Von JANET HOOK, SARA MURRAY und HEATHER HADDON
Es war eine selten Geste parteiübergreifender Einigkeit in den politisch tief gespaltenen USA: Präsident Barack Obama flog gemeinsam mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey im Hubschrauber die vom Sturm Sandy verwüstete Küste des Bundesstaates ab. Chris Christie ist einer der wichtigsten Unterstützer von Obamas Rivalen Mitt Romney und scharfer Kritiker des Präsidenten.
Gemeinsam begutachteten die beiden Politiker von Obamas Hubschrauber aus die zerstörten Häuser und überfluteten Straßen entlang der Atlantikküste. Anschließend lobten beide gegenseitig ihr Krisenmanagement. Obama erklärte, Christie habe sich mit „Herz und Seele" dem Kampf gegen die Sturmfolgen verschrieben. Christie sprach von einer „großartigen Zusammenarbeit".
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In der Vergangenheit hatte Christie oft andere Töne angeschlagen. Nach dem Tropensturm Irene im vergangenen Jahr hatte er Obama aufgefordert, nicht länger nur ein „Schaulustiger im Weißen Haus" zu sein. Er solle die „Lähmung abschütteln, die ihn bisher daran gehindert hat, die wirklich wichtigen Dinge in Angriff zu nehmen". Beim republikanischen Parteitag im August griff Christie Obama erneut an: „Herr Präsident, wahre Anführer folgen nicht den Umfragen, wahre Anführer verändern die Umfragen", rief er seinem Publikum zu.
Romneys Position untergraben
Während Obama als Katastrophenmanager unterwegs war, nahm sein Kontrahent Mitt Romney bereits am Mittwoch wieder seine Wahlkampfauftritte auf. Im umkämpften Bundesstaat Florida versuchte er Obama als Blockierer darzustellen: „Ich werde wirklichen Wandel und Reformen bringen und eine Präsidentschaft, die uns alle zusammenbringt", sagte er.
Den Auftritt Christies an der Seite Obamas sieht man in der Parteiführung der Republikaner nicht kritisch: „Gouverneur Christie macht seinen Job", erklärte Russ Schriefer, ein Berater von Romney. „Er ist der Gouverneur eines Staates, der von einem wirklich schrecklichen Sturm getroffen wurde." Rob Andrews, demokratischer Kongressabgeordneter aus New Jersey, sagte: „Das sind zwei Staatsdiener, die gute Arbeit leisten. Ich glaube nicht, dass es ihnen um politisches Kalkül geht".
Experten zeigten sich von den Aussagen Christies wenig überrascht. „Das ist einfach Christie", sagt David Redlawsk, Leiter des Eagleton-Umfrageinstituts an der Rutgers-Universität. „Christie ist zwar Politiker, aber auch ein Typ, der sagt, was er denkt. Im Moment richtet er sich vor allem an die Bevölkerung von New Jersey."
Trotzdem untergräbt der Auftritt von Obama und Christie Romneys Position auf mehreren Ebenen. Der Republikaner hatte immer wieder betont, dass er als Gouverneur von Massachusetts mehr Geschick bewiesen habe, über Parteilinien hinweg zu arbeiten, als es Obama als Präsident tue.
GM und Chrysler weisen Romneys Behauptungen zurück
In den letzten Tagen des Wahlkampfs nehmen Romneys Truppen für ihre Kampagne noch einmal große Geldsummen in die Hand, um Barack Obama auch in bisher für ihn sicher geglaubten Bundesstaaten anzugreifen. Allein die Spendergruppe „Americans for Prosperity" gibt noch einmal 3 Millionen Dollar für Fernsehspots in Pennsylvania und Michigan aus. „Wir gehen in die Offensive, während die Gegenseite defensiv spielt", sagt Romney-Berater Kevin Madden.
Wie Sandy die amerikanische Ostküste heimsuchte
Das Team von Barack Obama reagiert darauf betont gelassen. In der Fernsehsendung „Morning Joe" auf MSNBC erklärte Obamas Top-Berater David Axelrod, er werde seinen seit 40 Jahren gepflegten Schnurrbart abrasieren, wenn einer der Staaten Minnesota, Pennsylvania oder Michigan an Romney gehe.
Im „Swing State" Ohio schlagen unterdessen Werbespots von Romney weiter hohe Wellen. Darin hatte der Republikaner behauptet, der mit Staatsgeldern gerettete Autobauer Chrysler lasse seine Jeep-Fahrzeuge jetzt in China bauen. Das Obama-Lager erklärte, Romney wolle die Arbeiterschaft „verschrecken". Chrysler hat den Vorwurf bereits zurückgewiesen.
Am Dienstagabend sagte GM-Sprecher Greg Martin, Romneys Wahlkampf habe sich in ein „Paralleluniversum" begeben: „Keine Wahlkampfpolitik, und sei sie noch so zynisch, kann darüber hinwegtäuschen, dass wir Arbeitsplätze in den USA schaffen." Auch zahlreiche Zeitungskommentare kritisierten die Spots. „Romneys zynische Märchen beleidigen die Wähler in Ohio und Michigan", hieß es etwa am Donnerstag im Toledo Blade.
—Mitarbeit: Joseph B. WhiteKontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de



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