• The Wall Street Journal

US-Industrie übersteht Sandy ohne große Schäden

Getty Images

Viele Autos an der US-Ostküste sind durch Sandy schrottreif. Das könnte die Geschäfte von Autobauern und Elektrokonzernen beflügeln.

Die Gewalt des Supersturms Sandy hat der US-Industrie keine schwereren Schäden zugefügt. Einige Ölraffinerien und Chemiewerke in New Jersey, Delaware sowie im Osten von Pennsylvania mussten am Montag und Dienstag zwar ihren Betrieb einstellen. Doch es scheint, als wären die Auswirkungen der Naturgewalten im Vergleich zum Erdbeben in Japan oder den Überschwemmungen in Thailand im vergangenen Jahr eher gering. Damals wurden Zulieferer für Autohersteller, Elektronikkonzerne und andere Branchen lahmgelegt und damit die Lieferketten weltweit gestört.

Sandy hat sich in den wichtigsten Industriegebieten der USA nicht unmittelbar ausgetobt. Die vom Sturm betroffenen Regionen im Umkreis von New York weisen keine hohe Konzentration von Industriebetrieben auf, sagte David Simchi-Levi, ein Experte für Lieferketten am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Gary Pisano von der Harvard Business School erklärt, er habe nichts gesehen, „was sich auf die Wirtschaft signifikant auswirkt". Andere Experten warnen jedoch, dass Lieferengpässe am Anfang leicht übersehen, aber später zu größeren Problemen führen können.

Logistikdienstleister melden weitgehende Störungen in der gesamten Region. Die Eisenbahngesellschaft CSX warnte vor Verzögerungen von bis zu drei Tagen, öffnete am Dienstagabend aber wieder zahlreiche Strecken. Die Paketdienste UPS und Fedex haben angekündigt, ab Dienstagabend wichtigste Flughäfen wie Philadelphia und Baltimore an der US-Ostküste anzufliegen. Die New Yorker Airports JFK und Newark öffneten am frühen Mittwochmorgen. Am Mittwoch sollen die Fahrer wieder in Manhattan ausliefern.

Raffinerien am schwersten betroffen

Telekomanbieter Verizon Communications erklärte, die Überflutungen im Südteil Manhattans hätten zu „schwerwiegenden Problemen" geführt. Zwei automatische Vermittlungszentralen seien ausgefallen. Auch in anderen Gebieten ist die Technik gestört, Sandy wehte zudem zahlreiche Telefonmasten um. Die Reparaturen können laut Verizon bis zu eine Woche dauern.

In den vergangenen Jahren haben sich aber die meisten Unternehmen bereits auf wetterbedingte Störungen eingestellt. „Gut aufgestellte Unternehmen sind geübt darin, so etwas auszubalancieren" und Alternativen für Nachschub und Auslieferung zu finden, sagt Havard-Experte Pisano.

Am schwersten betroffen sind Raffinerien. Einige bleiben wegen Stromausfällen auch am Dienstag geschlossen oder produzierten mit gedrosselter Kapazität. Zu Engpässen werde es aber allenfalls lokal kommen, sagt Andrew Lipow, Chef der Beraterfirma Lipow Oil Associates: „Die Ostküste wird bereits wieder versorgt, bald werden auch wieder Importe ankommen, und im Korridor zwischen New York und Washington D.C. ist die Nachfrage ohnehin eingebrochen." Das US-Energieministerium erklärte, etwa 26 Prozent der Raffineriekapazitäten im Nordosten der USA seien außer Betrieb. Unter anderem blieben die Werke von Philips 66 und Hess in New Jersey geschlossen. Beide zusammen produzieren normalerweise 308.000 Barrel am Tag.

Kyle Cooper vom IAF Energy Advisors sagte, sobald der Strom wieder fließe, könnten die Raffinerien binnen ein oder zwei Tagen ihre Produktion wieder aufnehmen, sofern es keine weiteren Probleme gebe. Angesichts der Stärke des Sturms und des Ausmaßes der Überflutungen sei es aber gut möglich, dass sich die Reparaturen verzögerten: „Schon kleine Mengen Salzwasser an der falschen Stelle können für Kurzschlüsse sorgen."

Mehr Nachfrage nach Baumaschinen und Pumpen

Der Chemieriese Dupont schloss am Montag sieben Werke in den Staaten Delaware, New Jersey, Pennsylvania und Rhode Island sowie Büros und Labors. Es habe jedoch keine ernsthaften Schäden gegeben. Im Laufe des Mittwochs soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Verizon/Reuters

Das Foyer der Unternehmenszentrale von Verizon in Manhattan stand unter Wasser.

Motorradhersteller Harley-Davidson strich in seinem wichtigen Werk in Pennsylvania die Spätschicht am Montag und die Frühschicht am Dienstag. Eine Sprecherin sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. „Wir wollten nur, dass die Leute sicher nach Hause kommen." Am Dienstagabend sollte das Werk wieder öffnen. „Wir haben großes Glück gehabt", sagte Werksleiter Ed Magee. Es habe keine Schäden gegeben, und es lägen noch genügend Teile auf Lager. „Wir erwarten keine Auswirkungen auf die Produktion."

Die Handelskette Wal-Mart betreibt 900 Filialen und Logistikzentren in den vom Sturm getroffenen US-Staaten. Es gebe aber nur geringe Schäden, das Weihnachtsgeschäft sei nicht bedroht. 300 Läden wurden am Montag wegen Stromausfällen oder Evakuierungsanordnungen geschlossen, am Dienstagnachmittag waren es noch 80.

Sandy wird wahrscheinlich bei Unternehmen wie Caterpillar und Cummins für eine erhöhte Nachfrage nach Baumaschinen und Stromgeneratoren sorgen, wie Analystin Ann Duigan von J.P. Morgan Equity Research glaubt. Der Generatorenhersteller Generac Holding erklärte am Dienstag, man werde zusätzliche Arbeiter einstellen, um die Produktion hochzufahren.

Wie Sandy die amerikanische Ostküste heimsuchte

Für die Hersteller von Pumpen, mit denen Keller und überflutete Gebäude entwässert werden können, bringt Sandy vor allem Chancen. Der Schweizer Hersteller Pentair erhöhte schon in der vergangenen Woche seine Lieferungen in die USA. Auch die amerikanischen Konkurrenten Franklin Electric und Xylem erwarten erhöhte Nachfrage.

Für das Geschäft mit Pumpen für Hausbesitzer sei Sandy „eine große Nummer", sagt Gary Witt, der eine US-Tochter von Pentair leitet. Sein Unternehmen könne bis zu 200.000 Pumpen liefern. „Wir haben ziemlich viele", sagt er. Bisher sei in diesem Jahr die Nachfrage durchwachsen gewesen, da es nach dem milden Winter im Frühjahr weniger Überschwemmungen gab. „Wir sind uns aber noch nicht sicher, wie viel momentan wirklich gebraucht wird", erklärt Witt.

Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Versandhausgigant

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.