Von WALTER S. MOSSBERG
Das iPad ist ein echtes Phänomen. Apple hat 100 Millionen der Tablets in nur zweieinhalb Jahren verkauft, obwohl viele Kunden bezweifelten, dass sie wirklich auch noch ein 500-Euro-Gerät benötigen, das sich zwischen Laptop und Smartphone positioniert. Kein Konkurrenz-Modell kann derzeit mit dem iPad mithalten.
Dennoch hat das iPad ein Problem. Auch wenn es mit 650 Gramm und knapp über 95 Millimetern deutlich kleiner als ein Laptop ist, kann es auf Dauer in der Hand doch ganz schön schwer werden – beispielsweise beim Lesen eines E-Books. Normalerweise benötigt der Nutzer zwei Hände. Und der Bildschirm mit 9,7-Zoll-Diagonale macht zwar Spaß, ist aber zu groß, um das Tablet ohne große Umstände in die Tasche zu stecken.
Dünner und leichter als die Sieben-Zoll-Konkurrenz
Deshalb hat Apple kürzlich eine neue Version auf den Markt gebracht, das iPad mini. Es funktioniert genau wie das Original und unterstützt sämtliche Apps – die 275,000 für die Tablet-Größe optimierten ebenso wie die über 700,000 Apps für das iOS-Betriebssystem, das sich das iPad mit Apples iPhone teilt. Das iPad Mini wiegt nur 312 Gramm und ist 0,72 Zentimeter dick. Damit ist es 53 Prozent leichter und 23 Prozent dünner als Apples Standard-Tablet. Es ist 13,5 Zentimeter breit.
Mini-Tablets im Vergleich
Apple hat beim Schrumpfen des iPads Großes geleistet. Es gelang dem Unternehmen, ein Gerät zu schaffen, dass merklich dünner und leichter ist als die führende Konkurrenz mit Sieben-Zoll-Bildschirmdiagonale, obwohl das Apple-Gerät über einen deutlich größeren 7,9-Zoll-Bildschirm verfügt. Die Plastik-Konstruktion der kleineren Konkurrenten hat Apple zudem gemieden und sich stattdessen für eine solidere Hülle aus Aluminium und Glas entschieden.
Aluminium statt Plastik
Anders als die beiden Mini-Tablets der Konkurrenz verfügt das iPad mini über eine Kamera auf der Rückseite. Und anders als das Kindle Fire HD verfügt es neben der WLAN-Verbindung optional auch über eine Mobilfunk-Anbindung ans Netz. Zudem verfügt es über eine sehr gute Akkulaufzeit.
Dennoch gibt es zwei Nachteile gegenüber der Sieben-Zoll-Konkurrenz des Nexus 7 von Google und des Fire HD von Amazon. Erstens beginnt der Preis des iPad mini bei 329 Euro, verglichen mit 200 Euro für die beiden Hauptkonkurrenzen (wobei das Fire HD ohne störende Werbung tatsächlich 214 Euro kostet). Zweitens hat es eine niedrigere Bildschirmauflösung: 1024x768 statt 1280x800 bei der Konkurrenz von Google und Amazon.
Ich habe das iPad mini nun mehrere Tage getestet und es ist genau das, was es verspricht: Es überträgt den iPad-Zauber auf ein kleineres Gerät. Jede App, die auf dem größeren iPad lief, funktionierte perfekt auf dem Mini. Ich konnte es einhändig nutzen und über lange Zeiträume ohne Ermüdung halten. Mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist, dass es etwas zu breit ist, um in die meisten meiner Taschen zu passen und die Bildschirmauflösung gegenüber dem Retina-Display des aktuellen großen iPads ein Rückschritt ist.
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Allerdings ist es auch rund 30 Prozent dünner als die Sieben-Zoll-Konkurrenz Nexus 7 und Kindle Fire HD. Zudem ist es rund neun Prozent leichter als das Nexus und 22 Prozent leichter das Fire HD. Es ist ein klein wenig schmaler als das Fire HD, aber rund 11 Prozent breiter als das Nexus. Mir fiel es leicht, das Gerät mit einer Hand zu halten. Allerdings könnte das Gerät für kleinere Hände als meine etwas zu breit sein.
