• The Wall Street Journal

So laufen die US-Wahlen ab

Der US-Wahlkampf - hier von Präsident Barack Obama in der Universität von Cincinnati - zieht sich im Vergleich zu europäischen Wahlen lange hin.

Alle vier Jahre wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten, traditionell am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November. Wählen dürfen nur über 18-jährige, nicht vorbestrafte US-Bürger, die sich zuvor für die Wahl registriert haben. Das muss man aber nur einmal, die Registrierung gilt permanent.

Der Staats- und Regierungschef der USA wird nicht direkt gewählt, sondern indirekt über die Wahlversammlung, das electoral college. Diese setzt sich aus insgesamt 538 Mitgliedern zusammen, den sogenannten Wahlmännern. Je nach Bundesstaat variiert deren Anzahl, abhängig von der Anzahl der Sitze in Senat und Repräsentantenhaus – die wiederum je nach Bevölkerungsstärke an den jeweiligen Staat verteilt werden. So zählt das bevölkerungsreiche Kalifornien zum Beispiel 55 Wahlmänner, das großflächige Texas hingegen nur 38.

Der Wahltag

Den Start in den Wahltag läutet traditionell das kleine Dorf Dixville Notch im US-Bundesstaat New Hampshire ein, dort öffnen die Wahllokale um Mitternacht Ortszeit. Als letztes wählen die registrierten US-Bürger in Hawaii und Alaska. Mit der Schließung der Wahllokale im nördlichsten Bundesstaat ist der Wahltag beendet.

In 30 von 50 Staaten können die Wähler aber ihre Stimme bereits seit Anfang September abgeben. Das sogenannte Early Voting soll möglichst vielen den Gang zur Wahlurne ermöglichen. Der Ablauf selbst variiert übrigens ebenfalls je nach Bundesstaat. So ist in Oregon nur die Briefwahl möglich.

Die Entscheidung

Der Wähler gibt in den 50 Einzelstaaten und im Regierungsbezirk District of Columbia seine Stimme für die Wahlmännerliste der einen oder anderen Partei ab. Hier gilt das Mehrheitswahlrecht nach dem Prinzip „The winner takes it all": Wer die meisten Stimmen für seine Liste bekommt, gewinnt den Staat und damit die Wahlmännerstimmen. Außer in Nebraska und Maine – hier werden die Wahlmänner proportional zum Wahlergebnis geteilt.

Swing States - In diesen Staaten wird die Wahl entschieden:

Associated Press

Die Wahl ist entschieden, sobald ein Kandidat 270 Wahlmänner-Stimmen auf sich vereint. Die Wähler der meisten US-Bundesstaaten sind bereits auf eine Partei festgelegt – deshalb entscheidet sich die Wahl eigentlich mit den Ergebnissen aus den neun so genannten Swing States, in denen die meisten unentschlossenen Wähler beheimatet sind.

Abgeschlossen ist das Wahlverfahren nach der Auszählung der Stimmen jedoch noch lange nicht. Am 17. Dezember kommen die Wahlmänner in den Hauptstädten ihres Staates zur Stimmabgabe zusammen. Die versiegelten Umschläge werden an den Präsidenten des Senats in Washington geschickt, der diese dann am 6. Januar im Kongress auszählt und das Endergebnis verkündet. Der Grund für den langen Zeitraum zwischen Wahl und Verkündung des Ergebnisses ist historisch begründet – als das Wahlsystem entwickelt wurde, war das Reisen noch um einiges beschwerlicher und langwieriger als heutzutage.

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Sollte es zu einer Pattsituation im Wahlkollegium kommen, entscheidet der US-Kongress: Den Präsidenten bestimmt das Repräsentantenhaus. Jeder Staat hat dabei aber nur noch eine Stimme – da die Republikaner hier die Überzahl haben, könnten sie also gewinnen, auch wenn die Demokraten in Staaten mit mehr Einwohnern vorne liegen würden. Den Vize-Präsidenten hingegen bestimmen die Senatoren. Der Senat wird momentan von den Demokraten dominiert.

Der neue Präsident wird immer am 20. Januar vereidigt, zunächst in kleinem Kreis, am 21. Januar legt er gemeinsam mit dem Vize-Präsidenten den Amtseid nochmals öffentlich ab.

Das Ziel: Stärkung der Einzelstaaten

Das komplizierte Wahlverfahren ist in der amerikanischen Verfassung verankert. Dahinter steckt die ursprüngliche Idee, dass unerfahrene Wähler ihnen bekannte Repräsentanten ihres Staates wählen sollen, die wiederum den Präsidenten wählen sollten – ohne die heutzutage übliche Parteizugehörigkeit mit Stimmbindung an einen Kandidaten. Zudem misstrauten sie dem Massenvotum der Bürger. Die indirekte Wahl sollte darüber hinaus die Stellung der Einzelstaaten stärken.

Die Vorwahlen

Vor der eigentlichen Wahl haben die Präsidentschaftskandidaten bereits einen langen Marathon hinter sich. Der Wahlkampf fängt ein oder zwei Jahre vor dem eigentlichen Wahltag an. Um auf dem nationalen Parteitag seiner Partei zum Präsidentschaftskandidat gekürt zu werden, finden innerhalb der Parteien Vorwahlen mit mehreren Kandidaten statt. Je nach Bundesstaat sind diese Wahlen unterschiedlich geregelt.

Bei den sogenannten Primaries können alle Wahlberechtigten eines Staates ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben, eine Parteimitgliedschaft ist nicht notwendig.

Bei sogenannten Caucuses oder Parteiversammlungen entscheiden die Parteimitglieder, wer zum Kandidaten gekürt werden soll. Dieser Vorwahlkampf zieht sich ebenfalls über mehrere Monate. Beim nationalen Parteitag wird schließlich der Präsidentschaftskandidat der Partei gekürt, der anschließend gegen den Kandidaten der anderen Partei antritt.

Kontakt zum Autor: marion.schalk@wsj.com

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