Von ANTON TROIANOVSKI
FRANKFURT--Der Deal war von Anfang an heftig umstritten und am Ende war der Druck zu groß: Die Milliardenfusion von T-Mobile USA und AT&T ist geplatzt. Der amerikanische Telekomkonzern zog sein 39 Milliarden US-Dollar schweres Übernahmeangebot für die Tochter der Deutschen Telekom zurück. Laut Kreisen prüft der Bonner DAX-Konzern nun alle Optionen für seine Tochter, einschließlich eines Verkaufs oder einer Fusion.
Telekom: Einvernehmliche Entscheidung
Die Deutsche Telekom begründete das Scheitern am Montagabend mit dem umfassenden Widerstand des amerikanischen Justizministeriums sowie der Aufsichtsbehörde für den Telekommunikationsmarkt FCC. Dieser Druck habe die Durchsetzung der Transaktion immer weniger wahrscheinlich erscheinen lassen, so die Telekom. Die Entscheidung der beiden Unternehmen sei einvernehmlich gefallen.
Damit bleibt der Bonner DAX-Konzern zwar zunächst auf seiner seit geraumer Zeit kriselnden Tochter sitzen. Die vereinbarte Vertragsstrafe gibt dem Unternehmen jedoch eine Atempause.
Für die Auflösung des im März geschlossenen Kaufvertrages zahlt AT&T voraussichtlich noch in diesem Jahr drei Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus erhält die Telekom Mobilfunklizenzen, unter anderem in begehrten Märkten wie Los Angeles, Dallas und Washington, und darf das AT&T-Netz mitnutzen. Dank dieser mehrjährigen Roamingvereinbarung könne T-Mobile USA künftig mehr Regionen in den Vereinigten Staaten abdecken.
Ins Kontor schlägt der Fehlschlag dennoch. Im vierten Quartal werde eine Belastung von mehr als 1 Mrd EUR gebucht, sagt ein Telekom-Sprecher. Ursächlich seien Abschreibungen bei T-Mobile USA, die nicht verbucht worden seien, als die Sparte als "discontinued operation" eingestuft wurde.
Die Telekom-Aktie verliert 1,6% auf 8,75 EUR. Im Aktienkurs der Telekom sei ein Abbruch vermutlich schon eingepreist, so die equinet-Analysten bereits vor einigen Tagen.
Der Telekom-Vorstandsvorsitzende Rene Obermann wollte sich in einer Telefonkonferenz nicht dazu äußern, ob der Konzern mit einer anderen Transaktion möglicherweise erfolgreicher gewesen wäre. Es gehe darum, das Geschäft von T-Mobile in den kommenden Quartalen und Jahren zu verbessern.
Obermann warnte, dass die langfristigen Herausforderungen für das US-Mobilfunkgeschäft trotz des vorteilhaften Break-Up-Paktes bestehen bleiben. Zwar erhalte das Unternehmen Frequenzen, doch reiche dies nicht aus, um das Problem zu geringer Mobilfunkspektren langfristig zu lösen. Auch sei die umfassende Einführung eines neuen Netzes infrage gestellt. Die Bonner wollen nun ihre Optionen prüfen.
Spekulationen über Plan B
Dazu zählt offenbar weiterhin ein Verkauf oder eine Fusion. Denn T-Mobile USA als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen werde langfristig nicht als wirtschaftlich rentable Lösung angesehen, sagten mit der Sache vertraute Personen. Denkbar sei ein Zusammenschluss mit dem kleineren Wettbewerber Leap Wireless International, dem sechstgrößten Anbieter in den USA, hieß es. Laut Analysten dürfte ein neuer Käufer aber kaum bereit sein, so viel auf den Tisch zu legen wie AT&T.
Marktteilnehmer hatten in den vergangenen Tagen bereits über Alternativen spekuliert, unter anderem über ein Zusammengehen mit Sprint Nextel. Das dürfte laut Adrian Pehl von equinet aber unwahrscheinlich sein, weil eine solche Transaktion an den gleichen kartellrechtlichen Vorbehalten der Wettbewerbshüter scheitern dürfte.
Auch ein Börsengang oder ein Komplettverkauf scheinen ihm kaum realisierbar. "Schließlich tut sich die Telekom schon seit Jahren schwer mit Erfolgen in dem Markt und kleinere Konkurrenten wie Leap oder Dish könnten wegen der Größe von T-Mobile USA allenfalls Teile erwerben", sagte Pehl noch vor einer Woche. Viel wahrscheinlicher sei es, dass die Telekom die Vertragsstrafe einstreiche und über eine Netzkooperation mit AT&T verhandele, sagte der Analyst voraus.
Über eine solche gemeinsame Nutzung von Mobilfunknetzen hat laut Unternehmenskreisen auch die Telekom selbst bereits Überlegungen angestellt. Als Vorbild könnte ein Netz-Joint-Venture auf dem britischen Markt gelten, bei dem die Telekom sich mit France Telecom zusammengetan hatte. Zudem wäre laut Kreisen eine Fusion mit kleineren Anbietern oder ausländischen Konzernen eine verfolgenswerte Alternative. Auch eine Kapitalspritze von Investoren sei nicht ausgeschlossen.
T-Mobile USA rennen Kunden weg
Mit dem Deal hatte sich die Deutsche Telekom zur Freude ihrer Aktionäre einer ihrer größten Baustellen entledigen wollen. T-Mobile USA ist die Nummer vier am US-Mobilfunkmarkt und hatte seit geraumer Zeit mit Gegenwind zu kämpfen. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern AT&T, Sprint und Verizon Wireless errichtete das Unternehmen kein eigenes neues Hochgeschwindigkeitsnetz und ist zudem der einzige nationale Anbieter, der nicht das Apple-iPhone im Angebot hat. Die geplante Übernahme verunsicherte viele Kunden: In den vergangenen neun Monaten verlor T-Mobile USA knapp 850.000 Vertragskunden, während AT&T 712.000 Kunden gewinnen konnte.
Beide Konzerne argumentierten bisher, durch ihren Zusammenschluss werde der amerikanische Markt besser mit schnellen Mobilfunknetzen versorgt, dies schaffe Arbeitsplätze. Kritiker hatten angemahnt, dass nach einem Zusammenschluss der Nr. 2 und 4 auf dem US-Mobilfunkmarkt mehr als drei Viertel aller Verträge entweder in der Hand von AT&T oder dem Wettbewerber Verizon seien. Das US-Justizministerium hatte gegen den geplanten Verkauf geklagt.
Philipp Grontzki und Axel Wölk haben zu dem Artikel beigetragen
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.com







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