• The Wall Street Journal

Börsendebüt für deutsche Telefónica erfolgreich

Am Ende haben die Banken alles richtig gemacht: Der größte Börsengang in Deutschland seit einem halben Jahrzehnt und zugleich der größte in Europa seit einem Jahr ist von Erfolg gekrönt: Telefónica Deutschland hat einen guten Start auf dem Frankfurter Börsenparkett hingelegt. 24 Minuten brauchte der Spezialist, bei dem Angebot und Nachfrage zusammenliefen, um am Dienstag den ersten Kurs zu bestimmen: Für 5,70 Euro, zehn Cent über dem Ausgabepreis, wechselten die ersten Aktien des Telekomanbieters den Besitzer. Zum Handelsschluss notierte die Aktie bei 5,80 Euro, ein Aufschlag von 3,6 Prozent. Wird das Papier von Telefónica Deutschland jetzt die bessere T-Aktie?

Vor knapp zwei Wochen, als die Zeichnungsfrist für die Aktie begann, sagte ein Banker, der den Börsengang begleitete: Das Unterfangen „wird ein Erfolg werden und muss ein Erfolg werden". Alles andere, so seine Prognose, wäre vom Markt als fatales Zeichen gewertet worden - für die Muttergesellschaft Telefónica ebenso wie für andere Firmen, die einen Börsengang erst noch planen.

Telefónica brauchte den Erfolg

Die spanische Telefónica braucht den Erlös aus dem Aktienverkauf dringend: Die Schuldenlast übersteigt mit gegenwärtig 58 Milliarden Euro ihren Wert an der Madrider Börse von rund 47 Milliarden deutlich. 1,45 Milliarden Euro bringt ihr der Börsengang der deutschen Tochter ein, mit 76,8 Prozent des Kapitals hält sie aber weiterhin eine satte Mehrheit.

Reuters

René Schuster, Vorstandschef von Telefónica Deutschland läutet die Börsenglocke zum IPO in Frankfurt. Cesar Alierta, Chef des spanischen Mutterkonzerns, ist erleichtert und klatscht Beifall.

Telefónica-Vorstandschef César Alierta war eigens nach Frankfurt gereist, um mit seinem Deutschland-Statthalter René Schuster zu feiern. Wäre der Börsengang schief gegangen oder schlecht gelaufen, hätte das signalisiert, dass der spanische Konzern nur unter großen Schwierigkeiten Eigentum versilbern kann, um seine Verschuldung abzutragen.

Die beteiligten Banken hatten am guten Gelingen ebenfalls großes eigenes Interesse. Der Markt für Börsengänge in Deutschland ist schwierig. Häufig haben auf dem Parkett im Frankfurter Börsensaal in den vergangenen Monaten die Champagnerkorken nicht geknallt.

Talanx als Vorturner

Anfang des Monats gelang dem Versicherer Talanx der Sprung an die Börse, nachdem der Konzern aus Hannover zunächst recht unentschlossen gewirkt hatte, ihn auch zu wagen. Talanx erlöste dabei etwas mehr als 800 Millionen Euro. Wenig erfolgreich verlief der Börsengang für den Lampenhersteller Hess. Die Aktie des Mittelständlers aus dem Schwarzwald wurde schon am untersten Ende der angepeilten Preisspanne verkauft, trotzdem rauschte ihre Notierung bereits nach einer halben Handelsstunde in den Keller.

Da hat Schusters deutsche Telefónica schon eine bessere Figur gemacht. Nach vier Handelsstunden notierte die Aktie von Telefónica Deutschland bei 5,83 Euro, ein Aufschlag von stolzen 4 Prozent.

Video

Der größte Börsengang in Deutschland seit fünf Jahren ist geglückt. Telefonica Deutschland startet mit Gewinnen.

Im Verlauf der Zeichnungsphase war die Spanne beim Angebotspreis zwei Mal verengt worden, um die Auktion erfolgreich zu machen: Am Freitag wurden aus der ursprünglich recht weiten Preisspanne, die von 5,25 bis 6,50 Euro reichte, 5,50 bis 6 Euro. Noch am Montag, wenige Stunden bevor die Banken das Orderbuch schlossen, wurde es mit 5,50 bis 5,60 Euro abermals enger. Damit war klar: Zu einem höheren Preis wollten die wenigsten Investoren Aktien zeichnen. Schon relativ früh war zwar das Interesse unter den Investoren erkennbar. Einen üppigen Aufschlag auf den Wert wollte aber niemand zahlen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis besser als bei T-Aktie

Verschleudern musste Telefónica die Aktien seiner deutschen Tochter aber auch nicht: Der gefundene Ausgabepreis bewertet den nach Umsatz drittgrößten Telekomanbieter Deutschlands mit dem 5,9-fachen dessen, was für dieses Jahr als Gewinn angepeilt war, haben die die Analysten von Liberum Capital errechnet. Die Dividendenrendite liegt bei 7,9 Prozent. Damit sticht der Titel von Telefónica Deutschland die T-Aktie aus.

Allerdings warnt Liberum Capital auch vor Risiken. Preiskämpfe auf dem deutschen Mobilfunkmarkt und Eingriffe des Regulierers könnten die Kursentwicklung der Telefónica-Deutschland-Aktie beeinträchtigen.

Telefónica-Deutschland-Chef Schuster immerhin glaubt an das Wachstum seines Unternehmens: „Wir sind Angreifer", sagte er. Die Mobilfunktochter O2 höre auf ihre Kunden. Wo die Aktie nach ihrem guten Börsenstart in einem Jahr stehen wird, wagt er allerdings nicht zu sagen.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

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