Von SIMON NIXON
350 Tage hat es gedauert, bis der neue UBS -Chef Sergio Ermotti dem Druck der Anleger nachgegeben hat. Er erklärte sich bereit, das Investmentbanking der Schweizer Großbank radikal zu schrumpfen. Dass eine Reihe von Geschäftsbereichen geschlossen und 10.000 Stellen wegfallen werden, dürfte die UBS in die Lage versetzen, höhere Eigenkapitalrenditen zu erzielen und annehmbare Dividenden zu zahlen. Ohne Risiko ist die Strategie aber nicht.
Bis zuletzt hatte die UBS erklärt, sie müsse die gesamte Bandbreite an Dienstleistungen im Investmentbanking anbieten. Dabei berief sie sich auf Synergien zwischen jenem Bereich und ihrem Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung. Ihre Ertragsziele wollte die Bank erreichen, indem sie versprach, Kosten in Höhe von zwei Milliarden Franken zu senken und Kapital effizienter einzusetzen. In den zwölf Monaten bis September beschnitt die UBS die risikogewichteten Anlagen auf Basis der vollen Kapitalanforderungen für Basel III um ein Viertel auf 300 Milliarden.
Überzeugt hat das die Anleger nicht. Einfach ausgedrückt: Das Investmentbanking der UBS bindet drei Viertel des Kapitals der Bank, bringt aber nur eine magere Rendite von fünf Prozent, schreiben Barclays -Analysten. Im Private Banking und in der Vermögensverwaltung verdient die UBS Erträge zwischen 25 und 40 Prozent.
Ermottis neuer Plan sieht vor, dass die Bank Risikoanlagen im Volumen von 90 Milliarden Franken abwickelt, davon 80 Milliarden im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen, deren Anteil an den Risikoanlagen dadurch auf nur noch 30 Milliarden Franken sinken soll. Zukünftig soll sich die Investmentbank auf ihre Stärken in den Bereichen Aktien, Fusionen und Übernahmen sowie dem Rohstoffhandel konzentrieren – womit die Einheit letztlich zu ihren Wurzeln zu Warburg-Zeiten zurückkehrt. Bis Ende 2015 will Ermotti die Kosten um 5,4 Milliarden Franken senken.
Bilanzsumme soll um ein Drittel sinken
Läuft alles planmäßig, wird die UBS nach dem Umbau eine ziemlich andere Bank sein. Der Anteil des Eigenkapitals der Gruppe, das in der Investmentbank gebunden ist, wird von heute 65 auf nur noch 35 Prozent fallen und die Bilanzsumme wird um ein Drittel auf 600 Milliarden Franken gestutzt. Das Verhältnis von Kosten und Einnahmen wird von 79 Prozent auf 60 bis 70 Prozent sinken und die Kernkapitalquote (Tier 1) wird im Jahr 2014 – bei voller Anwendung der Vorschriften von Basel III – 13 Prozent erreichen. Ermotti geht davon aus, dass die Bank bis 2015 auf eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent kommen wird. Das würde bei einer angestrebten Ausschüttungsquote von 50 Prozent die Basis für eine attraktive Dividende schaffen.
Leicht wird es jedoch nicht, die Strategie zu einem Erfolg zu machen. Die Abwicklung der Altlasten aus den aufgegeben Bereichen wird Zeit brauchen; viele der Wertpapiere wird die Bank bis zum Ende ihrer Laufzeit halten müssen. Und wie sich die Rumpf-Investmentbank nach der Restrukturierung schlagen wird, ist offen. Sicher kann sich die Bank nicht sein, dass ein kleinerer, auf Aktien konzentrierter Geschäftsbereich lebensfähig ist. Mal ganz abgesehen davon, dass sie nach wie vor mit beträchtlichen juristischen und regulatorischen Risiken kämpft, die auch die Vermögensverwaltung betreffen.
Die Aktien der UBS sind bereits kräftig gestiegen – um 12,6 Prozent, seit die ersten Gerüchte über den Stellenabbau aufkamen. Nach Schätzungen von J.P. Morgan kostet die Aktie aktuell das 1,1-Fache des Substanzwerts. Dieses Verhältnis sollte steigen, wenn Ermotti liefert. Geduld werden Anleger aber auf jeden Fall brauchen.
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