Von ROBERT POWELL
Barack Obama hat das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney gewonnen. Doch Anlegern kann das relativ egal sein. Sie sollten besser beobachten, was die US-Notenbank Fed so treibt. Nicht, dass es nicht wichtig ist, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten der alte ist. Es ist wichtig. Doch es gibt „keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Parteizugehörigkeit des Präsidenten und der Rendite von Aktien- oder Anleihenpapieren." Das zumindest behaupten die Autoren einer neuer Studie mit dem Titel „What to Expect When You're Electing", sinngemäß „Was Sie von Ihrer Stimmabgabe erwarten können".
Anders als andere Studien, die zum Beispiel die Kursgewinne mit dem Ausgang der Wahl vergleichen, setzen die Autoren dieser Untersuchung die "Börsengewinne in Relation zur politischen Partei des Präsidenten, zur Geldpolitik der Fed, dem Jahr der Ernennung des Präsidenten sowie zum Grad des politischen Stillstandes."
Und ihr Ergebnis fällt eindeutig aus: Anleger sollten der Partei des jeweiligen Präsidenten weniger Aufmerksamkeit schenken und stattdessen eher die Bewegungen der Fed genau verfolgen. Vor allem „Investoren, die auf Aktien von kleinen Firmen spezialisiert sind, tun gut daran, die Aktionen der Fed besonders genau zu beobachten", so die Autoren.
Liveblog zur US-Wahl
"Unsere Analyse unterstützt die Annahme, dass die Gewinne aus Wertpapieren jeglicher Art signifikant mit den Richtungswechseln der Geldpolitik der Fed zusammenhängen", schreiben die Autoren der Studie: Scott Beyer, Professor an der Universität von Wisconsin Oshkosh, Luis Garcia-Feijoo, Assistenzprofessor an der Florida Atlantic Universität, Gerald Jensen, Professor an der Universität von Northern Illinois sowie Robert Johnson, Professor an der Creighton Universität.
Bei einer Gegenüberstellung von expansiven und restriktiven Phasen stieg der S&P-500 in der Niedrigzinsphase im Schnitt um 11,7 Prozent und der Index der Small Caps, also der kleineren Unternehmen, um 25,6 Prozent. "Eindeutig haben die Aktienmärkte während Phasen prosperiert, in denen die Fed eine lockere Geldpolitik verfolgt hat", so die Studie.
Restriktive Politik dürfte kommen – und die Inflation steigen
Wie man angesichts der aktuellen Fed-Politik investieren könnte, dafür hat Johnson keinen echten Tipp: „Zur Zeit ist es sehr unklar", sagt er. „Die Fed sendet gemischte Signale. Man kann angesichts der ganzen Lockerungsrunden sicher nicht von einer restriktiven Politik sprechen, doch wenn man unsere langfristigen und kurzfristigen Indikatoren anschaut, dann fallen diese widersprüchlich aus." Sicher ist sich Johnson jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit für eine viel restriktivere Politik der Fed sehr hoch ist.
Ein Wechsel der Strategie der US-Notenbank könne auch als potenzielles Signal für künftigen Inflationsdruck gewertet werden, schreiben die Autoren. „Die Bewegung hin zu einer restriktiven Haltung sollte Investoren in Alarmbereitschaft setzen, denn es könnte zu einem Anstieg der Inflation kommen. Anleger sollten bei einem solchen Signal ihre Wertpapiere umschichten hin zu Anlagen, die vor Inflation schützen, wie Rohstoffe oder inflationsgeschützte US-Staatsanleihen."
Bevor Sie nun Ihre Aktien verkaufen, sollten Sie sich aber noch folgende Überlegung durch den Kopf gehen lassen. Eine restriktive Geldpolitik kann etwas Gutes oder Schlechtes verheißen. Das hängt zum einen vom politischen Umfeld ab, genauer, ob eine erfolgreiche Blockadepolitik betrieben wird oder nicht. Zum anderen spielt die Partei des nächsten Präsidenten eine Rolle.
Angenommen, die Fed bleibt bei einer restriktiven Geldpolitik und die Blockade im Kongress bleibt ebenfalls – was Beobachter sehr sicher erwarten. Dann hänge die Über- oder Untergewichtung von Aktien kleiner und großer Unternehmen, Unternehmensanleihen, Schatzbriefen oder inflationsgesicherten Staatsanleihen von der Parteizugehörigkeit des nächsten Präsidenten ab, sagt Johnson. Er empfiehlt den Anlegern, die Forschungsergebnisse eher für kleine taktische Anpassungen in ihrem Portfolio zu nutzen als für große Umschichtungen.
Willkommen politische Harmonie
Apropos politische Blockade. Im Gegensatz zur gängigen Meinung kommen Johnson und seine Mitautoren zu dem Schluss, dass sich Aktienanleger lieber politische Harmonie statt Reformstau wünschen sollten. Investoren, die in Anleihen positioniert sind, sollten hingegen lieber auf einen Stillstand hoffen.
Reformstau entsteht, wenn Kongress – also Senat und Repräsentantenhaus – und Weißes Haus von zwei unterschiedlichen Parteien kontrolliert werden. Im Allgemeinen wird politischer Stillstand als wichtiger Einflussfaktor auf die Aktienmarktkurse betrachtet, so die Studie. „Hinter dem Zusammenhang zwischen politischem Stillstand und den Finanzmärkten steckt der ökonomische Grundsatz, dass eine erhöhte Anzahl politischer Reformen, die den Betrieb der Finanzmärkte stören könnten, eher während einer Phase der politischen Harmonie als in einem Zustand der Blockade auftreten können", schreiben die Autoren.
