• The Wall Street Journal

Asiens Firmen sind ängstlich - zu ängstlich?

dapd

Arbeiter bei Hyundai Heavy Industries in Südkoeas Hauptstadt Seoul. Etliche asiatische Konzerne sind bei ihren Prognosen derzeit vorsichtig.

Etliche asiatische Weltmarktführer haben ihre Erwartungen für das laufende Jahr nach unten revidiert und gehen von Gewinneinbußen aus. So wollen einige große Technologie- und Fertigungsunternehmen in Japan, China und Südkorea den Gürtel enger schnallen. Anlass ist nicht nur die andauernde Rezession in Europa. Sorgen bereitet vor allem das sich abschwächende Wachstum in China.

„Für die globale Wirtschaftslage sehe ich noch kein Licht am Ende des Tunnels", sagt zum Beispiel Morris Chang, Vorsitzender der Taiwan Semiconductor Manufacturing, weltgrößter Vertragshersteller von Chips. Das Unternehmen fertigt unter anderem für Advanced Micro Devices und Qualcomm . Umsatz und Marge könnten Chang zufolge im vierten Quartal im Vergleich zu den drei vorhergehenden Monaten zurückgehen, da die Elektronikhersteller ebenfalls mit der Wirtschaftsflaute zu kämpfen hätten und zunächst ihre Lagerbestände aufbrauchen könnten. Gar nicht passend zu diesem pessimistischen Ausblick mögen die gleichzeitig verkündeten Zahlen für das dritte Quartal erscheinen, die einen neuen Rekord markieren. Zudem geht der Halbleiterhersteller angesichts der steigenden Nachfrage von Tablets und Smartphones von einem weiteren Wachstum über die nächsten Jahre aus.

Flaute trifft konjunktursensible Unternehmen

Die Wirtschaftsflaute bekommen in der Regel besonders schnell die Unternehmen zu spüren, die konjunktursensible Produkte verarbeiten – wie bei dem nach Absatz weltgrößten Schiffsbauer Hyundai Heavy Industries. Die Südkoreaner meldeten, dass der Auftragseingang um 40 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar eingebrochen ist. Angepeilt waren 30,5 Milliarden Dollar. Stahlgigant Posco gab bekannt, dass der operative Gewinn im dritten Quartal um 18 Prozent zurückging. Das südkoreanische Unternehmen erwartet für das restliche Jahr einen weiteren Rückgang.

„Die Bilanz des vierten Quartals dürfte noch schlechter ausfallen als die des dritten. Die niedrige Nachfrage und Überkapazitäten in vielen Ländern inklusive China werden weiterhin die Marge der Stahlbauer drücken," sagte Park Ki-hong, CFO bei Posco, während eines Analystengesprächs.

Der japanische Kamera- und Druckerhersteller Canon muss im dritten Quartal einen Gewinneinbruch von 35,6 Prozent hinnehmen. Zudem reduzierte die Firma ihren Gewinnerwartung für 2012 um 6 Prozent auf 234 Milliarden Yen (rund 2,9 Milliarden Euro).

In einer Stellungnahme schreibt die Firma: „Das Risiko einer weiteren Abkühlung der globalen Konjunktur aufgrund der sich hinziehenden Bewältigung der europäischen Schuldenkrise ist vorhanden." Canon verweist auf niedrigere Absätze im Druckergeschäft und den steigenden Druck im Kompaktkamerabereich. Die Konsumenten steigen zunehmend auf Smartphones mit integrierter Kamera um. Zudem leidet Canon wie viele andere japanische Unternehmen unter dem relativ starken Yen, der den im Ausland erzielten Absatz und Gewinn schmälert.

Unternehmern kürzen langfristig geplante Investitionen

Angesichts der sich verschlechternden Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre schrauben etliche Unternehmen auch langfristig geplante Investitionen zurück.

Der zweitgrößte Speicherchiphersteller der Welt nach Umsatz, SK Hynix, geht davon aus, in diesem Jahr weniger zu investieren als die ursprünglich geplanten 4,2 Billionen Won (rund 3 Milliarden Euro). AU Optronics, Hersteller von LCD-Displays mit Sitz in Taiwan, sagte, die Investitionen für 2013 würden „wesentlich niedriger" ausfallen als die 1,4 Milliarden Dollar, die in diesem Jahr vorgesehen waren.

Anleger bewerten Lage anders

Die Anleger lassen sich von den trüben Ausblicken jedoch nicht beirren: Während sich der Gewinnzuwachs bei den Unternehmen verlangsamt hat, haben sich die asiatischen Aktienmärkte kürzlich wieder erholt. Viele Investoren kommen zu dem Schluss, dass sie vielleicht zu pessimistisch gestimmt waren. Denn die Gewinne wachsen weiter, wenn auch langsamer als in der Vergangenheit. Noch wichtiger: Im Durchschnitt sind sie in ganz Asien nicht gesunken. Der Hongkonger Hang Seng Index hat am Donnerstag den zweiten Tag in Folge den höchsten Stand seit einem Jahr verzeichnet. Und die Titel scheinen immer noch attraktiv bewertet.

Während die Stimmung in den Unternehmen eher schlecht ist, erwarten die Analysten einer Studie von Citi Investment zufolge einen durchschnittlichen Gewinnzuwachs von 8,8 Prozent bei den asiatischen Firmen.

Ein weiteres – wenn auch vorsichtiges - Signal für die sich abschwächenden negativen Erwartungen lässt sich auch an den Analystenbewertungen der Gewinnaussichten der Unternehmen ablesen. In diesem Quartal haben die Analysten ihre Gewinnprognosen zu gleichen Teilen herauf- oder herabgestuft. Im vorangegangenen Quartal wurden laut einer Studie von Credit Suisse noch zwei Drittel der Unternehmen herabgestuft.

Und noch ein positives Signal: Die aktuellen Außenhandelszahlen von September aus Südkorea, Taiwan und China zeigen, dass sich der Exportabschwung verlangsamt hat und teils sogar umgekehrt. Dennoch gehen nur wenige Unternehmen von einem Wiederanstieg der Gewinne aus.

Vielleicht kann es auch einfach nicht in dem schnellen Tempo weitergehen wie bisher. Andrew Pease, bei Russell Investments für die Investmentstrategie der Fondsgesellschaft verantwortlich, sagt: „Wir sind in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium des Gewinnzyklus'. Das macht die Aufrechterhaltung eines Gewinnwachstums im zweistelligen Prozentbereich schwierig."

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