Von STEPHAN DÖRNER
266 Millionen Euro haben deutsche Start-ups im dritten Quartal 2012 an Wagniskapital eingesammelt, zeigt eine aktuelle Studie von Dow Jones VentureSource. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zum vergangenen Jahr, als im gleichen Zeitraum 105 Millionen Euro Wagniskapital investiert wurde. Damit stemmt sich die deutsche Start-up-Szene gegen den Trend in Europa, wo Unternehmen insgesamt 11 Prozent Wagniskapital weniger eingesammelt haben. Die Zahl der Abschlüsse sank europaweit sogar um 22 Prozent. In Deutschland gab es in dem Zeitraum 43 Abschlüsse, ein Plus von 26 Prozent.
Deutschland kann 26 Prozent des Wagniskapitals anziehen
Deutschland hat sich somit als Europas Nummer zwei beim Wagniskapital etabliert. Nur britische Firmen konnten mit 59 Abschlüssen 301 Millionen Euro einsammeln – und damit mehr als Deutschland. Allerdings verzeichnet Großbritannien dabei einen Rückgang der um 21 Prozent bei der Investitionssumme und um 34 Prozent bei den Abschlüssen. Im dritten Quartal 2012 konnte Deutschland ganze 26 Prozent des Wagniskapitals aus Europa anziehen. Im Jahr zuvor waren es nur neun Prozent.
Frankreich kommt auf den dritten Platz und muss wie Großbritannien ebenfalls Federn lassen: Mit 32 Abschlüssen wurden 106 Millionen Euro Investitionskapital angezogen – ein Rückgang von 46 Prozent. Kräftig aufwärts ging es dagegen in den Niederlanden, die sich Platz vier sichern konnten. 71 Millionen Euro konnten niederländische Unternehmen einsammeln, 71 Prozent mehr als im Vorjahr.
IT-Unternehmen liegen bei Invesstoren im Trend
Insgesamt konnten die europäischen Start-ups mehr als eine Milliarde Euro über die 216 Wagniskapitalgeber in Europa aufnehmen. Vor allem IT-Unternehmen stehen hoch im Kurs. 31 Prozent der Summe konnten die Branche aufnehmen – der einzige Sektor, der gegenüber dem Vorjahr zulegen konnte. Mit 314 Millionen Euro konnten IT-Firmen 50 Prozent mehr Kapital einsammeln als im dritten Quartal 2011. Allerdings sank die Zahl der Abschlüsse um 27 Prozent auf 59.
Start-up-Themen auf Twitter
Anne Malterre, Forschungsleiterin für Europa bei Dow Jones VentureSource, rechnet damit, dass sich die Situation für die europäischen Start-ups bald wieder bessert. „Angesichts der Tatsache, dass die über das Gesamtjahr aufgenommene Summe die von 2011 übertreffen dürfte, erwarten wir, dass die Unternehmen weiterhin mehr Kapital anziehen werden", sagt sie. „Derzeit sind die Investoren zurückhaltend, weil Unternehmenspartner auf ihre Rendite warten. Gleichzeitig sehen wir aber neues Vertrauen in Informationstechnologien, die Dienstleistungsbranche und Unternehmen in der Frühphase als positive Signale", fügte die Expertin hinzu.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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