• The Wall Street Journal

Opium ist zurück in Asiens Goldenem Dreieck

Der Opium-Anbau in Südostasien hat sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Das liegt vor allem an der steigenden Heroin-Nachfrage in China. Auch die Bemühungen der Regierungen, die Ernte zu unterbinden, fruchten nicht, wie aus einem Bericht des UN-Büros für Drogenbekämpfung hervorgeht.

Danach feiert der Mohnanbau im berüchtigten „Goldenen Dreieck" zwischen Myanmar, Laos und Thailand eine regelrechte Renaissance. Es ist neben dem „Goldenen Halbmond", der von Pakistan über Afghanistan in den Irak reicht, die wichtigste Opiumquelle der Welt.

AP/dapd

Opium wird in der Provinz Shan in Myanmar geerntet.

In Myanmar steigt trotz der politischen und wirtschaftlichen Reformen im Land die jährliche Opiumernte. Nach Afghanistan ist das Land weltweit bereits die Nummer zwei. Die Fortschritte im Kampf gegen die Droge, die hier in den letzten 13 Jahren gemacht wurden, drohen jetzt verloren zu gehen. Die Anbaugebiete sind oft nur schwer zugänglich und werden von Milizen kontrolliert, die sich durch den Drogenanbau finanzieren.

„Weil sowohl die Einkomme der Ärmsten als auch die der bewaffneten Gruppen davon abhängen, ist die Ausrottung der Droge sehr riskant", sagt Gary Lewis, der im Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung für Südostasien zuständig ist. „Wir müssen mit den Bauern in Dialog treten und ihnen Alternativen zum Mohnanbau bieten."

Wichtigste Finanzquelle für Milizen

Die Opiatabhängigen in Ostasien, besonders in China, und im Pazifikraum sind bereits für ein Viertel des weltweiten Konsums verantwortlich. Laut dem Weltdrogenbericht der UN stieg die Zahl der registrierten Heroinabhängigen in China zwischen 2002 und 2010 von 900.000 auf 1,1 Millionen. Die tatsächliche Zahl beträgt nach Schätzungen der UN etwa 2,5 Millionen.

Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums sagte am Mittwoch, das Land beteilige sich sowohl in der Region als auch weltweit am Kampf gegen Drogen und habe „große Fortschritte in der Vorbeugung und dem Verbot von Drogen sowie beim Entzug" gemacht. Im Juli hatte das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärt, der Großteil illegaler Drogen in China stamme aus dem Goldenen Dreieck.

Die Droge bleibt eine der wichtigsten Finanzquellen für bewaffnete Gruppen in Myanmar, erklärt Gary Lewis. Durch einige Waffenstillstandsabkommen in den Konfliktgebieten sei es aber möglich, dass dort bald der Teufelskreis durchbrochen wird. 90 Prozent des Anbaus finden in der Provinz Shan im Norden des Landes statt. Dort gab es kürzlich einen Waffenstillstand zwischen dem Militär und einigen Milizen. In dem Gebiet werden auch Methamphetamine produziert, die vor allem in Thailand verkauft werden.

Laut dem jährlich vorgestellten Bericht liegt das Niveau der Opiumproduktion in Myanmar und Laos zwar unter den Hochzeiten der späten 1990er Jahren, ist aber in den vergangenen Jahren ständig angestiegen. In Myanmar liegt in diesem Jahr die Anbaufläche bei 51.000 Hektar, 2006 waren es nur 21.600. In Laos steig die Fläche von 2.500 auf 6.800 Hektar.

Bauern haben keine Alternative

1999 hatte Myanmar einen Plan vorgestellt, wie der Opiumanbau in 15 Jahren komplett ausgerottet werden sollte. Offiziell steht das Land noch zu diesem Projekt. Doch der Leiter des Zentralkomitees für Drogenkontrolle, Oberstleutnant Zaw Lin Tun, rudert verbal bereits zurück. „Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass wir 2014 drogenfrei sein werden." Der Anbau und der Konsum könnten aber verringert werden. Er hält die Schätzungen der UN für korrekt.

Video auf WSJ.com

Opium-poppy cultivation in Southeast Asia has doubled over the past six years to meet increased heroin demand in China. The WSJ's Sam Holmes explains why regional governments' efforts to eliminate the crop are failing.

Seng Wan ist beim politischen Arm der „Shan State Army" für Drogenpolitik zuständig. Diese Miliz hat vor kurzem Frieden mit der Regierung geschlossen. Er erklärt, dass viele junge Leute in der 4,8 Millionen Einwohner umfassenden Provinz Shan drogenabhängig sind. Die Renaissance des Opiums liege daran, dass es für viele Menschen keine Alternativen gebe. Mit dem Drogenanbau können die Bauern in Myanmar 15 Mal höhere Erträge erzielen als mit anderen Pflanzen. „Wenn man Opiumpflanzen vernichtet, nimmt man ihnen den Lebensunterhalt", sagt er. „Wir versuchen, mit der Regierung und den UN zusammenzuarbeiten, um den Mohnanbau zu reduzieren." Aber wegen der Unruhen konnte das UN-Büro bisher nur in zwei kleineren Bezirken in der Provinz für Alternativen werben.

Myanmar steht weiter auf der Liste der USA, auf der die wichtigsten Drogenproduzenten und Transitländer aufgeführt sind. Wegen der demokratischen Reformen und der Zusammenarbeit mit US-Drogenbehörden hat Washington das Land aber von Sanktionen bei der Entwicklungshilfe ausgenommen.

—Mitarbeit: Celine Fernandez, Wayne Ma und Kersten Zhang

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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