• The Wall Street Journal

Panasonic im freien Fall: Aktie stürzt, Rating wackelt

Dem Rekordverlust von Panasonic folgte der Ausverkauf an der Börse. Die Aktie des Elektronikkonzerns stürzte am Donnerstag in Tokio um fast 20 Prozent ab. Mehr als drei Milliarden Dollar Marktkapitalisierung gingen mit einem Schlag verloren.

Das für Viera-Fernsehgeräte und andere Elektronikerzeugnisse bekannte Unternehmen hatte am Mittwoch einen unerwartet hohen Verlust von rund 698 Milliarden Yen – umgerechnet 6,77 Milliarden Euro - für das zweite Quartal gemeldet. Es war einer der höchsten Dreimonatsverluste eines japanischen Unternehmens überhaupt. Panasonic begründete den Absturz mit massiven Restrukturierungskosten sowie der schwachen Nachfrage nach Verbraucherelektronik.

Reuters

Ein Mann betrachtet Viera-Fernseher von Panasonic. Das Problem: Zu wenige Kunden kaufen die Geräte des japanischen Konzerns.

Nach vier Monaten im Amt stellte der Panasonic-Chef ernüchtert fest, dass das einst mächtige Unternehmen nun zu den "Losern" in der Elektronikbranche gehöre. Auch für das Gesamtjahr erwartet er nun einen immensen Fehlbetrag, den zweiten in Folge. Mit neuen Sparmaßnahmen will Kazuhiro Tsuga die tief sitzenden strukturellen Probleme angehen. Dazu werden die Investitionen in Solarpanele und wieder aufladbare Batterien reduziert, die Produktion in Japan gedrosselt und der Verkauf von Mobiltelefonen im Ausland eingestellt. "Wenn wir diesen Schritt nicht gehen, wäre alles, was wir sagen, ein leeres Versprechen", sagte Tsuga.

Dabei muss er sich auf Gegenwind von den Ratingagenturen eintstellen. Moody's prüft die Bonität von Panasonic auf eine mögliche Abstufung. Derzeit liegt das Langfristrating von Panasonic bei "Baa1" und damit noch drei Stufen über dem Ramschniveau.

Auch Sony und Sharp enttäuschen

Die Lage bei Panasonic spiegelt die Probleme vieler japanischer Hersteller von Verbraucherelektronik wider. Verbraucher können inzwischen unter einer Vielfalt an Fernsehgeräten und anderer Elektronik diverser Hersteller wählen. Und die japanischen Anbieter können mit der Marktmacht und dem teuren Marketing der südkoreanischen Samsung Electronics nicht mithalten. Ebensowenig können sie mit den Kultprodukten von Apple konkurrieren. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet zudem unter dem starken Yen. Hinzu kommt, dass die Anlagen der japanischen Hersteller oft veraltet sind.

Auch die Panasonic-Wettbewerber Sony und Sharp legten Donnerstag maue Ergebnisse vor, was ihre Aktien ebenfalls drückte. "Jedermann ist negativ gestimmt", sagte Yoshihiro Okumura von Chibagin Asset Management. "Die Abwärtsrevision ist massiv. Die Erwartungen für eine Erholung müssen erst noch aufkommen."

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist der chinesisch-japanische Inselstreit – auch für Panasonic. Betroffen ist vor allem die Sparte Haushaltsgeräte, bisher einer der wenigen Lichtblicke im Portfolio. Der Kaufboykott der Chinesen dürfte im Geschäftsjahr 2012/13 rund 100 Milliarden Yen des Umsatzes und 30 Milliarden Yen des Betriebsgewinns aufzehren.

Den Einbruch der Panasonic-Aktie beschleunigt hat die Ankündigung des Konzerns, erstmals seit 1950 keine Dividende zahlen zu wollen. Bisher trug das Unternehmen wegen seiner finanziellen Solidität den Spitznamen "Panasonic Bank". Um liquide zu bleiben, hat sich das Unternehmen eine Kreditlinie über 600 Milliarden Yen gesichert, zudem soll eine Anleihe über 150 Milliarden Yen aufgelegt werden.

Harte Kritik am alten Management

Einen Seitenhieb verpasste der seit Juni amtierende Tsuga den ehemaligen Managern. Forschung und Entwicklung hätten es nicht geschafft, Verkaufsschlager auf den Markt zu bringen. Panasonic habe massiv in neue Technologien investiert. Dies habe sich aber nicht ausgezahlt, denn die Preise für Verbraucherelektronik seien zwischenzeitlich eingebrochen. Panasonic musste entsprechend Abschreibungen vornehmen.

"Das beurteile ich als anormale Situation", sagte Tsuga. Nun müsse man zunächst erkennen, dass Panasonic inzwischen kein normales Unternehmen mehr sei. Tsuga war vor dem Aufstieg an die Unternehmensspitze für die Sanierung des TV-Geschäfts verantwortlich.

Die hohen Kosten im abgelaufenen Quartal resultieren vor allem aus Neubewertungen in den Bereichen Solarpanele, wieder aufladbare Batterien und Mobiltelefone. Zudem schrieb Panasonic den Goodwill der 2009 erworbenen Sanyo Electric ab. Der erhoffte Erfolg im Geschäft mit Produkten für den emporstrebenden Bereich der erneuerbaren Energien blieb aus.

Entsprechend verabschiedete sich Panasonic nun von den Plänen, verstärkt in eine Solarpanelefabrik in Malaysia zu investieren. Im Inland werden künftig nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Werke wieder aufladbare Batterien herstellen. Der Fokus richte sich dabei nicht mehr auf Endverbraucher. In Europa gibt Panasonic nach weniger als einem Jahr wieder auf. In diesem Geschäftsjahr, das am 31. März endet, sollen in der Region keine Smartphones mehr verkauft werden. Die Produktion von LCD-Bildschirmen in Tschechien und Malaysia wird eingestellt.

Bereits im April hatte Panasonic eine Verschlankung angekündigt: Statt 88 Geschäftseinheiten soll es nur noch 56 Einheiten geben, und diese sollen eine operative Marge von mindestens 5 Prozent schaffen. Tsuga kritisierte seinerzeit, dass Panasonic zu sehr auf den Umsatz setzte und damit den Gewinn aus den Augen verliere.

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