Von NICO POPP
Während in Griechenland um einen Schuldenschnitt gerungen wird, spekulieren die Märkte darauf, dass auch Portugal bald umschulden muss: Wenn sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall Portugals absichern wollen, werden ihnen inzwischen Rekordprämien abverlangt. Allein während der vergangenen zwei Tage verteuerte sich die Risikoprämie um 1 Prozentpunkt auf 14,04 Prozent. Zum Vergleich: Beim ebenfalls bereits einmal geretteten Irland werden nur 6,32 Prozent fällig.
Es sieht danach aus, als würden die Verhandlungen in Griechenland auch die Sorgen um Portugal wieder aufkeimen lassen. „Portugal ist derzeit im Blickpunkt, weil die Investoren es für das Land halten, das auf Griechenland folgen wird und ebenfalls einen Schuldenschnitt durchführen muss", sagt Alessandro Giansanti, Zinsspezialist bei der niederländischen Bank ING. „Wenn man sich die Anleihekurse anschaut, ist dort für Portugal ein Schuldenschnitt um 40 Prozent eingepreist", sagt der Banker.
Griechischer Schuldenschnitt als Vorbild für Portugal?
Bei dünnen Umsätzen kletterten die Renditen für fünfjährige Anleihen aus Portugal auf 20,27 Prozent – so viel wie noch nie, seit in Portugal der Euro eingeführt wurde. Renditen zehnjähriger Anleihen kletterten auf 14,36 Prozent.
Auch wenn die Verhandlungen um einen Schuldenschnitt von vielen Marktbeobachtern als erster Schritt in die richtige Richtung wahrgenommen werden, bergen sie im Fall Portugals auch Risiken: Ein griechischer Schuldenschnitt „könnte zur Blaupause für eine Umschuldung in Portugal werden. Das ist für Investoren keine gute Nachricht" sagt Gary Jenkins vom Analysehaus Swordfish Research.
Portugal ist nicht Griechenland
Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnte zuletzt vor Problemen: Zwar sei die Schuldensituation in Griechenland mit Abstand am problematischsten, doch gebe es auch begründete Sorge über die Lage Portugals.
Trotz der jüngsten Unruhe am Markt sehen Beobachter die Entwicklung gelassen. Insbesondere das relativ geringe Refinanzierungsvolumen Portugals wird dabei immer wieder genannt. Wenn das Land 2013 wie geplant wieder an den Kapitalmarkt zurückkehrt, werden Anleihen im Umfang von 8,86 Milliarden Euro fällig – in Griechenland wird derzeit dagegen über einen Schuldenschnitt von 100 Milliarden Euro verhandelt.
Dennoch sehen Vertreter von Banken die Möglichkeit, dass der IWF eine weitere Kredit-Tranche an ein schlüssiges Finanzierungskonzept wie seinerzeit in Griechenland bindet. In diesem Fall könne ein zweites Rettungspaket für Portugal fällig werden, glaubt ein Marktkenner, der namentlich nicht genannt werden will. Im Gegensatz zum zweiten Rettungspaket für Griechenland wäre die Beteiligung des Privatsektors dann allerdings kein Thema.
Kontakt zum Autor: nico.popp@wsj.com




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