• The Wall Street Journal

Starbucks serviert Kaffee in Indien

Auch im Land des Darjeelings wandeln sich die Geschmäcker. Die Starbucks -Kette will den wachsenden Kaffeedurst Indiens bedienen und noch in diesem Jahr fünfzig Filialen eröffnen. Die Expansion könnte sich auch für die Regierung als Aufputschmittel erweisen.

Der Kaffeehausriese wagt sich mit einem einheimischen Führer auf den Subkontinent. Mit dem Mischkonzern Tata wird ein Gemeinschaftsunternehmen gebildet, das landesweit Cafés eröffnen und indischen Kaffee weltweit verkaufen soll. Zunächst stehen 80 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Tata-Gruppe stellt nicht nur Stahl, Autos oder Telefone her, sondern vertreibt unter der Marke Eight O'Clock auch Kaffee in den USA.

dapd

Kaffeegeschäft im indischen Bangalore.

Schon im August soll die erste Niederlassung entweder in der Hauptstadt Delhi oder in Mumbai entstehen. Auf die beiden größten Städte des Landes wollen sich die Partner auch zunächst beim Ausbau des Filialnetzes konzentrieren, bevor sie in andere Landesteile vorstoßen wollen. Bis zum Jahresende werden 50 Cafés angepeilt, die zum Teil eigenständig operieren, zum Teil in die ebenfalls zu Tata gehörenden Taj-Hotels integriert werden sollen.

In 57 Ländern ist Starbucks bisher aktiv, doch Indien war bisher nicht dabei. Das Land ist berühmt für seine Teekultur, doch Kaffee wird immer populärer. Der Verbrauch ist nach Angaben der Regierung auf 108.000 Tonnen im Jahr 2010 gestiegen, ein Anstieg um 80 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts.

Das Beispiel von Starbucks könnte Schule machen

Der Schritt auf den Subkontinent ist für die Kaffeekette aus Seattle ein großer Gewinn, die ihr Wachstum verstärkt in den aufstrebenden Volkswirtschaften sucht. In den USA mussten während der Wirtschaftskrise Hunderte Filialen dichtgemacht werden. Noch immer kommt der Großteil der Gewinne aber aus der Heimat, während die Rivalen wie McDonald's schon einen deutlichen Vorsprung in den Schwellenländern haben. Dunkin' Brands beispielsweise hat sich schon vergangenes Jahr mit einem Partner zusammengetan, um 30 Donut-Läden in den nächsten drei Jahren zu eröffnen.

Die Partnerschaft mit Tata hatte sich schon vor einem Jahr abgezeichnet. Da hatten beide Unternehmen eine Absichtserklärung unterschrieben, künftig Kaffeebohnen aus Indien zu verarbeiten. Der zentrale Umschlagplatz für den Kaffee liegt im Süden Indiens.

Starbucks-Aufsichtsrat Howard Schultz sagte damals, Indien könne langfristig mit China mithalten. Dort will der Konzern die Zahl seiner Niederlassungen auf 1.500 verdreifachen.

Der Deal mit Starbucks kommt auch für die indische Regierung zur rechten Zeit. Neben einer ganzen Reihe von Korruptionsskandalen sorgten auch Wirtschaftsentscheidungen für Aufsehen. Nachdem Indien zunächst Mehrheitsbeteiligungen ausländischer Investoren im Einzelhandel erlaubt hatte, wurde diese Freigabe später kassiert. Interessenten wie Wal Mart wurden so abgeschreckt.

"Den Boom nicht verpasst"

Laufen Läden allerdings nur unter einer Einzelmarke, können sie von ausländischen Unternehmen sogar komplett in Eigenregie geführt werden. Unternehmen wie Nike konnten bislang maximal 51 Prozent der Geschäfte in Indien selbst kontrollieren. Starbucks könnte als Gastronomiebetrieb jetzt sogar eigenständig Filialen in Indien aufziehen. Die Entscheidung der Amerikaner, nach Indien zu kommen, nützt damit der Regierung.

Trotzdem arbeitet Starbucks lieber mit Tata zusammen. Analysten glauben, dass die Expansion auch andere westliche Konzerne animieren könnte, ihre Ressentiments gegenüber Indien als Investitionsziel aufzugeben.

"Eine Marke wie Starbucks sendet ein starkes Signal an Einzelhändler und Nahrungsmittelanbieter in der ganzen Welt aus", sagt Saloni Nangia, Vizepräsidentin der indischen Marktforschungsgesellschaft Technopak. "Für Indien ist das eine Chance. Es ist ein positives Signal", sagt sie.

Starbucks sucht seit 2007 nach einem Partner für Indien. John Culver, der zuständige Starbucks-Manager für China und den Pazifikraum glaubt nicht, dass sein Unternehmen den Indien-Boom verpasst hat. Noch vor wenigen Jahren wuchs die Wirtschaft Indiens zweistellig. Für das laufende Fiskaljahr bis Ende März prognostizieren Ökonomen immerhin noch sieben Prozent Plus bei der Wirtschaftsleistung.

Nachfrage nach westlichen Produkten steigt

"Ich glaube nicht, dass wir zu spät dran sind" sagt Starbucks-Manager Culver. "Wir sind sehr optimistisch und zuversichtlich, dass Indien eine große Chance für uns ist."

dapd

Starbucks-Asienchef John Culver und R.K.Krishna Kumar von Tata bei der Verkündung ihrer Partnerschaft.

R.K. Krishna Kumar, Direktor bei der Holding Tata Sons, nennt die Kooperation mit der amerikanischen Kaffekette ein „sehr starkes Signal, dass die Geschäfte in Indien wie gewohnt weiterlaufen." Der negative Eindruck von Indien werde so hoffentlich korrigiert.

Starbucks will in Indien wie anderswo auch seine Getränke auf Espresso-Basis und klassische Speisen anbieten, daneben aber auch einige indische Spezialitäten. "Wir bieten ein Top-Produkt und haben die nötige Erfahrung. Die Preise werden so hoch sein, wie es uns der Markt erlaubt", sagt Culver.

Geschäfte von Auslandsunternehmen in Indien verliefen in der Vergangenheit oftmals turbulent: Coca-Cola wurde Mitte der 1990er Jahre aus dem Land verbannt, weil es sein geheimes Rezept nicht verraten wollte. Kentucky Fried Chicken musste sich vor 15 Jahren dem Protest von Bauern und Politikern erwehren, die das Angebot des Hähnchenbraters als Affront gegen die indische Küche empfanden.

Inzwischen bauen Marken wie McDonald's, Yum Brands, KFC und Taco Bell ihre Präsenz auf dem Subkontinent allerdings deutlich aus. Junge Inder pflegen einen zunehmend internationalen Geschmack. Die neue wohlhabenden Mittelschicht Indiens ist insgesamt westlich ausgerichtet.

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