Von SARA SCHAEFER-MUÑOZ und PATRICIA KOWSMAN
Eine neue Art der Bankschulden scheint in Spanien und Portugal für die Regierungen zum Instrument ihrer Wahl zu werden, ihre angeschlagenen Banken zu unterstützen. Das Instrument der sogenannten Contingent Convertibles ist in der Finanzkrise von 2008 bekannt geworden, bisher aber nur von wenigen Banken eingesetzt worden.
Co-Co-Bonds, wie sie auch kurz genannt werden, sind zinstragende Schuldtitel, die nach einer bestimmten Laufzeit zurückgezahlt werden. Anders als normale Anleihen verwandeln sie sich jedoch automatisch in Eigenkapital, sobald die Kapitalquote der ausgebenden Bank unter ein festgelegtes Niveau fällt. Gläubiger dieser Anleihe stehen nicht besser da als Aktionäre.
Jetzt erkennen die Regierungen von Spanien und Portugal die Vorteile dieser Bonds – vor allem weil sie damit die schwächsten Banken stützen und eine direkte Rettungsaktion dabei vermeiden können. Spanien hat bereits im Januar erklärt, man werde Co-Co-Bonds von Banken aufkaufen, auch wenn derzeit unklar ist, wer sie herausgibt.
In Portugal werden wohl zwei führende Kreditinstitute Co-Co-Bonds einsetzen, um ihre Kapitallücken zu schließen. Anders als bei direkten Rettungsaktionen verhindern die Bilanzregeln, dass die Hilfsgelder das Haushaltsdefizit der Regierungen vergrößert. Das sagen jedenfalls Analysten und spanische Regierungsvertreter. Auch vermeiden Banken so – zumindest anfangs – eine direkte Staatsbeteiligung, die für private Investoren abschreckend wirken könnte.
Gleichermaßen gut für Regierungen und Banken
Der Kauf von Co-Co-Bonds trifft auch die Kasse der hochverschuldeten Länder nicht direkt. Spanien zum Beispiel nutzt die Einlagensicherung, um die Anleihen der angeschlagenen Banken zu kaufen.
Co-Co-Bonds sind der vorerst letzte Versuch, andere Finanzquellen für die Banken zu erschließen. In Italien etwa hat die Regierung die Banken dazu ermutigt, ihre Staatsanleihen beim Kauf von staatlichen Immobilien einzusetzen. Diese können sie nutzen, um besicherte Wertpapiere – sogenannte ABS – aufzulegen, die wiederum als Sicherheiten für Kredite seitens der Europäischen Zentralbank eingesetzt werden können.
CoCo-Bonds taugen jenen Banken zur Verbesserung ihrer Kapitalquoten, die für sich genommen nicht gesund genug sind, um sich die Mittel dafür am Finanzmarkt zu besorgen. Kapitalquoten sind ein wichtiger Maßstab für die finanzielle Gesundheit von Banken. Derzeit müssen viele europäische Banken ihr Kapital aufstocken, um mit den Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht EBA zurechtzukommen. Bis Ende Juni haben sie dafür Zeit.
Co-Co-Bonds „sind gleichermaßen gut für Regierungen wie für Banken", urteilt Satish Pulle, Portfoliomanager bei Equity Credit Management Ltd in London. „Wir wünschen uns größere Kapitalpuffer bei den Banken. Und wenn das mit Co-Cos schneller geht, dann bevorzugen wir diese."
Kritiker weisen allerdings auf die höheren Zinsen hin, die für Co-Co-Bonds wegen des Risikos der Wandlung in Eigenkapital gezahlt werden müssen. In Spanien sei ein Satz von 8 Prozent zu erwarten, und das könne dazu führen, dass die Kreditklemme, die mit der Verbesserung der Kapitalausstattung eigentlich abgewendet werden soll, am Ende doch nicht vermieden wird. Auch könnten Regierungen mit Hilfe von Co-Co-Bonds elegant die eigentlich unausweichlichen Haushaltsdefizite in die Zukunft verschieben.
