Von BENJAMIN KRIEGER und HANS BIELEFELD
Trotz Rezession in Teilen Europas: Das dritte Quartal ist aus Sicht der Konzerne glimpflich abgelaufen. Die langsam zu Ende gehende Berichtssaison hat sich als weitgehend unspektakulär erwiesen, die wenn auch niedrigen Erwartungen haben die Branchengrößen, die ihre Zahlen schon veröffentlich haben, weitgehend erfüllt.
Auch wenn es vereinzelt zu Kursauschlägen kam, haben wichtige europäische Aktienindizes wie Stoxx-50 und Dax bislang kaum auf die vorgelegten Zahlen und Prognosen reagiert. Den Unternehmen, deren Aktiennotierungen die großen Indizes abbilden, geht es zwar nicht mehr glänzend, doch läuft das Geschäft noch so gut, dass sich die Titel in der Nähe ihrer bisherigen Jahreshöchststände halten können.
Ein Grund für die weitgehend unveränderten Kurse: Die Zwischenberichte sind weitgehend wie erwartet gewesen. „Die Zahlen für das dritte Quartal sind in Deutschland solide ausgefallen, allerdings waren die Erwartungen teils auch recht niedrig", sagte DWS-Fondsmanager Christoph Ohme dem Wall Street Journal Deutschland. Überraschend gute Zahlen wie die von Volkswagen und der Deutschen Lufthansa seien die Ausnahmen gewesen.
Auch für den Rest des Jahres rechnet der Fondsmanager mit soliden Zahlen. „Im vierten Quartal erwarten wir keine Welle von Gewinnwarnungen", sagte Ohme. Die schwache Konjunktur in Europa bleibe jedoch ein Risiko, schränkte er ein. In Einzelfällen gebe es auch unternehmensspezifische Risiken.
Ohmes Kollege Graham Secker von Morgan Stanley äußert sich dagegen frustriert: „Die Berichtssaison in Europa ist nach aktuellem Stand die fünftschlechteste der vergangenen neun Jahre", sagte der Aktienstratege. Ein Drittel der Unternehmen habe die Erwartungen verfehlt. Allerdings haben ähnlich viele auch besser abgeschnitten, als von Analysten geschätzt: 29 Prozent.
Erstmals seit drei Jahren, betont Secker, haben die meisten börsennotierten Konzerne in Europa weniger umgesetzt als erwartet. Beim Gewinn enttäuschten vor allem die Automobilhersteller und ihre Zulieferer. Prominentester Fall war Daimler. Nach der Mitteilung am Mittwoch vergangener Woche sackte der Kurs der Aktie auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.
Nach einer Studie der Barclays Bank überwiegen in der Autobranche die Enttäuschungen die positiven Überraschungen im Verhältnis von vier zu eins. „Die viel diskutierten schwachen Verkaufspreise haben sich in den Zahlen der Branche niedergeschlagen", schrieb Analyst Rob Bate. Für keinen anderen Sektor hätten Analysten die Prognosen für das nächste Jahr so aggressiv zurechtgestutzt wie für den Autosektor.
Schlechte Nachrichten gab es auch in verschiedenen Branchen. Der Chiphersteller Infineon musste bereits Ende September vor sinkenden Umsätzen und Margen warnen - die Aktie brach daraufhin um fast zehn Prozent ein. Ein Gewinneinbruch von 40 Prozent beim Stahlgiganten Arcelor-Mittal drückte den Aktienkurs um mehr als sechs Prozent. Am schlimmsten aber traf es British Gas. Nach einer desaströsen Förderprognose für Öl und Gas in diesem Jahr sackte ihr Kurs in London um ein Fünftel ab.
Positiv überraschte dagegen der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Dank der robusten Entwicklung im Agrar- und im Gesundheitsgeschäft stiegen Umsatz und operatives Ergebnis vor Sonderposten – trotz zunehmend schwächerer Konjunktur.
Auch Nivea-Hersteller Beiersdorf, lange belastet von strategischen Korrekturen, setzte am Freitag eine positive Note im soliden Einheitsbrei der bisherigen Berichtssaison. In Schwellenländern brummt das Geschäft und ließen Umsatz und Gewinn überraschend deutlich steigen. Außerdem erfreute Beiersdorf mit einer Anhebung der Umsatzprognose, woraufhin ihr Aktienkurs um mehr als 5 Prozent auf ein neues Allzeithoch nach oben schnellte.
Nicht nur Beiersdorf, auch andere Hersteller von Konsumgütern sind die Gewinner der aktuellen Berichtssaison. Die Botschaft ist klar: Auch in Krisenzeiten sind ihre Einnahmen relativ sicher – auf Zahnpasta und Waschmittel lässt sich nicht verzichten. Die Aktie von Reckitt Benckiser, bekannt durch Marken wie Calgon und Clearasil, zogen nach starken Zahlen um sechs Prozent an, ebenfalls auf ein Allzeithoch.
So wenig Sex-Appeal der Hamburger Nivea-Hersteller sonst hat: Beiersdorf ist einer der Gründe, weshalb der Dax einen weitgehend unverändert hohen Punktestand zeigt. Trotz Eurokrise haben einzelne Unternehmen auf den Wachstumsmärkten in Asien und Südamerika nach wie vor gute Geschäftsaussichten, und die halten den deutschen Leitindex nahe am Zweijahreshoch, versicherte Fondsmanager Ohme.
Der DWS-Manager vertraut in seinen Fonds deshalb besonders auf Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft. „Wir setzen vor allem auf Exporttitel, Unternehmen mit hoher Europaabhängigkeit gewichten wir dagegen unter", sagte er. Versorger und Telekom-Werte hält Ohme deshalb aktuell für nicht attraktiv. Die Regulierung, denen sie auf den Heimatmärkten unterworfen sind, und die geringe Ausrichtung auf Schwellenländer halten den Fondsmanager davon ab, mehr in diese Werte zu investieren.
Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com und hans.bielefeld@dowjones.com






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