• The Wall Street Journal

Japans Autobauer fliehen vor dem starken Yen

NEW YORK - Der starke Yen verhagelt den japanischen Autobauern den Gewinn. Deshalb finden Toyota, Honda und Nissan nach Jahren der Skepsis zurück zu einem lange vernachlässigten Produktionsstandort: den USA.

AP Koji Sasahara/AP/dapd

Diese Toyota Yaris werden von Japan nach Nordamerika exportiert.

Diese Jahre scheinen für das Erste abgehakt zu sein: Jetzt lassen japanische, deutsche und auch US-Konzerne zwischen Ost- und Westküste für den weltweiten Export fertigen. Gerade die großen Drei aus Japan wollen ihre US-Produktion immer mehr nach Europa, Korea, dem Nahen Osten und in andere Ecken der Welt verschiffen.

Produktion im Inland lohnt kaum noch

Die Japaner fliehen damit vor dem starken Yen. Inzwischen ist ein US-Dollar nur noch 77,8 Yen wert. Für die drei Japaner lohnt sich damit die Produktion im Inland kaum noch. Beim Export aus japanischen Werken legen Toyota, Honda und Nissan sogar noch Geld drauf. "Der schwache Dollar macht Exporte aus den USA heraus günstiger", sagt Bill Krueger, Vize-Chairman von Nissans amerikanischen Aktivitäten. "Wir steigern die Kapazität unserer US-Fabriken, weiten die Schichten aus und stellen Arbeiter ein."

Der neue Luxuswagen von Nissan soll in Smyrna im US-Bundesstaat Tennessee vom Band laufen. 1.200 Arbeiter werden dafür eingestellt. Der Infiniti JX soll künftig Exportmärkte weltweit erobern. An einem anderen Standort in Smyrna will Nissan die Produktion seines Elektroautos Leaf ausweiten. 1.300 Mitarbeiter sollen zusätzlich auf Nissans Lohnliste gelangen. Auch anspruchsvollere Jobs schafft Nissan in den USA: In Michigan stellt sie gerade 150 Ingenieure für ein Technikzentrum ein.

Die Expansion greift auch nach Mexiko über. Dort investiert Nissan gerade hunderte Millionen Dollar in den Bau eines dritten Werks. Die Investition soll bis zu 2 Milliarden Dollar betragen. Nissan will in der Anlage den Kleinwagen Versa mit einer Anfangskapazität von 175.000 Stück fertigen. Rund 70 Prozent sollen in lateinamerikanische Märkte exportiert werden.

USA: niedriger Wechselkurs und günstige Arbeitskräfte

Aber die Musik spielt eindeutig in den USA. Die Trumpfkarten des Landes der unendlichen Möglichkeiten sind der niedrige Wechselkurs und ein großer Pool an günstigen Arbeitskräften. Vor nicht allzulanger Zeit galten die USA noch als Hochkostenstandort.

Auch Toyota - die Nummer eins unter Japans Autobauern - will den Produktionstakt in den USA deutlich steigern und Exporte aus dem Dollar-Raum heraus befeuern. Im Jahr 2011 betrugen diese Ausfuhren 100.000 Wagen. Für den Nordamerika-Chef von Toyota ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht: "Das ist erst der Anfang."

Für die US-Wirtschaft sind das im Wahljahr alles gute Nachrichten. Auch die drei großen US-Autohersteller aus Detroit weiten ihre Kapazitäten im Mittleren Westen aus. Die erfolgsgewohnten deutschen Autoschmieden stehen im Aufbruch nach Westen nicht nach. Die Wolfsburger Volkswagen AG hat gerade ein Werk in Tennessee eröffnet und überlegt, ein zweites für Audi-Fahrzeuge hochzuziehen. Die Münchener Konkurrenz BMW sorgt für zusätzliche Kapazitäten in ihrem Werk in South Carolina. Die schwäbische Daimler AG erwägt neben dem Werk in Alabama den Bau einer zweiten Fabrik.

Der derzeitige Trend steht und fällt mit dem Wechselkurs. Nissan-Chef Carlos Ghosn sagte jüngst auf der Detroit Auto Show, dass die Yen-Stärke Japans Automobilindustrie nach Nordamerika treibe. "Wir können nicht konkurrieren", sagte er mit Blick auf den Export der im Inland gefertigten Fahrzeuge. Binnen zwei bis drei Jahren will Nissan daher nahezu 90 Prozent der in Nordamerika verkauften Nissan-Wagen auch dort produzieren. Aktuell liegt diese Quote bei 70 Prozent.

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