Von NICO SCHMIDT
Das Geschäft beim weltgrößten Premiumautobauer BMW brummt weiter. Quasi unbeeindruckt vom schwierigen Marktumfeld schnitten die Münchener im dritten Quartal deutlich besser als erwartet ab: Verkäufe und Einnahmen stiegen, sogar der Gewinn legte überraschend zu. Auch wenn Vorstandschef Norbert Reithofer vor zunehmendem Gegenwind warnte, sieht er das Unternehmen auf Kurs, die Jahresziele zu erfüllen. Mit Blick auf die Zukunft ist der Branchenprimus allerdings zurückhaltend, was zwischenzeitlich auch den Aktienkurs belastete.
Dank der nach wie vor großen Nachfrage nach Luxusautos und -geländewagen in den USA und in Asien stieg der Absatz des Dax-Konzerns zwischen Juli und September um knapp ein Zehntel und trieb die Erlöse um 13,7 Prozent auf gut 18,8 Milliarden Euro in die Höhe. Operativ verdiente BMW gut 2 nach knapp 1,8 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis kletterte auf fast 1,3 Milliarden Euro - das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Wegen des sich verschärfenden Wettbewerbs und hoher Investitionen in Produkte, Produktionsnetz und alternative Antriebe hatten Analysten mit leichten Rückgängen gerechnet. Entsprechend ist am Aktienmarkt von "Bombenzahlen" die Rede; auch Reithofer sprach von einem "starken Quartal". Trotzdem gab die BMW-Aktie im frühen Aktienhandel nach. Der Grund: Die Rendite im Kerngeschäft mit Oberklassewagen gab nach. Am Mittag erholte sich das Papier aber mit dem gesamten Aktienmarkt und notierte 0,4 Prozent im Plus.
Die hohen, aber notwendigen Ausgaben und das schwierigere Marktumfeld lasten in diesem Jahr auf der gesamten Automobilbranche. Alleine BMW steckte im bisherigen Jahresverlauf einen hohen, dreistelligen Millionenbetrag in Zukunftsfelder, wie Finanzchef Friedrich Eichiner erklärte. Auf Gesamtjahressicht werden es mehr als 1 Milliarde Euro sein. "Wir investieren heute in den Erfolg von morgen", hob Reithofer die Notwendigkeit der Investitionen hervor.
BMW strebt für dieses Jahr deswegen zwar weiter neue Bestwerte bei Absatz und Vorsteuergewinn an. Bei der Rendite im Autogeschäft wird aber ein Rückgang auf das obere Ende des langfristigen Zielkorridors von 8 bis 10 Prozent erwartet. 2011 hatte BMW diese Bandbreite mit 11,8 Prozent noch deutlich übertroffen.
Die schnellsten Autos der Welt
In den ersten neun Monaten 2012 blieben BMW von jedem umgesetzten Euro knapp 11 Cent als operativer Gewinn übrig. Der momentan ärgste Wettbewerber, die Volkswagen -Tochter Audi, schaffte zwischen Januar und September eine Rendite von 11,2 Prozent und Mercedes-Benz nur 7,8 Prozent. Die Stuttgarter mussten deshalb im Oktober sogar ihre Gewinnprognose nach unten korrigieren - zuerst die für die Pkw-Sparte, anschließend auch die für den Gesamtkonzern.
Der Margenrückgang bei BMW ist im Branchenvergleich allerdings ein Luxusproblem. Die den Weltmarkt dominierenden deutschen Oberklassehersteller konnten sich in den vergangenen Monaten der Wirtschaftsflaute zwar nicht vollends entziehen, die Geschäfte liefen aber doch vergleichsweise gut. Denn die Nachfrage nach Luxusautos ist weniger anfällig für Konjunkturschwankungen als die nach günstigeren Wagen. Die schwierige Lage in Europa wird durch Zuwächse beispielsweise in den USA und China wettgemacht.
Auch BMW spürt weiter Gegenwind - vor allem in Europa
Vor allem Autobauer, die vornehmlich das Massensegment bedienen und in Europa unterwegs sind, haben aktuell viel größere Sorgen und mühen sich dabei ab, überhaupt schwarze Zahlen zu schreiben. Grund ist die durch die europäische Schuldenkrise ausgelöste weltweite Unsicherheit, die potenzielle Käufer speziell im Süden des alten Kontinents von den Verkaufsräumen fernhält. Bei Herstellern wie Opel, Peugeot-Citroen oder Fiat geht deshalb die Angst vor Stellenstreichungen und Werksschließungen um.
Mit Blick auf die Zukunft blieb das BMW-Management vage: Die Lage an den internationalen Automobilmärkten stelle das Unternehmen vor Herausforderungen, sagte Reithofer. "Wir spüren derzeit - wie auch die gesamte Branche - einigen Gegenwind. Das Umfeld, in dem wir uns bewegen, wird immer rauer." Auch im Premiumsegment werde die Wettbewerbsintensität immer größer, ergänzte Eichiner.
Alles in allem nehmen laut BMW-Chef Reithofer die Risiken zu. Schuld seien Maßnahmen zur Sanierung öffentlicher Haushalte in fast allen Industriestaaten, die Schuldenkrise in Europa sowie die geringere Wachstumsdynamik in großen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Trotz der schwierigen Marktbedingungen rechnet BMW aber auch im Schlussquartal mit einer positiven Absatzentwicklung. Im Oktober gab es erneut ein prozentual zweistelliges Plus.
Weiter zweistellige Zuwachsraten in China
Für eine Prognose für das kommende Jahr sei es noch zu früh, sagte Finanzchef Eichiner. Klar scheint aber, dass auch für 2013 die Chancen nicht schlecht stehen. Denn in China rechnet BMW weiter mit zweistelligen Zuwachsraten, auch wenn sich der in den vergangenen Jahren boomende Markt beruhigen wird. Und auch in den USA seien dank der attraktiven Produktpalette "positive Impulse" zu erwarten, sagte Eichiner.
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Angesichts des schwierigen Marktumfelds hoben die Spitzenmanager erneut hervor, wie wichtig die Anpassungsfähigkeit ist: "Wir bleiben vorsichtig und beobachten die weitere Entwicklung. Sollten sich die Rahmenbedingungen noch stärker als bisher absehbar verändern, werden wir konsequent reagieren und unsere Flexibilität nutzen", sagte Eichiner.
Der Manager stellte klar, dass es anders als beim Rivalen Daimler keine Notwendigkeit eines großangelegten Sparprogramms gebe. Im Fall der Fälle könne BMW beispielsweise über die Reduzierung von Schichtlängen und Arbeitszeitkonten auf eine Flaute reagieren. Die schlanke und bewegliche Produktion der Bayern ist einer der großen Vorzüge, den Experten bei BMW sehen.
Ob allerdings überhaupt große Anpassungen nötig sein werden, bleibt sowieso noch abzuwarten. Denn die meisten Branchenexperten gehen davon aus, dass der weltweite Automobilmarkt im kommenden Jahr zumindest leicht zulegen wird. Und BMW als Premiumhersteller dürfte von der unterm Strich weltweit steigenden Nachfrage überproportional profitieren.
Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com



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