Schützen Co-Co-Bonds wirklich?
Contingent Convertibles wurden erfunden, um Banken vor katastrophalen Verlusten zu schützen. Sobald eine Bank in massiven Stress kommt und die Kapitalpuffer die Ausfälle nicht mehr auffangen können, wird es schwierig Investoren zu finden, die das Minus wieder auffüllen. Mit den Co-Co-Bonds wird das Problem automatisch gelöst; die Anleiheverbindlichkeiten wandeln sich in Eigenkapital, sobald eine gewisse Kapitalquote unterschritten wird.
Investoren und Banken waren bislang recht zurückhaltend, was dieses Finanzinstrument angeht. Eine Sorge: Sobald sich die Kapitalquote dem vereinbarten Wandlungspunkt nähert, werden Anleger das als schlechtes Zeichen werten und aus der Aktie fliehen. Die sinkende Quote würde damit quasi ebenso automatisch auch eine Abwärtsspirale für den Aktienkurs der Bank in Gang setzen. Dennoch haben einige Kreditkonzerns sie eingesetzt: Lloyds Banking
Im Dezember hat das Finanzinstrument Schützenhilfe der Europäischen Bankenaufsicht bekommen. Die Anleihen könnten den Kapitalanforderungen zugerechnet werden, hieß es da. In einigen Fällen erfüllen Co-Cos sogar die strengen Anforderungen nach Basel III, die erst in den nächsten Jahren gültig werden sollen.
Spanien will über die Banken das Land sanieren
Spaniens neue konservative Regierung erklärte kürzlich bei Ankündigung einer weiteren Bankenreform, man werde Co-Co-Schulden kaufen, um die Konsolidierung in der Bankenbranche zu unterstützen und um die Kapitalausstattung der Banken des Landes zu verbessern.
Käufer soll der Bankenrettungsfonds FROB sein. Noch sind die Details des Vorhabens zwar nicht ausgearbeitet, die Idee ist aber, dass die Co-Co-Schulden der Banken nach einer festen Zeit von etwa fünf Jahren in Eigenkapital gewandelt werden oder beim Unterschreiten bestimmter Grenzen schon früher.
Es ist noch zu früh abzuschätzen, welche Bank Co-Co-Bonds ausgeben wird und in welchem Maße. Insgesamt braucht der spanische Bankensektor zusätzliche 50 Milliarden Euro, um die sich mehrenden Kreditausfälle nach dem Platzen der Immobilienblase auffangen zu können, wie der Finanzminister des Landes gesagt hat.
„Ziel der Reform ist eine Verbesserung von Kreditwürdigkeit, Vertrauen und Stärke im Finanzsystem, damit am Ende wieder Wachstum finanziert und Stellen geschaffen werden können", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums in Madrid.
Probleme nur zeitlich verschoben?
Zwei der größten Banken Portugals werden ebenfalls Co-Co-Bonds an ihre Regierung verkaufen, um den Kapitalvorgaben der Bankenaufsicht zu genügen. Die Mittel dafür stammen aus dem generellen Rettungspaket, das Portugal von der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds geschnürt bekommen hat. 12 von 78 Milliarden hat Lissabon für die Banken zur Seite gelegt.
Einige Analysten glauben, dass die Staaten mit Hilfe von CoCo-Bonds die Probleme der Banken zwar nicht sofort am Hals haben, aber später vielleicht dennoch nicht um direkte Hilfen herumkommen werden. „Die Prämisse bei Co-Cos ist, dass die Banken damit ausreichend Zeit zur Bewältigung ihrer Probleme bekommen", sagte UBS-Analyst Alastair Ryan in London. „Es kann aber sein, dass einige Vermögenswerte bei den Banken schneller im Wert verfallen als die vereinbarte Sanierung vorankommt."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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