• The Wall Street Journal

US-Arbeitsmarkt gibt US-Präsident Obama Rückenwind

dapd

Ein gut gelaunter US-Präsident: Ein hoffnungsvoller Arbeitmarktbericht könnte Barack Obama in die Karten spielen.

Positive Oktober-Zahlen vom US-Arbeitsmarkt spielen Präsident Barack Obama vier Tage vor dem Wahltag in die Hände. Die US-Unternehmen außerhalb der Landwirtschaft schufen im vergangenen Monat 171.000 neue Stellen, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Das waren deutlich mehr als von Volkswirten in Vorfeld erwartet. Sie hatten mit 125.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Die meisten Arbeitsplätze entstanden im Dienstleistungsbereich, dem Handel und im Gesundheitssektor. Während die Firmen ihr Personal erhöhten, fielen im öffentlichen Dienst weitere Posten dem Sparzwang zum Opfer.

Ein Wermutstropfen für Obama ist hingegen der leichte Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,9 von 7,8 Prozent im September. Diese eigentlich widersprüchliche Entwicklung ergibt sich daraus, dass sich zuvor frustrierte Amerikaner auf dem Arbeitsmarkt zurückmelden, die zuvor aus der Statistik gefallen waren. Außerdem strömen mehr junge Leute in die Berufswelt als Ältere in den Ruhestand gehen. Die recht hohe Arbeitslosigkeit und die langsamen Erholung der US-Wirtschaft sind die Top-Themen im US-Wahlkampf.

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Republikaner-Kandidat Mitt Romney versucht, den Amtsinhaber wegen der nur langsamen Verbesserung unter Druck zu setzen. „Der heutige Anstieg der Arbeitslosenquote ist eine traurige Erinnerung, dass die Wirtschaft stillsteht. Es gibt noch immer 23 Millionen Amerikaner auf der Suche nach Arbeit", sagte Mitt Romney. Obama wehrt sich und verweist auf den tiefen Abschwung, aus dem sich die USA nach und nach zurückkämpfen. Beide Kandidaten sind nach den Verwüstungen des Wirbelsturms "Sandy" wieder voll in den Wahlkampf eingestiegen, um die letzten Unentschlossenen zu überzeugen und die eigenen Truppen zu mobilisieren.

„Zusammen mit den unterstützenden Aussagen des einflussreichen Republikaners Chris Christie und des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg kann Obama aber nochmals auf der Zielgeraden Punkte gutmachen", sehen die Analysten der Norddeutschen Landesbank den Amtsinhaber im Aufwind.

Auch im September lief es auf dem Arbeitsmarkt besser als zunächst gemeldet. Statt der ursprünglich gemeldeten 114.000 Arbeitsplätze sind 148.000 hinzugekommen. Die Beschäftigten mussten aber von September zu Oktober hinnehmen, dass sie etwas schlechter bezahlt wurden. Der durchschnittliche Stundenlohn sank um einen Cent auf 23,58 US-Dollar. Julia Coronado von der französischen Großbank BNP Paribas geht davon aus, dass die Löhne auch künftig kaum anziehen werden. „Es gibt nach wie vor eine Menge gut qualifizierter, arbeitsloser Arbeiter da draußen, die die Stundenlöhne eher drücken werden." Daraus leitet die Expertin ab, dass die Inflation nur wenig steigen wird.

Bereits am Donnerstag war der Arbeitsmarktbericht des Datendienstleisters ADP besser als erwartet ausgefallen. Das hatte die Hoffnungen verstärkt, dass die US-Firmen mehr Personal eingestellt haben. Generell zeigen die Konjunkturbarometer für die US-Wirtschaft nach oben. Das Verbrauchervertrauen ist so groß wie seit über vier Jahren nicht mehr und auch die Industrie wird laut dem ISM-Einkaufsmanagerindex in den kommenden Monaten moderat zulegen können.

„Die größte Gefahr für die US-Wirtschaft bleibt aber das Fiscal Cliff", sagt James Knightley, Analyst bei der ING Bank. Können sich Republikaner und Demokraten im US-Abgeordnetenhaus nicht auf eine Haushalts- und Steuerpolitik einigen, treten Anfang 2013 automatisch hohe Ausgabenkürzungen in Kraft. Die Rasenmäher-Methode würde die US-Wirtschaft wahrscheinlich in eine Rezession stürzen.

Kontakt zum Autor: christian.grimm@dowjones.com

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