• The Wall Street Journal

Heftiger Gegenwind für die deutsche Industrie

Nachdem die Bestellungen bei den deutschen Industriebetrieben im September unerwartet heftig eingebrochen sind, sieht es für das Wachstum im vierten Quartal düster aus. Die Stimmungsbarometer kündigen es schon länger an, aber jetzt zeigt der erste harte Indikator, dass die Verwerfungen in Europa und die nachlassende Weltwirtschaft auch die deutsche Insel der Stabilität erreichen. Gegenüber August gingen die Aufträge bereinigt um 3,3 Prozent zurück und damit so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Volkswirte hatte zuvor nur ein zartes Minus von einem halben Prozent vorausgesagt. Ende 2012 wird die Wirtschaft damit voraussichtlich in die roten Zahlen rutschen.

„Die heutigen Zahlen bestätigen das Ergebnis der letzten Ifo-Umfrage. Für die kommenden Monate ergibt sich daraus für die Auftragseingänge sogar eher noch ein Abwärtsrisiko", sagte Commerzbank -Volkswirt Ralph Solveen. Sein Kollege Christian Lips von der Norddeutschen Landesbank erwartet deshalb, dass sich wieder mehr Beschäftigte arbeitslos melden müssen. „Der Gegenwind für die deutsche Industrie hat merklich aufgefrischt", lautet seine ungemütliche Einschätzung der Lage.

Als Ursache für den scharfen Rückgang bei den Bestellungen haben die Experten im Bundeswirtschaftsministerium die schwache Nachfrage aus dem Ausland ausgemacht, die bisher die Industrie so zuverlässig gestützt hat. Sie ging um 4,5 Prozent zurück, wobei die Eurozone mit einem Minus von 9,6 Prozent besonders negativ hervorstach. Vor allem der Umfang an Großaufträgen war unterdurchschnittlich. Auch auf dem Heimatmarkt ging es um 1,8 Prozent bergab. Mit Ausnahme des Maschinenbaus, der bei den Bestellungen einen kräftigen Sprung nach oben machte, schnitten alle Bereiche schwächer ab.

Ein kleiner Lichtblick war jedoch der August, weil die Statistiker ihren ursprünglichen gemeldeten Wert etwas nach oben gesetzt haben. Anstatt um 1,3 Prozent waren die Bestellungen nur um 0,8 rückläufig. Das reichte allerdings nicht aus, um das dritte Quartal zu retten. Gegenüber dem zweiten Quartal nahmen die Auftragseingänge in der Industrie um 2,3 Prozent ab. Dass der Weg für die Unternehmen steiniger wird, ist auch am Vergleich zum Vorjahr abzulesen. Gegenüber dem dritten Quartal 2011 waren die Orders um 4,7 Prozent schwächer.

Für die am Mittwoch anstehenden Daten zur Produktion im September lassen die Neuaufträge nichts Gutes hoffen. „Ein deutlicher Rückgang ist hier programmiert", sagte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. Bisher lautet die Prognose der Volkswirte im Mittel auf ein Minus von 0,5 Prozent. Das könnte sich als zu zaghaft erweisen.

Kontakt zum Autor: christian.grimm@dowjones.com

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