Von ANNIKA WILLIAMSON
Jetzt wird gewählt – länger hätten die Kandidaten den Wahlkampf auch nicht mehr durchgehalten. Hörte man Mitt Romney und Barack Obama in den vergangenen Tagen im Radio oder bei den letzten Wahlkampfveranstaltungen, war es ein einziges Keuch- und Räusperkonzert. Sie haben ihre eigene Stimme für die vielen Wählerstimmen aufgebraucht, die sie über die vergangenen Monate versucht haben, einzusammeln. Oder wie Ex-Präsident Bill Clinton gestern hauchte (denn auch der war vom vielen Wahlkampf heiser): „Wie Sie sehen können, habe ich meine Stimme im Dienst meines Präsidenten hingegeben."
Stimmen zu vergeben gab es auch in vielen Bundesstaaten, wo die Wähler beim "Early Voting" bereits vor dem Wahltag ihr Kreuzchen setzen konnten. Dieses Verfahren soll sicherstellen, dass jeder in seinem Terminkalender Platz für den Urnengang findet und dass das Wähleraufgebot am Stichtag nicht überwältigend wird. Doch überwältigt wurden einige Wahllokale schon vor dem großen Wahltag.
Mit am engagiertesten beim Early Voting waren die Wähler in Südflorida, wo so viele Menschen kamen, dass sich Schlangen um mehrere Straßenecken herum bildeten und einige bis zu acht Stunden darauf warteten, ihren Stimmzettel abzugeben. In Lake Worth, berichtet der Christian Science Monitor, gaben die letzten Wähler am Samstag um 2.50 Uhr morgens ihre Stimme ab.
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US-Wahltagebuch
Die Demokratische Partei von Florida legte Klage ein, da die Wahleinrichtungen in einigen Bezirken „eindeutig unzureichend" seien, um es den Wählern zu ermöglichen, ihr Wahlrecht auszuüben. Nicht allen war es möglich, die vielen Stunden wartend vor dem Wahllokal zu verbringen.
Als im Bezirk Miami-Dade die überforderten Wahlhelfer am Sonntag kurzzeitig die Türen des Wahllokals schlossen, fingen die wartenden Wähler an, lautstark zu protestieren: „Lasst uns wählen!", riefen sie immer wieder. Die Türen wurden später wieder geöffnet.
Die Demokraten erzielen erfahrungsgemäß beim Early Voting eine stärkere Bilanz als die Republikaner. Doch ganz abgesehen davon, ob das Debakel einer bestimmten Partei einen Nachteil bringt, sind von allen Seiten Klagen zu hören, dass niemand acht Stunden warten müssen sollte, um wählen zu können.
Dass in einem Industrieland, wo es den Menschen relativ gut geht, diese freiwillig einen halben Tag darauf warten, wählen zu dürfen, ist beeindruckend. Dass ein Industrieland es stellenweise nicht schafft, jedem die Möglichkeit dazu zu geben, ist hingegen ein Trauerspiel. „Das hier ist Amerika, kein Land der Dritten Welt", sagte Myrna Peralta, eine Wählerin, die mit in der langen Schlange vor einem Wahllokal wartete, der Lokalzeitung Miami Herald.
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