Hier geht's zum
In früheren Studien hatte es oft geheißen, dass Kursgewinne mit der Parteizugehörigkeit des Präsidenten zusammenhingen. Johnson und seinen Mitautoren zufolge ist dies nicht so. Aktienrallys seien eher die Folge von geld- oder finanzpolitischen Entwicklungen oder Reformen.
"Man hört das immer wieder, dass politischer Stillstand gut für die Märkte sei", sagt Johnson. "Doch blickt man auf die Daten, trifft das einfach nicht zu."
Demnach sind die Aktien großer Unternehmen im Schnitt um gut 10 Prozent jährlich gestiegen – sowohl in harmonischen als auch in Blockadezeiten. Die Papiere kleiner Unternehmen hingegen legten während ausgeglichener Phasen um fast 30 Prozent zu, im Vergleich zu einem relativ geringen Zuwachs von knapp 9 Prozent während Phasen des Stillstands. Bei Unternehmensanleihen sah es umgekehrt aus: Sie kletterten während der Blockadeperioden im Schnitt um fast 11 Prozent, aber nur um 2,4 Prozent während harmonischer Phasen.
Warten Sie auf das dritte Jahr der nächsten Amtszeit
Wenn man die Vergangenheit zum Maßstab nimmt, sollten Investoren unabhängig vom Ausgang der Wahlen bis zum dritten Jahr der nächsten Amtszeit des Präsidenten warten, bevor sie in Aktien investieren. "Die Daten deuten darauf hin, dass das dritte Jahr Anlegern in der Regel einen signifikanten Rendite-Vorteil bietet", schreiben die Autoren
Tatsächlich haben die Aktien großer Unternehmen in diesen Jahren im Schnitt um fast 17 Prozent mehr zugelegt als in anderen Jahren. Bei den Aktien kleiner Unternehmen waren es im Schnitt fast 27 Prozent mehr als in anderen Jahren. "Das war die größte Überraschung", sagt Johnson. „Der Effekt der Amtszeit ist wirklich robust, auch nach Kontrolle aller anderen Faktoren."
Für diesen Effekt gebe es bereits viele Erklärungsansätze, sagt Johnson. Manche sagen, es liege daran, dass die Präsidenten die schlechten Nachrichten möglichst früh verkünden. Andere vermuten, dass die Fed im dritten Jahr versöhnlicher auftrete. Doch egal, welcher Grund dahinter steckt: Fakt ist, dass die größten Aktiengewinne im dritten Jahr der Amtszeit eines Präsidenten eingefahren werden.
Was lernen wir also daraus? Man sollte sich weniger darum sorgen, wer der nächste Präsident wird, und wie sich seine Wahl auf das Portfolio auswirkt. Wichtiger ist, was die Fed tut oder unterlässt. Und bloß nicht vergessen: 2015 auf jeden Fall Aktien kaufen.
Die Tabelle bewertet die nominale Rendite je nach politischem Umfeld (Stillstand oder Harmonie), Fed-Politik (restriktiv oder expansiv) und Parteizugehörigkeit des Präsidenten und vergleicht sie mit den historischen Durchschnitten der verschiedenen Anlageklassen. Die Phasen, in der die Rendite höher war als der historische Durchschnitt, legen eine „Übergewichtung" der jeweiligen Anlageklasse im Portfolio nahe. In Phasen, in der die Rendite niedriger ausfiel als der historische Durchschnitt, ist eine „Untergewichtung" der jeweiligen Anlageklasse angezeigt.
| Republikanischer Präsident | ||||||
| Geldpolitik | Politisches Umfeld | Große Unternehmen | Kleine Unternehmen | Unternehmensanleihen | Schatzbrief | Inflationsgeschützte Anleihen |
| Expansiv | Reformstau | Übergewichtung | Übergewichtung | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung |
| Harmonie | Untergewichtung | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | |
| Restriktiv | Reformstau | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Übergewichtung | Übergewichtung |
| Harmonie | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung |
| Demokratischer Präsident | ||||||
| Geldpolitik | Politisches Umfeld | Große Unternehmen | Kleine Unternehmen | Unternehmensanleihen | Schatzbrief | Inflationsgeschützte Anleihen |
| Expansiv | Reformstau | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung |
| Harmonie | Untergewichtung | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung | Übergewichtung | |
| Restriktiv | Reformstau | Übergewichtung | Übergewichtung | Übergewichtung | Untergewichtung | Untergewichtung |
| Harmonie | Untergewichtung | Übergewichtung | Untergewichtung | Übergewichtung | Übergewichtung |
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AI209_us_the_NS_20121010044442.jpg)




![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XN416_051913_E_20130519175641.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR316_otto_y_E_20130518041132.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XN224_051713_E_20130517140059.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR238_s_prom_E_20130516101434.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XL468_0513ha_E_20130513114819.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XL241_0512ep_E_20130512155044.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/AM-AY381_ODDWAT_C_20130505143458.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XH362_0430AM_C_20130430191445.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR285_Powell_C_20130517094516.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR292_schiff_C_20130517105204.jpg)
Hello
Your question to the Journal Community Your comments on articles will show your real name and not a username.Why?
Create a Journal Community profile to avoid this message in the future. (As a member you agree to use your real name when participating in the Journal Community)