• The Wall Street Journal

Die Software ist Apples Schwachpunkt

dapd

Apple-Manager Scott Forstall bei der Präsentation der Zeitungs-Kiosk-App in Holz-Optik. Forstal war für einen Design-Trend verantwortlich, der bei Apple umstritten ist.

Apple muss seine Software dringend auf das gleiche Niveau bringen wie die Hardware. Ein Glück für Investoren, dass Vorstandschef Tim Cook offenbar keine Furcht davor hat, das Erbe von Steve Jobs weiterzuentwickeln, um dieses Ziel zu erreichen.

Anfang der Woche drängte Apple den Top-Manager Scott Forstall heraus, in dessen Händen das mobile Betriebssystem iOS lag und der einst enge Bindungen zu Jobs hatte. Forstall hatte sich nach Informationen des Wall Street Journal geweigert, ein Entschuldigungsschreiben an Apple-Kunden für den misslungenen Start von Apple Maps mit dem jüngsten Update von iOS zu unterschreiben. Es war der letzte in einer Reihe von Konflikten mit anderen Führungskräften bei Apple. Kartendienste gehören zu den entscheidenden Funktionen auf mobile Geräten. Und Apples Karten-App hinkt konkurrierenden Angeboten wie Google Maps deutlich hinterher .

Auch Siri enttäuschte

Die Kartendienste sind aber nicht die einzigen Enttäuschungen bei iOS, das Betriebssystem, mit dem die beiden wichtigsten Apple-Produkte – das iPhone und das iPad – arbeiten. Der digitale Sprachassistent Siri, der 2011 auf den Markt kam, wird von vielen als nutzlos kritisiert. Einige andere Elemente der iOS-Nutzeroberfläche sind frustrierend veraltet.

Screenshot von Wikipedia

Das virtuelle Bücherregal iBooks von iOS erinnert an ein echtes aus Holz. Nicht jedem gefällt das.

Zu den Beispielen überholten Designs, die die notorischen Perfektionisten bei Apple geärgert haben dürften, gehören auch einige Anpassungen an Apples Apps, die denen eine ähnliche Optik wie physischen Objekten geben sollten. Überflüssig wirkt zum Beispiel, dass die neue Apple-App zum Speichern digitaler Kino- und Flugtickets einen animierten Aktenvernichter zeigen, wenn Tickets gelöscht werden. Und in der iBook-App werden E-Books in falsche Holzregale einsortiert. Einige Nutzer würden es jedoch bevorzugen, wenn bei den Apps mehr auf ihre Funktion geachtet wird als auf unnötige visuelle Schnörkel.

Ive übernimmt Verantwortung für das gesamte Design

Künftig wird Apples industrieller Chef-Designer John Ive auch das Design der Software beaufsichtigen. Ive war es, der dem iPhone 5 trotz seines extreme schlanken Profils eine robust Haptik verpasst hat. Er setzte mit dem iPad den Standard für das Tablet-Design und brachte den PC-Markt ins Straucheln, indem er mit dem Macbook Air zeigte, wie leicht und gleichzeitig schnell Laptops sein können.

Anders ausgedrückt: Der Mann, der dafür gesorgt hat, dass Apples Geräte im ausgeschalteten Zustand so angenehm aussehen, soll jetzt dafür sorgen, dass dies auch dann noch der Fall ist, wenn die Nutzer sie anschalten.

Die Herausforderung im Software-Bereich geht für Apple aber über das Aussehen hinaus. Das größere Problem für die Kunden des Konzerns liegt darin, dass sich iOS so langsam weiterentwicklt, während konkurrierende Betriebssysteme in wichtigen Bereichen vorbeiziehen.

Windows 8 ist iOS teilweise voraus

Nehmen wir das neue Betriebssystem Windows 8 von Microsoft, auf dem das Surface-Tablet läuft. Anders als iOS kann es zwei Apps zur gleichen Zeit anzeigen. Zum Beispiel können ein Gespräch über Skype führen und gleichzeitig im Internet surfen. Bei iOS-Geräten muss man nach wie vor den Home Button drücken, um zwischen den Apps hin- und her zu navigieren.

Zudem aktualisieren sich die "Live Tiles", die quadratischen Kacheln auf dem Microsoft-Bildschirm, selbstständig. So wird der Nutzer beispielsweise schon auf dem Startbildschirm über das Wetter informiert und muss dafür nicht erst die App öffnen. Ähnliche Funktionen sind auch mit dem Android-System von Google möglich. Obendrein setzt Windows 8 auch dadurch Standards, dass es sowohl auf mobile Geräten als auch herkömmlichen PCs läuft. Bei Apple gibt es für beides nach wie vor unterschiedliche Betriebssysteme.

Es hat etwas Ironisches, dass jetzt Microsoft – und nicht Apple – das Entwicklungstempo vorgibt. Für Cook bedeutet das, dass er seinen Leuten Feuer machen muss. Apple mag viele Fans haben, die sich niemals an irgendetwas stören werden, das mit dem Apfel-Emblem daherkommt. Wenn der Konzern bei der Software nicht schnell Fortschritte macht, riskiert er jedoch, diejenigen Kunden zu verlieren, die nicht so sehr von der Apple-Mystik gefesselt sind, dass sie nicht mehr sehen, wenn andere Geräte technisch vorbeiziehen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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