Von JUSTIN SCHECK, ALEXANDRA BERZON und KATE O'KEEFFE
Die US-Justiz ist dem Kasinobetreiber Las Vegas Sands auf den Fersen. Die Strafverfolger vermuten, der Betreiber könnte kriminellen Zockern bei der Geldwäsche geholfen haben. Jetzt könnte es aber zur Einigung kommen. Denn die Strafverfolger und die Las-Vegas-Sparte des weltweiten Kasinobetreibers sind in Gesprächen darüber, die Ermittlungen beizulegen. In der vergangenen Woche haben sich die beiden Seiten getroffen, wie das Wall Street Journal erfuhr.
In den Ermittlungen geht es um zwei Spieler, die im Kasino um enorme Summen gewettet haben. Einer, ein mexikanischer Geschäftsmann, wurde später des Drogenhandels beschuldigt. Der andere, ein Kalifornier, soll sich strafbar gemacht haben, indem er Schmiergeld einstrich. Beides waren sehr lukrative Kunden für das Kasino. Sie schleusten Millionen von Dollars durch die Konten des Unternehmens, die aus kriminellen Geschäften kommen könnten. Die Frage in den Ermittlungen ist, ob das Kasino das wissen konnte.
Anwälte des Unternehmens haben schon im Juli versucht, die Strafverfolger zu überzeugen, die Ermittlungen fallenzulassen. Die Justiz konterte damals, sie könnten das Unternehmen der Verschwörung zur Geldwäsche anklagen – Verschwörung ist ein Straftatbestand, den es etwa in Deutschland nicht gibt - und auch einen der Unternehmenschefs vor Gericht ziehen.
Die beiden Seiten haben jetzt über eine Einigung diskutiert. Die könnte so aussehen, dass das Kasino eine Strafe zahlt und in Zukunft anders mit dem Geld von Kunden umgeht. Der Deal ist aber bisher nicht abgeschlossen – noch könnten die Behörden Las Vegas Sands vor Gericht bringen.
Die Strafverfolger in den USA schauen bei Transaktionen zwischen Kasinos und Spielern in den vergangenen Jahren genauer hin als vorher. Früher haben Verstöße gegen Geldwäschegesetze zu Bußgeldern geführt, nur niedrige Angestellte bekamen Strafverfahren. Das scheint sich jetzt zu ändern. Zum ersten Mal sieht es so aus, dass auch Manager dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass sie verdächtige Transaktionen nicht meldeten – was US-Kasinos erst seit 2003 tun müssen.
Ursprung der Ermittlungen war ein früherer Fall. Damals ging es um den reichen Zocker Zhenli Ye Gon, ein Chinese, der eine mexikanische Pharmafabrik besaß. Die Behörden klagten Ye Gon im Jahr 2007 dafür an, Substanzen hergestellt zu haben, die wiederum dafür verwendet werden, die Droge Metamphetamin zu fabrizieren. Laut der Strafverfolger hat er mehr als 100 Millionen US-Dollar in Kasinos in Las Vegas ausgegeben.
Ye Gon ist jetzt in den USA in Haft. Er wehrt sich gegen ein Auslieferungsgesuch Mexikos, die ihn des Drogenhandel, illegalen Waffenbesitzes, der Geldwäsche und des Leitens einer kriminellen Vereinigung anklagen. Er und seine Anwälte sagen, er habe nur mit legalen Substanzen gehandelt.
Die Strafverfolger der USA haben ihre Anklage mittlerweile fallengelassen. Mit den Informationen des Falls haben sie Nachforschungen angestellt, ob Las Vegas Sands Einzahlungen nicht anzeigte, obwohl das Kasino wusste dass sie verdächtig sind. Das erfuhr das Wall Street Journal von Leuten, die mit den Ermittlungen vertraut sind. Um die Dokumente des Kasinos zu untersuchen, wurde auch ein FBI-Agent aus dem Ruhestand angeheuert.
Noch im Juli versuchten Anwälte von Las Vegas Sands die Verfolger bei einem Treffen in Los Angeles zu überzeugen, dass das Unternehmen mit der nötigen Sorgfalt vorging. Sie argumentierten, sie hätten geglaubt, dass das Geld von Ye Gon – manches kam von mexikanischen Wechselstuben – legal sei. Sie sagten, Sands hätte einen Detektiv und einen Angestellten damit beauftragt, den Spieler zu prüfen – und die hätten nichts gefunden. Außerdem seien manche Einzahlungen von Gon beim Kasino vor dem Gesetz aus dem Jahr 2003 gemacht worden, und fallen so nicht unter das Gesetz, sagten die Anwälte.
Darauf entgegneten die Behörden, dass sie das Kasino auch wegen anderer verdächtiger Einzahlungen verklagen könnten, und zwar einem Manager des Hardwarehändlers Fry's Electronics, Ausaf Umar Siddiqui, der sich im Jahr 2009 schuldig bekannte, in Schmiergeldgeschäfte mit Verkäufern verwickelt zu sein, um Spielschulden bei anderen Kasinos zu bezahlen. Siddiquis große Ausgaben im Sands zogen die Aufmerksamkeit von Managern dort auf sich, auch weil er schon vorher oft Schulden nicht zurückzahlen konnte, sagen Eingeweihte. Siddiqui in den Fall mit hineinzubringen, könnte den Behörden Spielraum geben. Denn dessen Verbrechen sind weniger alt, verjähren also auch später.
Macao oder Las Vegas – Wer ist die Kasino-Hauptstadt?
Die Behörden haben den Anwälten des Kasinobetreibers, einer der weltweit größten, einen Entwurf möglicher Anklagepunkte gezeigt. Sie drohten, sie könnten Sands zwingen, hundert Millionen US-Dollar oder mehr zu bezahlen – Strafen und unrechtmäßige Gewinne. Außerdem würde ein Strafverfahren gegen einen hohen Manager winken. Ob sie das tatsächlich durchsetzen könnten, ist aber alles andere als klar – während der Ermittlungen stapeln die Behörden gerne hoch.
Falls die Ermittlungen weiter gehen, dürfte es vor allem auf eines ankommen: Die Behörden müssen nachweisen, dass das Kasino absichtlich oder fahrlässig ein Auge zugedrückt hat, was den Ursprung des Geldes angeht. Sie müssen also nicht tatsächlich gewusst haben, dass es kriminell verdient wurde. Das haben Präzedenzfälle von US-Bundesgerichten hinsichtlich Finanzinstitutionen ergeben – zu denen die Gerichte auch Kasinos rechnen.
Zusätzlich zur Ermittlung in Sachen Geldwäsche muss sich Sands mit einer föderalen Ermittlung herumschlagen, die sich damit beschäftigt, ob das Unternehmen Schmiergeld im Ausland bezahlt hat. Die Ermittlung könnte die Chefetage von Sands durcheinander schütteln, und der schon jetzt stark regulierten Kasinobranche weitere Fußfesseln bescheren.
Im Zentrum der Ermittlungen steht auch Sheldon Adelson, Chairman und Chief Executive des Unternehmens, wie Insider sagen. Er hat in diesem Wahlkampf kräftig für die Republikaner gespendet. Ermittler sagen, dass sie auch gegen andere Führungskräfte Anklagen erwägen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



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