Von JAMES R. HAGERTY und DOUG CAMERON
Die Gewalt des Supersturms Sandy hat der US-Industrie keine schwereren Schäden zugefügt. Einige Ölraffinerien und Chemiewerke in New Jersey, Delaware sowie im Osten von Pennsylvania mussten am Montag und Dienstag zwar ihren Betrieb einstellen. Doch es scheint, als wären die Auswirkungen der Naturgewalten im Vergleich zum Erdbeben in Japan oder den Überschwemmungen in Thailand im vergangenen Jahr eher gering. Damals wurden Zulieferer für Autohersteller, Elektronikkonzerne und andere Branchen lahmgelegt und damit die Lieferketten weltweit gestört.
Sandy hat sich in den wichtigsten Industriegebieten der USA nicht unmittelbar ausgetobt. Die vom Sturm betroffenen Regionen im Umkreis von New York weisen keine hohe Konzentration von Industriebetrieben auf, sagte David Simchi-Levi, ein Experte für Lieferketten am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Gary Pisano von der Harvard Business School erklärt, er habe nichts gesehen, „was sich auf die Wirtschaft signifikant auswirkt". Andere Experten warnen jedoch, dass Lieferengpässe am Anfang leicht übersehen, aber später zu größeren Problemen führen können.
Logistikdienstleister melden weitgehende Störungen in der gesamten Region. Die Eisenbahngesellschaft CSX warnte vor Verzögerungen von bis zu drei Tagen, öffnete am Dienstagabend aber wieder zahlreiche Strecken. Die Paketdienste UPS und Fedex haben angekündigt, ab Dienstagabend wichtigste Flughäfen wie Philadelphia und Baltimore an der US-Ostküste anzufliegen. Die New Yorker Airports JFK und Newark öffneten am frühen Mittwochmorgen. Am Mittwoch sollen die Fahrer wieder in Manhattan ausliefern.
Raffinerien am schwersten betroffen
Telekomanbieter Verizon Communications erklärte, die Überflutungen im Südteil Manhattans hätten zu „schwerwiegenden Problemen" geführt. Zwei automatische Vermittlungszentralen seien ausgefallen. Auch in anderen Gebieten ist die Technik gestört, Sandy wehte zudem zahlreiche Telefonmasten um. Die Reparaturen können laut Verizon bis zu eine Woche dauern.
In den vergangenen Jahren haben sich aber die meisten Unternehmen bereits auf wetterbedingte Störungen eingestellt. „Gut aufgestellte Unternehmen sind geübt darin, so etwas auszubalancieren" und Alternativen für Nachschub und Auslieferung zu finden, sagt Havard-Experte Pisano.
Am schwersten betroffen sind Raffinerien. Einige bleiben wegen Stromausfällen auch am Dienstag geschlossen oder produzierten mit gedrosselter Kapazität. Zu Engpässen werde es aber allenfalls lokal kommen, sagt Andrew Lipow, Chef der Beraterfirma Lipow Oil Associates: „Die Ostküste wird bereits wieder versorgt, bald werden auch wieder Importe ankommen, und im Korridor zwischen New York und Washington D.C. ist die Nachfrage ohnehin eingebrochen." Das US-Energieministerium erklärte, etwa 26 Prozent der Raffineriekapazitäten im Nordosten der USA seien außer Betrieb. Unter anderem blieben die Werke von Philips 66 und Hess in New Jersey geschlossen. Beide zusammen produzieren normalerweise 308.000 Barrel am Tag.
Kyle Cooper vom IAF Energy Advisors sagte, sobald der Strom wieder fließe, könnten die Raffinerien binnen ein oder zwei Tagen ihre Produktion wieder aufnehmen, sofern es keine weiteren Probleme gebe. Angesichts der Stärke des Sturms und des Ausmaßes der Überflutungen sei es aber gut möglich, dass sich die Reparaturen verzögerten: „Schon kleine Mengen Salzwasser an der falschen Stelle können für Kurzschlüsse sorgen."
Mehr Nachfrage nach Baumaschinen und Pumpen
Der Chemieriese Dupont schloss am Montag sieben Werke in den Staaten Delaware, New Jersey, Pennsylvania und Rhode Island sowie Büros und Labors. Es habe jedoch keine ernsthaften Schäden gegeben. Im Laufe des Mittwochs soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.
Motorradhersteller Harley-Davidson strich in seinem wichtigen Werk in Pennsylvania die Spätschicht am Montag und die Frühschicht am Dienstag. Eine Sprecherin sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. „Wir wollten nur, dass die Leute sicher nach Hause kommen." Am Dienstagabend sollte das Werk wieder öffnen. „Wir haben großes Glück gehabt", sagte Werksleiter Ed Magee. Es habe keine Schäden gegeben, und es lägen noch genügend Teile auf Lager. „Wir erwarten keine Auswirkungen auf die Produktion."
Die Handelskette Wal-Mart betreibt 900 Filialen und Logistikzentren in den vom Sturm getroffenen US-Staaten. Es gebe aber nur geringe Schäden, das Weihnachtsgeschäft sei nicht bedroht. 300 Läden wurden am Montag wegen Stromausfällen oder Evakuierungsanordnungen geschlossen, am Dienstagnachmittag waren es noch 80.
Sandy wird wahrscheinlich bei Unternehmen wie Caterpillar und Cummins für eine erhöhte Nachfrage nach Baumaschinen und Stromgeneratoren sorgen, wie Analystin Ann Duigan von J.P. Morgan Equity Research glaubt. Der Generatorenhersteller Generac Holding erklärte am Dienstag, man werde zusätzliche Arbeiter einstellen, um die Produktion hochzufahren.
Wie Sandy die amerikanische Ostküste heimsuchte
Für die Hersteller von Pumpen, mit denen Keller und überflutete Gebäude entwässert werden können, bringt Sandy vor allem Chancen. Der Schweizer Hersteller Pentair erhöhte schon in der vergangenen Woche seine Lieferungen in die USA. Auch die amerikanischen Konkurrenten Franklin Electric und Xylem erwarten erhöhte Nachfrage.
Für das Geschäft mit Pumpen für Hausbesitzer sei Sandy „eine große Nummer", sagt Gary Witt, der eine US-Tochter von Pentair leitet. Sein Unternehmen könne bis zu 200.000 Pumpen liefern. „Wir haben ziemlich viele", sagt er. Bisher sei in diesem Jahr die Nachfrage durchwachsen gewesen, da es nach dem milden Winter im Frühjahr weniger Überschwemmungen gab. „Wir sind uns aber noch nicht sicher, wie viel momentan wirklich gebraucht wird", erklärt Witt.
Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de





![[SB10001424052970204840504578087750425792238]](http://s.wsj.net/public/resources/images/OB-VE186_1030sa_D_20121030210944.jpg)


![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR316_otto_y_E_20130518041132.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XN224_051713_E_20130517140059.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR238_s_prom_E_20130516101434.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XL468_0513ha_E_20130513114819.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XL241_0512ep_E_20130512155044.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR285_Powell_C_20130517094516.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR292_schiff_C_20130517105204.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR276_sport1_C_20130517080305.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XM094_130515_C_20130514234555.jpg)
Hello
Your question to the Journal Community Your comments on articles will show your real name and not a username.Why?
Create a Journal Community profile to avoid this message in the future. (As a member you agree to use your real name when participating in the Journal Community)