Auch wenn das Mini dünner und leichter als die führenden Sieben-Zoll-Tablets ist, bietet der rund 35 Prozent größere Bildschirm mehr Raum für den Inhalte wie Bücher und Websites. Mir fiel es leicht, Inhalte auf dem Bildschirm zu erkennen, zu lesen und per Finger-Steuerung zu bewegen. Ein Schönheitsfehler ist, dass die virtuelle Tastatur im Porträt-Modus, wenn das Tablet hochkant gehalten wird, etwas zusammengestaucht wirkt. Im Landscape-Modus, also bei horizontaler Nutzung, funktionierte sie dagegen gut. Ich bemerkte, dass ich das iPad mini deutlich häufiger im horizontalen Modus benutzte als das große iPad.
Hervorragende Akkuleistung
In meinem Akku-Test unter scharfen Bedingungen, bei dem ich Videos in Endlosschleife abspiele, die Bildschirmhelligkeit auf 75 Prozent eingestellt ist und über die WLAN-Verbindung im Hintergrund E-Mails abgerufen werden, übertraf das iPad mini Apples Angabe von zehn Stunden um 27 Minuten. Das ist etwa eine Stunde besser als das Kindle Fire HD und etwa 17 Minuten besser als bei Googles Nexus 7.
Die Bilder der Kamera waren sehr gut. Ich führte mehrere Video-Telefonate mit der 1,2-Megapixel-Front-Kamera und die 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite machte sehr gute Fotos und Videos. Auch die Stereo-Lautsprecher klangen gut für meine Ohren.
Warum der Rückschritt bei der Bildschirmauflösung?
Warum aber wählte Apple, dessen größeres iPad und neuen Macbooks eine extrem hohe Bildschirmauflösung besitzen, für das Mini eine niedrigere Auflösung? Laut Apple gibt es nur zwei Bildschirmauflösungen, die es dem Tablet erlauben, Apps ohne Anpassungen auszuführen. Die eine ist die extrem hohe Auflösung des aktuellen großen iPads, welche die Kosten erhöht und Akkulaufzeit des iPad mini verschlechtert hätte. Die andere – die, für die sich Apple beim Mini entschieden hat – ist dieselbe Auflösung, auf die Kunden bei Original-iPad und iPad 2 abgefahren sind. Das iPad 2 ist noch immer für 400 Euro auf dem Markt.
Die Erklärung ergibt Sinn, bedeutet aber auch, dass das Mini anders als die direkte Konkurrenz Videos nicht in HD-Auflösung abspielen kann. Apple verweist darauf, dass das Gerät eine höhere Auflösung als DVD-Qualität bietet. Wenn Filme via iTunes gekauft werden, skaliert iTunes das Video speziell für das Gerät, sodass die Auflösung des Videos zwischen Standard-Auflösung und HD-Auflösung liegt. Laut Apple werden das auch andere Dienste anbieten. Aber der Mangel an echter HD-Auflösung geben Nexus und Fire HD einen Vorsprung bei Video-Fans. Zudem sind Schriften feiner aufgelöst, was bei der Betrachtung von Büchern und Websites hilft. In meinem Test sahen Videos zwar gut aus, aber nichts so gut wie auf dem normalen iPad.
Die Modelle mit Mobilfunk-Anbindung gibt es für 459 Euro aufwärts, sie werden in einigen Wochen verfügbar sein. Der Einstiegspreis von 329 Euro könnte für einige kostenbewusste Käufer interessant sein, die unbedingt ein iPad wollen. Apple aber glaubt, dass die geringere Größe und Gewicht Hauptargumente für den Kauf sind, nicht der Preis.
Wenn Sie das iPad lieben oder sich eins wünschen, es ihnen aber zu groß und zu schwer ist – das iPad Mini ist die perfekte Lösung dafür.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de








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