• The Wall Street Journal

Der Reichtum des Wen Jiabao – eine Debatte zur Unzeit

Die Familie des chinesischen Premierministers Wen Jiabao hat einen Medienbericht zurückgewiesen, laut dem sie ein Milliardenvermögen besitzt. Die New York Times hatte geschrieben, dass Wens Familie in den vergangenen 20 Jahren ein Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar (rund 2,1 Milliarden Euro) angehäuft haben soll – ein Großteil davon habe sie erworben, nachdem Web im Jahr 2003 Premierminister wurde.

In einer Erklärung in der in Hongkong erscheinenden Zeitung South China Morning Post stritten die Anwälte der Familie die Anschuldigungen ab. „Die sogenannten versteckten Reichtümer von Wen Jiabaos Familienmitgliedern gibt es nicht" heißt es darin. Die Anwälte kündigten weitere „Klarstellungen" an und behielten sich rechtliche Schritte gegen die Zeitung vor. Eine Sprecherin der New York Times erklärte, dass die Zeitung weiterhin bei ihrer Darstellung bleibe.

Associated Press

Der Bericht über den Reichtum seiner Familie sei falsch - das ließ Chinas Premier Wen Jiabao über seine Anwälte ausrichten.

Der Artikel über das Reichtum von Wens Familie erschien zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die chinesische Führung, die sich auf den Führungswechsel beim 18. Parteitag im November vorbereitet. Der Prozess wurde bereits vom Skandal um den Politstar Bo Xilai überschattet. Bos Frau war im August des Mordes an einem britischen Geschäftsmann schuldig gesprochen worden. Er selbst wurde im vergangenen Monat wegen Korruption und Machtmissbrauchs angeklagt.

Der Zeitungsbericht könnte Wen schaden. Bisher habe er sich als Befürworter von politischen Reformen und Kämpfer gegen Korruption inszeniert, sagen Parteimitglieder und Beobachter. Wen soll im November von seinen Posten in der kommunistischen Partei und im kommenden Jahr als Premier zurücktreten. Um ihren politischen Einfluss zu wahren und ihre persönlichen Interessen zu schützen, hätten er und andere Parteimitglieder, die sich jetzt aus der Führung zurückziehen, bereits ihre Schützlinge als Nachfolger in Position gebracht, sagen Insider.

In dem Artikel der New York Times heißt es, sie habe keine Aufzeichnungen über die direkten Beteiligungen von Wen gefunden. Außerdem sei es unmöglich festzustellen, ob der Premier in die Geschäfte seiner Familie verwickelt sei. In der Stellungnahme der Anwälte heißt es dazu: „Wen Jiabao hat nie eine Rolle für die Geschäfte der Familie gespielt und die Geschäfte hatten keinerlei Einfluss auf seine Politik."

Insider aus der Partei und Analysten sagen dagegen, dass nicht nur Wens Familie, sondern auch die Angehörigen anderer Führungsmitglieder in den vergangenen 20 Jahren viel Geld angehäuft haben. Das könnte nun der Glaubwürdigkeit der Partei schaden, gerade bei jungen chinesischen Internetnutzern, von denen viele trotz Zensur auf ausländische Internetseiten zugreifen können. Die englischsprachige Seite der New York Times ist in China fast nirgendwo zugänglich und die neue Seite der Times auf Chinesisch, die in diesem Jahr an den Start ging, wurde umgehend gesperrt, nachdem der Artikel erschienen war.

Die New York Times hatte berichtet, dass Verwandte des Premiers Firmen- und Vermögensanteile in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar angehäuft haben. Dazu gehörten Anteile an Banken, Juweliergeschäften, Hotels, Telekommunikationsunternehmen und Infrastrukturprojekten. Unter anderem soll die 90-jährige Mutter des Premiers, Yang Zhiyun, Anteile an der Versicherungsgruppe Ping An besitzen, die vor fünf Jahren 120 Millionen Dollar wert waren. Das sei falsch, heißt es in der Erklärung der Anwälte: „Die Mutter von Wen Jiabao hat außer ihrem gesetzmäßigen Lohn oder ihrer Rente nie ein Einkommen oder Vermögen besessen."

In dem Artikel heißt es auch, dass Wens Frau Zhang Beili durch den Handel mit Diamanten reich geworden sei, während ihr Sohn Wen Yunsong kräftig an Private-Equity-Geschäften verdient habe.

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