• The Wall Street Journal

Commerzbank ist nicht mehr systemrelevant

[image] dapd

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.

Die Sparmaßnahmen und das Kürzen der Bilanz haben bei der Commerzbank Wirkung gezeigt: Die zweitgrößte deutsche Bank wird vom Financial Stability Board (FSB) nicht mehr als global systemrelevant eingestuft. Dieser ist also der Meinung, dass die Bedeutung der Commerzbank für das weltweite Finanzsystem so sehr geschrumpft ist, dass sie im Falle einer Insolvenz das Weltfinanzsystem nicht mehr erschüttern würde. Für die Commerzbank hat das den Vorteil, dass sie nun keine zusätzlichen Anforderungen an das Eigenkapital mehr erfüllen muss, die bei sogenannten G-SIFIs nach der neuen Bankenregulierung anfallen.

In einer ersten Reaktion zeigt sich die Commerzbank auch nicht erschüttert. Mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft und der Reduzierung von Risiken habe sie „bewusst in Kauf genommen, dass wir nicht mehr alle Kritierien für die Auswahl global systemrelevanter Banken erfüllen", erklärte ein Sprecher am Donnerstagabend.

Ebenfalls von der G-SIFI-Liste geflogen sind die britische Lloyds sowie die französisch-belgische Bank Dexia, die nach Fehlinvestitionen in Griechenland zuerst gerettet wurde und jetzt zerschlagen wird. Neu hinzugekommen sind dagegen die spanische BBVA und die britische Standard Chartered. Zum erlauchten Kreis der bedeutendsten Banken gehören damit 28 Institute, darunter die Deutsche Bank, Citigroup, HSBC, JP Morgan Chase und die UBS .

Hintergrund dieser Einstufung ist die Erkenntnis aus der Finanzkrise, dass die Pleite einer Bank das gesamte Finanzsystem zum Wanken bringen kann – 2008 vorgeführt von der Investmentbank Lehman Brothers. Aus diesem Grund werden vom FSB inzwischen regelmäßig die Banken identifiziert, die als systemrelevant gelten. Das sind die Banken, die im Falle einer Pleite erstmal vom Staat gerettet werden müssen, bevor man später über ihr weiteres Schicksal befindet.

Systemrelevanz hat Vor- und Nachteile

Als global systemrelevante Bank identifiziert zu werden, hat für die betroffenen Banken sowohl Vor- als auch Nachteile. Von Vorteil ist, dass die Banken de facto von den Finanzmärkten als vom Staat abgesichert angesehen werden und somit als sicher gelten. Das verschafft ihnen die Möglichkeit, sich günstiger an den Märkten zu refinanzieren. Ähnliches gilt natürlich auch für national systemrelevante Banken, zu denen etwa die Commerzbank in Deutschland weiterhin zählen wird.

Nachteile entstehen den Instituten allerdings durch die neue Bankenregulierung nach Basel III. Diese legt fest, welche Kapitalreserven eine Bank vorhalten muss, wenn sie Kredite vergibt oder Produkte wie beispielsweise Swaps verkauft. Für G-SIFIs ist dabei ein Aufschlag von bis zu 2,5 Prozentpunkten vorgesehen. Dieser kommt auf die bis 2019 zu erfüllende harte Kernkapitalquote von mindestens 7 Prozent also noch oben drauf.

Zusammen mit der Liste hat das FSB auch ihren Bericht über die Fortschritte mit Blick auf die mögliche Abwicklung von Großbanken im Krisenfall vorgelegt. Man habe "beträchtliche aber ungleichmäßige" Fortschritte bei der Umsetzung der Kernvoraussetzungen zu verzeichnen, heißt es im Bericht. Zu diesen Voraussetzungen zählt unter anderem der grenzüberschreitende Einsatz von Krisen-Management-Teams und bankenspezifischen Kooperationsverträgen. Außerdem haben die global relevanten Institute ihren Aufsichtsbehörden Pläne für ihre eigene Abwicklung vorgelegt, die von den Behörden jetzt überprüft werden.

Bankenaufsicht könnte noch besser sein

Insbesondere die Teams für das Management der Krisenfälle stehen inzwischen für fast alle Institute, berichtet das FSB. Außerdem hat die Aufsicht Vorschläge ausgearbeitet, wie die Aufsicht der systemrelevanten Institute weiter verbessert und intensiviert werden kann. In ihrem Bericht bemängelt sie, dass in einigen Fällen die Risikokontrolle der Finanzinstitute weiterhin unzureichend ist. Zudem könnten die Aufsichtsbehörden durchaus noch effizienter und vorausschauender arbeiten.

Als Erfolge verbucht das FSB, dass viele Länder inzwischen eine wesentlich umfassendere Beziehung zu ihren systemrelevanten Instituten pflegen. So mischen sich Aufsichtsbehörden mittlerweile wesentlich häufiger bei der Nachbesetzung von Managementpositionen ein, um die Kompetenz der Bewerber zu gewährleisten. Insbesondere die Deutsche Bank kann davon ein Lied singen: Der von Co-CEO Anshu Jain als neuer Risikovorstand favorisierte William Broeksmit wurde im März von der Finanzaufsicht BaFin nach Informationen des Wall Street Journal wegen mangelnder Führungserfahrung abgeschmettert.

Von solchen Eingriffen will das FSB mehr sehen und empfiehlt deshalb den Aufsehern, noch aktiver bei der Nachbesetzung von Stellen zu agieren. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die neuen Manager den Positionen gewachsen sind.

Kontakt zum Autor: Alexandra.Edinger@dowjones.com

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