• The Wall Street Journal

Microsoft testet eigenes Smartphone

TAIPEH—Microsoft arbeitet mit Zuliefererbtrieben aus Asien zusammen, um ein eigenes Smartphone zu testen - das sagen Eingeweihte. Sie gehen davon aus, dass der Software-Gigant eine Variation des Geschäftsmodells übernimmt, die von Konkurrent Apple bevorzugt wird. Der lässt Computer, Telefone und Software aus einer Hand herstellen.

dapd

Microsoft-Chef Steven Ballmer (links) mit Nokia-Chef Stephen Elop bei der Präsentation der Lumia-Telefone von Nokia. Bringt Microsoft ein eigenes Windows-Smartphone heraus?

Zuständige bei Zulieferern von Microsoft, die nicht namentlich genannt werden wollten, sagten, dass Microsoft derzeit ein Smartphone-Design teste. Es sei aber nicht sicher, ob ein Smartphone in die Massenproduktion gehen wird. Der Bildschirm, den Microsoft derzeit teste, messe zwischen vier und fünf Zoll in der Diagonale, heißt es. Apples neues iPhone 5 besitzt ein Vier-Zoll-Display, der Bildschirm des Galaxy S III von Samsung ist 4,8 Zoll groß.

Seit Monaten gibt es Spekulationen darüber, ob Microsoft sein eigenes Smartphone auf den Markt bringt, nachdem der Konzern im Juni seinen ersten selbstgebauten Computer, das Surface-Tablet, präsentierte. Das Surface wird seit vergangener Woche verkauft und bleibt unter langjährigen Verbündeten von Microsoft umstritten. Einige Hardware-Bauer glauben, dass das Unternehmen auf unfaire Weise mit den eigenen PCs konkurriert, auf denen Microsofts Windows-Betriebssystem läuft.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal von Montag wollte sich Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht dazu äußern, ob Microsoft sein eigenes Smartphone anbieten wird. „Wir sind recht zufrieden damit, zusammen mit Nokia, Samsung und HTC in diesem Weihnachtsquartal aggressiv in den Markt zu gehen", sagte Ballmer mit Bezug auf die Unternehmen, die Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 anbieten. „Ob wir andere Pläne hatten oder nicht, werde ich nicht kommentieren." Ein Microsoft-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Wenn Microsoft mit einem eigenen Mobiltelefon voranprescht, würde das unterstreichen, wie weit sich Microsoft von seiner lange gepflegten Praxis entfernt hat, sich auf die Software zu konzentrieren und Entscheidungen über Design, Funktionen und das Marketing Computer-Hardware Partnern wie Hewlett Packard und Samsung zu überlassen.

Zusätzlich zum Surface produziert Microsoft die Computerspiel-Konsole Xbox und diktiert außerdem zunehmend, wie PCs mit Microsoft-Windows-Logo und Windows-Smartphones aussehen, funktionieren und Verbrauchern präsentiert werden sollen.

Damit bedient sich Microsoft an einer modifizierten Variante von Apples Drehbuch, dessen Ansatz, Hardware und Software aus einer Hand zu entwickeln, Microsoft-Manager lange verachtet haben. Google, dessen Smartphone-Betriebssystem Android Marktführer ist, besitzt den Handyhersteller Motorola Mobility. Allerdings bauen auch andere Unternehmen wie Samsung Smartphones mit Android-Betriebssystem.

Smartphones, die mit Microsofts vor zwei Jahren eingeführtem Betriebssystem Windows Phone laufen, verkaufen sich nicht gut. Möglicherweise will sich Microsoft die Option offenhalten auszuprobieren, ob ein eigenes Telefon die Verkäufe ankurbeln könnte.

Nokia-Chef Stephen Elop sagte vor zwei Wochen in einer Telefon-Konferenz, dass er ein Microsoft-Smartphone begrüßen würde, weil er glaubt, dass es als „Stimulation" für alle Unternehmen wirken würde, die Geräte mit Windows Phone anbieten. Nokia ist der einzige Smartphone-Hersteller, der ausschließlich auf Smartphones mit Windows setzt. In dem Gespräch mit Analysten sagte Elop außerdem, er sei über mögliche Pläne von Microsoft nicht informiert. Elop war vor seinem Nokia-Chefposten bei Microsoft beschäftigt.

Smartphones werden laut IDC noch in diesem Jahr die Umsätze mit PCs überholen.

Der Markt für Smartphones wächst rasant, besonders in China und anderen Schwellenländern. Die Marktforschungsfirma IDC prognostiziert, dass die globalen Smartphone-Verkäufe in diesem Jahr um 38,8 Prozent auf 686 Millionen verkaufte Einheiten wachsen werden.

2010 brachte Microsoft Smartphone-Modelle unter dem Namen Kin für eine jugendliche Zielgruppe auf den Markt, deren Produktion schnell wieder eingestellt wurde. Die Telefone trugen das Microsoft-Logo, wurden aber von dem japanischen Elektronikunternehmen Sharp hergestellt.

Mehrere Technologie-Blogs haben bereits berichtet, dass Microsoft an einem eigenen Smartphone arbeite.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 16. Mai

    In Indien duscht ein Junge am Wasserfall, in Hongkong zeigt die Bestattungsindustrie die modernsten Särge, in den USA hat ein Tornado gewütet und in Berlin finden kleine Mädchen Barbie toll. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Wo in Harlem der Luxus haust

    Vor gar nicht allzulanger Zeit galt Hamilton Heights als extrem gefährlich. Seit einigen Jahren zieht das West-Harlemer Viertel aber wieder viele wohlhabende New Yorker an. Sie lieben die historischen Stadthäuser von "Sugar Hill" - Immobilien wie unser aktuelles Haus der Woche.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

  • [image]

    Die besten deutschen Aktien von 2007 bis heute

    Nach fast sechs Jahren hat der Dax am Dienstag sein altes Allzeithoch überschritten. In dieser Zeit erlebte der Aktienmarkt das tiefe Tal der Finanzkrise mit anschließender Rezession und einen kräftigen Aufschwung – zumindest in Deutschland. Welche deutschen Aktien haben sich in dieser wechselvollen Zeit am besten geschlagen?

Erwähnte Unternehmen