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Apple macht Mac-Computer zu stationären iPhones

CUPERTINO—Apple will seine Mac-Computer zum iPhone machen. Zum Mitnehmen dürften sie dann immer noch zu groß sein, aber sie sollen künftig Funktionen haben, die bislang nur die begehrten mobilen Geräte des Technologiekonzerns besitzen. Der neue Apple-Chef Tim Cook stellt im Interview das neue Mac-Betriebssystem namens „Mountain Lion" vor und setzt damit ein deutliches Zeichen, dass sein Unternehmen bei der zunehmenden Verschmelzung der Geräte treibende Kraft sein will.

Reuters

Apple-Chef Tim Cook gibt Einblick in das neue Mac-Betriebssystem.

„Wir stellen fest, dass die Menschen viele der kleinen Programm und ihre Funktionen hier lieben", zeigt der 51-jährige Cook auf sein iPhone. „Überall, wo es Sinn macht, werden wir das auf den Mac übertragen", kündigt er an. Die neueste Version des Betriebssystems Mac OS X soll nun auch Kurznachrichten- und Benachrichtigungsdienste sowie einen Bereich für Spiele enthalten, den Austausch von Daten ermöglichen und die Anbindung an die Inhalte der iCloud ermöglichen, die auf Apple-Servern gespeichert sind – grundlegende Bestandteile des mobilen Betriebssystems iOS also. Die Software soll im Sommer herauskommen.

Apple reagiert damit auf den verschärften Wettbewerb unter den Geräteherstellern, welche sich zunehmend über die Software differenzieren müssen und den Kunden einen vertrauten Umgang auf verschiedenen Gerätetypen verschaffen wollen. Das führt zu einem Zusammenwachsen der einst getrennten Kategorien, was für die Technologiehersteller weitreichende Auswirkungen hat.

Kategorien verschmelzen

Cook betrachtet iOS und OS X nach eigener Aussage bereits als Betriebssysteme mit „abgestufter Funktionalität". Seiner Meinung nach werden Laptops und Tablet-PCs wie der iPad weiter koexistieren, aber er schließt nicht aus, dass sich die Technologien noch stärker annähern. Gefragt, ob iPhones, iPads und Macs irgendwann mit den gleichen Prozessoren arbeiten, sagt er: „Wir denken über alles nach und sperren uns gegen gar nichts".

Die Programmierer von OS X haben sich schon beim iOS bedient. Vergangenen Juli kam die Version „Lion" heraus. Diese unterstützte beispielsweise die Steuerung durch Gesten, zwar nicht auf dem Bildschirm wie beim iPhone, aber auf einer speziellen Unterlage. Auch die Fähigkeit zur Anordnung der Programmsymbole in ähnlicher Struktur wie auf dem Handy war enthalten.

Jetzt geht Apple noch einen Schritt weiter und benennt sogar die Mac-Programme nach den Pendants auf dem Telefon. Das „Address Book" des Mac wird zu „Contacts", aus „iCal" wird „Calendar".

Mit Mountain Lion werden die Nutzer das gleiche Benachrichtigungsfenster wie beim iPhone haben, wenn sie dort über den Bildschirm wischen. Das neue Betriebssystem wird auch enger an die iCloud angebunden sein, die Apple in die Programme und bei der Registrierung des neuen Computers integrieren will. Dazu kommt eine Sicherheitsfunktion namens „Gatekeeper", mit der die Benutzer festlegen können, welche Programme auf den Computern installiert werden dürfen.

Verbindung möglich

Außerdem wird ein Programm enthalten sein, das das so genannte AirPlay Mirroring unterstützt. Damit können die Nutzer auf einem anderen Gerät zeigen, was sie auf ihrem iPhone oder iPad selbst sehen. Diese Technologie ist von hohem strategischen Wert für Apple, da die Kalifornier an neuen Videotechniken für das Wohnzimmer arbeiten.

Das neue Betriebssystem erscheint zu einem Zeitpunkt, da die Mac-Rechner zwar im Markt für PCs aufholen, aber immer noch einen kleinen Marktanteil haben. Im vierten Quartal verkaufte Apple 5,2 Millionen Geräte was über ein Viertel mehr war als ein Jahr zuvor und einen Rekord markierte. Dennoch war damit nur gut jeder zwanzigste PC ein Apple wie die Marktforscher von IDC schätzen.

Mit den rasant steigenden Absatzzahlen für iPhone und iPad ist auch die Bedeutung der Macs für die Ergebnisse von Apple gesunken. Während der Gesamtumsatz des Konzerns um fast drei Viertel in die Höhe schnellte, ging der Anteil der Schreibtischrechner auf gut 14 von zuvor über 20 Prozent zurück.

iPhone-Nutzer sollen Macs kaufen

Cook betrachtet den Mac dennoch als „unglaublich wichtigen" Teil des Unternehmens, der vom Erfolg des Telefons schon jetzt profitiere. So hätten sich in China die Verkäufe der Computer im vergangenen Jahr verdoppelt. „Sie kennen Apple und wofür wir stehen", erklärt Cook. „Wenn sie dann einen Computer kaufen, suchen sie nach dem Mac".

Während Apple auf seinen Nimbus setzt, versucht sich die Konkurrenz in Nachahmung. So veröffentlicht Microsoft eine neue Version seines Windows-Betriebssystems, das auch auf Berührung reagiert und damit der eigenen Software für Mobiltelefone ähnelt. „Ich glaube wirklich nicht, dass uns Microsoft unter Druck setzt", gibt sich Cook gelassen. Apple sei fokussiert darauf, dass beste Produkt herzustellen und jeglicher Druck komme von innen.

Zu neuen Geräten der Mac-Serie wollte Cook nichts sagen. Er blickt lieber mit Stolz zurück auf die bisher letzte Innovation, das extrem flache Laptop MacBook Air. „Die komplette Branche versucht das irgendwie nachzubauen, aber sie werden herausfinden, dass es nicht so einfach ist", sagt er.

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