ich enttäuscht."

Boeing reagiert schriftlich auf die Enttäuschung der Passagiere: „Man kann sagen, dass sich der Komfort nur schrittweise verbessert, doch die Kombination so vieler Verbesserungen in einem einzigen Flugzeug halten wir für revolutionär."

Kein anderer kommerzieller Jet hat sich je so schnell verkauft wie der Dreamliner. Weltweit haben 59 Fluggesellschaften 870 Stück bestellt. Die erste Auslieferung verspätete sich um mehr als drei Jahre.

Die Dreamliner seien besser ausgebucht als andere Flüge, berichtet All Nippon Airways. Das zeige, dass die neuen Flugzeuge beliebt seien. Die Fluggesellschaft glaubt, dass sie mit den Maschinen auch Passagiere von anderen Airlines und Hochgeschwindigkeitszügen weglocken kann.

Die 787 soll 220 bis 250 Passagiere fassen, so Boeing. ANA hat einige seiner Maschinen für Kurzstrecken mit 264 Sitzen ausgestattet, für Langstreckenflüge hingegen nur mit 158 Sitzen. 64 davon befinden sich in einer geräumigen Business Class, die die halbe Fläche des Flugzeugs beansprucht.

Einige der Vorteile sind so unauffällig, dass Passagiere sie erst gar nicht bemerken. Kurz nach dem Aufwachen sagt Thorsten Hoffmann, das Flugzeug fühle sich wie jedes andere an. Er hatte eher erwartet, einen Unterschied zu spüren. Doch nach der Landung ändert er seine Meinung. „Ich fühle mich richtig gut", sagt Hoffmann beim Verlassen der Maschine. „Ich habe länger geschlafen als ich es je auf einem Flug getan habe. Vielleicht gibt es doch einen Unterschied."

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