Von SIMON NIXON
Die Diskussionen rund um die Eurozone haben den Wirtschaftsgipfel in Davos ein wenig von den Titelseiten verdrängt. Trotzdem wurde in der Schweiz eines der bestimmenden Themen der kommenden Monate diskutiert: die Regionalisierung des Bankwesens.
Banker und Finanzaufsicht äußerten in Davos ihre Sorge, dass die Reformen des Finanzwesens während der Eurokrise vernachlässigt werden könnten. Die Banker sorgen sich vor neuen nationalen Regeln, welche hinter der Übereinkunft der vergangenen G20-Gipfel zurückbleiben. Sie sorgen sich auch, dass der freie Kapitalmarktverkehr sowie die Errungenschaften der Globalisierung gestoppt werden könnten.
Finanzmarktaufseher sorgen sich dagegen davor, dass unterschiedliche Regulierungsniveaus das Finanzsystem insgesamt schwächen könnten.
„Wenn diese Generation der Finanzmarktaufseher den Protektionismus erlaubt, hat sie versagt", sagte mir eine Person, die an den neuen Regeln für den Kapitalmarkt mitgearbeitet hat, in der vergangenen Woche.
Dollarkredite teuer wie selten
Die Abschottung der Finanzmärkte zeigt sich am deutlichsten in der Eurozone: Die Nachfrage nach Anleihen aus der südlichen Eurozone ist weggebrochen. Geldgeschäfte zwischen Banken aus unterschiedlichen Staaten sind ebenfalls weitgehend ausgetrocknet. Banken scheuen sich davor, sich Geld zu leihen. Viele Kreditinstitute ziehen die Geschäfte auf ihrem Heimatmarkt vor und stellen internationale Aktivitäten ein. Unter ihnen die französischen Institute BNP Paribas und Société Générale, die italienische Unicredit
Derweil weiten sich die Spannungen im Finanzmarktsystem über Europas Grenzen aus. Die Kreditkosten für Dollarkredite sind in allen Teilen der Welt deutlich gestiegen – das ist ein klares Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft. Normalerweise müssten die Zinsen ähnlich hoch im Bereich des Libor-Satzes ausfallen. Dies ist ein Referenzzinssatz, der abbildet, zu welchen Konditionen sich Geschäftsbanken gegenseitig Geld leihen. Chinesische Banken müssen derzeit allerdings den dreifachen Libor-Satz bezahlen, indische Banken gar den sechsfachen Satz. Dies gibt US-Banken mit ihren großen Liquiditätsreserven einen gehörigen Wettbewerbsvorteil.
Die Finanzmarktaufsicht reagiert auf diese Unterschiede und erhebt hohe Eigenkapitalanforderungen für Tochtergesellschaften ausländischer Kreditinstitute. Die britischen Aufseher fordern, dass die Tochtergesellschaften von Santander und Morgan Stanley
Die Politik sieht die Probleme - findet aber keine Alternativen
Gleichzeitig sorgen die neuen Basel-III-Regeln für eine Veränderung des Finanzsystems – allerdings nicht so, wie von den Regulierern gewünscht. Viele Beobachter argumentieren, dass die neuen Regeln dazu führen, dass europäische Banken ihr Fremdkapital zu schnell abbauen.
Die Regeln zwingen Banken dazu, deutlich mehr Liquidität vorzuhalten, als bislang. Auch soll das Eigenkapital gestärkt werden und aus Bargeld und Staatsanleihen aus Industrieländern bestehen. Langfristige Verbindlichkeiten sollen dagegen zu höheren Zinsen aufgenommen werden. Dieser Druck hat dazu geführt, dass Banken weniger Geld verleihen und für ihre Kredite höhere Zinsen verlangen.
Politische Entscheider in Davos bestätigten Probleme mit den Bankenregeln - inklusive der Anreize für Banken Staatsanleihen zu kaufen. Eine Alternative zu den bestehenden Vorschriften gibt es allerdings nicht.
Unter den neuen Regel scheinen auch einige sinnvolle Aufgaben der Banken zu leiden. Beispielsweise die Handelsfinanzierung: Banken stellen Importeuren Kredite zur Verfügung, die den Exporteuren als Sicherheiten dienen. Exporteure können mit diesen Sicherheiten in der Hinterhand bereits neue Darlehen aufnehmen, während ihre Waren noch unterwegs sind.
USA stehen am Pranger
Einige Länder sind gerade dabei, neue Kapitalmarktregeln aufzustellen, die mit den bisherigen weltweiten Gepflogenheiten nicht wirklich in Einklang stehen: Allen voran die USA. Der Dodd-Frank-Act wird es nach Ansicht europäischer Banken erschweren, Geschäfte innerhalb der USA oder mit US-Kunden zu machen. Auch Großbritannien, Kanada oder Japan sind besorgt: Die neue Version der Volcker-Regel, wonach der Eigenhandel von Banken eingeschränkt werden soll, wird einige US-Banken von wichtigen Anleihemärkten fernhalten. Laut dem europäischen Marktkommissar Michael Barnier liegen Pläne für eine europäische Version der Volcker-Regel bereits auf dem Tisch.
Wie können Regulierer die Zersplitterung des weltweiten Finanzsystems also verhindern? Die britische Finanzaufsicht will nationale Regeln einem Test unterziehen und sämtliche Regeln mit den Anforderungen von Basel III vergleichen. Länder die davon abweichen sollen öffentlich genannt werden.
Die Wahrheit ist allerdings, dass diese Maßnahme die Banken nur zur weiteren Verschlankung ihres Geschäfts bringen wird. Infolge dessen könnten neuerliche Problemen an den Kapitalmärkten entstehen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de




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