Von MADELEINE NISSEN
Für die Deutsche Bank war das Investmentbanking im dritten Quartal die Rettung, der UBS dagegen hat es das Geschäft ordentlich verhagelt. Die unterschiedliche Entwicklung der beiden europäischen Großbanken gibt der Diskussion über den Wert des Investmentbanking neue Nahrung. Selbst Analysten streiten inzwischen darüber, ob der Bereich für Banken mehr Fluch oder doch ein Segen ist.
Für Deutschlands größte Bank fällt die Antwort eindeutig aus – auf kurze Sicht zumindest. Ihre weltweit führende Position im Geschäft mit Anleihen ließ die Frankfurter im dritten Quartal überproportional vom Emissionsboom bei Staats- und Unternehmensbonds profitieren. Auch die Erholung an den Aktienmärkten trug dazu bei, dass die Bank mehr Gewinn erzielte, als Analysten erwartet hatten.
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Doch beim näheren Hinsehen ist das Bild nicht ganz so rosig. Das gute Ergebnis verdankt die Deutsche Bank – einmal mehr – der Hilfe von außen. Auch im dritten Quartal hingen die Kapitalmärkte am Tropf der weltweiten Notenbanken. Diesmal war es vor allem Mario Draghi, der die Stimmung mit einer Beruhigungspille aufhellte. Dank ihm brummte das Geschäft. Die anhaltend hohe Zentralbankliquidität habe den Aktienmärkten sowie den Emissionen von Eigen- und Fremdkapital einen Schub gegeben, erklärt die Deutsche Bank in ihrem Zwischenbericht freimütig.
Über kurz oder lang werden aber die Kapitalspritzen der EZB ein Ende haben müssen. Ob es dann die Märkte angesichts der nachhaltigen Probleme in Europa aus eigener Kraft schaffen, darf zumindest bezweifelt werden.
Investmentbanking bringt Geld - ist aber gefräßig
Ein Loblied auf das Investmentbanking ist auch einem anderen Grund unangebracht. Sind es doch die teuren Folgen der Risikogeschäfte, die den milliardenschweren Umbau, in dem sich die Deutsche Bank derzeit befindet, erst notwendig machten – angefangen bei den hochkomplexen Verbriefungen, die letztlich die Finanzkrise ausgelöst haben, bis hin zu strukturierten Kreditportfolien.
Im dritten Quartal schaffte es die Deutsche Bank, die Risikoposten in ihrer hausinternen Abwicklungseinheit im Volumen von 135 Milliarden Euro um 25 Milliarden Euro zu reduzieren. Das kostete sie acht Millionen Euro. Dahinter können sich Differenzen zum Buchwert sowie Ertragseinbußen verbergen. Hinzu kamen insgesamt 320 Millionen Euro für den Umbau in der Bank und 289 Millionen Euro für Rechtstreitigkeiten. Die Belastungen für den Abbau weiterer Risikopapiere und -beteiligungen könnten deutlich teurer werden, warnte Finanzvorstand Stefan Krause.
Die Baustellen der Deutschen Bank
Zudem kann das Investmentbanking zwar viel Geld reinbringen, es ist aber ebenso gefräßig. Es war auch das Investmentbanking, das viele Jahre die Rendite der Investoren zu Gunsten hoher Boni geschmälert hat. Damit soll zwar jetzt Schluss sein; aufatmen können die leidgeprüften Investoren der Bank jedoch nicht. Denn die geplanten 1.500 Stellenkürzungen im Investmentbanking haben teure Abfindungen zur Folge, die den Kuchen wieder verkleinern.
Dennoch: Wenn die Deutsche Bank auch in Zukunft weltweit zu den Spitzeninstituten gehören will, bleibt ihr letztlich nur die Flucht nach vorn. Die anderen Geschäftsfelder bringen zu wenig ein, um global zu den führenden Banken zu gehören. Das wichtige Firmen- und Privatkundengeschäft läuft zwar solide, kann aber wegen der schwächeren konjunkturellen Entwicklung nur wenig wachsen.
Konkurrenz macht Deutscher Bank das Feld frei
Wer jetzt im Investmentbanking angreift, dem winkt eine satte Ernte: Konkurrenten ziehen sich aus dem Segment zurück und überlassen damit auch einer Deutschen Bank das Feld. Die UBS etwa, die im dritten Quartal im Investmentbanking einen Milliardenverlust hinnehmen musste, will sich künftig in dem Segment auf das Beratungsgeschäft sowie den Handel mit Aktien, Edelmetallen und Devisen konzentrieren. Aus dem Geschäft mit Anleihen und Zinsprodukten zieht sie sich zurück – also dem Bereich, in dem die Deutsche Bank ohnehin schon stark ist und ihre Position mit Leichtigkeit weiter ausbauen kann. In diesem Umfeld aus dem Investmentbanking auszusteigen, wie es vereinzelt Analysten fordern, wäre fahrlässig.
Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, haben mit ihrem umfassenden Umbau die Weichen für die Zukunft bereits gelegt. Sie gehen deutlich weniger Risiken ein, haben die Boni-Zahlungen gesenkt und setzen auf den langfristigen Erfolg der Bank. Wenn sie ihre Stärken im Investmentbanking richtig ausspielen, können sie von den radikalen Änderungen in der Branche auch in Zukunft profitieren.
Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@dowjones.com



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