• The Wall Street Journal

US-Unternehmen rollen Chinesen den roten Teppich aus

Sun Tao

Cowboys aus China: Mit einer Reise durch die USA sollen chinesische Investoren dazu verlockt werden, ihr Geld in amerikanischen Unternehmen anzulegen.

MADISON – Wo Sun Wenbin und seine Kollegen in den USA auch hinkamen, überall wurde für die Chinesen der rote Teppich ausgerollt. In zehn Tagen trafen Sun und 60 weitere Investoren unter anderem den Ex-Präsidenten George W. Bush und wurden landesweit hofiert, sei es auf der Shrimp-Farm in Orlando oder in der Biodieselerzeugung in Wisconsin. Die Reise war von den Bundesstaaten organisiert worden, um mehr chinesische Kapitalgeber zu gewinnen. Denn sie gelten trotz ihres Reichtums eher als zögerliche Käufer.

Dem 50-jährigen Sun gehören elf Elektronikläden in Hadan, mit dem Zug drei Stunden südlich von Peking. Er sagt, er sei nicht nur von der Technologie in den USA begeistert, sondern auch von der Gastfreundschaft und der Sauberkeit. Aber wie viele andere chinesische Unternehmer, die mit dem Wirtschaftsboom der vergangenen zehn Jahre reich geworden sind, macht ihm Sorgen, dass es bei Investitionen in den USA zu lange dauern könnte, bis sie sich rentieren. „Das Leben ist kurz. Und ich will noch einige große Geschäfte abschließen", sagte Sun beim Mittagessen in Madison, Wisconsin. Zurück in China schlägt er einen deutlicheren Ton an. Keines der präsentierten Projekte komme für ihn in Frage. „Die Erträge sind zu gering."

Chinesen gehen in den USA auf Einkaufstour

Im Fahrwasser der globalen Finanzkrise galt es lange als sicher, dass wohlhabende Chinesen im großen Stil westliche Unternehmen schnappen würden. Aber statt in westliche Industrieländer gingen sie lieber auf Einkaufstour in Entwicklungsländer, um sich Rohstoff- und Energiequellen zu erschließen. In den USA gibt es daher immer mehr Initiativen, mit denen man sich die Schecks aus China sichern will. Die Reisegruppe um Sun Wenbin könne insgesamt 1 Milliarde US-Dollar investieren, sagen die Organisatoren. Solche Aussichten locken viele klamme Bundesstaaten an.

In Wisconsin speisten die Chinesen am Amtssitz von Gouverneur Scott Walker. Gereicht wurden lokale Spezialitäten wie Asiago-Käse und Filets mit Kräuterkruste. „Wir verbinden große Hoffnungen und Träume" mit der Gruppe, sagte Walkers Stellvertreterin Rebecca Kleefisch. Auch die Gouverneure von Texas und Florida empfingen die Besucher.

Inzwischen steigt der Zustrom von chinesischem Kapital in den USA stetig. Die Beraterfirma Rhodium Group hat berechnet, dass Chinesen von Januar bis September 6,3 Milliarden Dollar in US-Unternehmen und Projekte gesteckt haben. Das ist mehr als im ganzen Jahr 2010, wo der bisherige Rekord von 5,8 Milliarden aufgestellt wurde.

Zwar stehen Energie-Transaktionen weiter an der Spitze chinesischer Investments. Doch wegen des langsameren Wachstums in der Heimat schauen kleine und mittlere Unternehmer auch, ob sie sich mit einem Auslandsinvestment auf dem chinesischen Markt besser aufstellen können.

Viele Chinesen haben noch nie im Ausland investiert – auch deshalb wirken sie oft übervorsichtig. Einige Anleger lassen sich auf von anti-chinesischen Tönen in der amerikanischen Politik abschrecken. Ende September annullierte die US-Regierung den Verkauf von vier Windfarmen in Oregon an Chinesen. Die Farmen lägen zu dicht an Militäranlagen, hieß es. Eine Woche später warnte der Kongress in einem Bericht davor, Geräte der chinesischen Hersteller Huawei und ZTE stellten eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. Das macht es nicht einfacher, chinesisches Kapital einzuwerben.

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Trotzdem bewegt sich einiges. „Es wird leichter, weil die US-Seite dazugelernt hat und williger ist, auch weil sie mehr Kapital benötigt", sagt Hanson Li, der das Büro der chinesischen Investmentbank Hina Group in San Francisco leitet. Geduld bleibe aber gefragt.

Die Reise von Sun und seinen Kollegen wurde von der chinesischen Private-Equity-Gesellschaft Piyi Investment organisiert. Sie hat ihr erstes Auslandsbüro im Trump Building an der Wall Street eröffnet. Für viele Teilnehmer war es die erste Auslandsreise. Beginn war in Dallas. Einige besuchten anschließend die Universal-Filmstudios in Florida, andere fuhren nach Los Angeles und nach Oregon zur Weinprobe. In Washington gab es einen Empfang beim Außenministerium, den Abschluss bildete New York.

Insgesamt besuchten die Chinesen über 100 Unternehmen, darunter einen Billigflieger in Florida, einen Golfplatz in Texas und ein Biomassekraftwerk in Oregon. Ansonsten waren Firmen aus den Sektoren Gesundheit, Landwirtschaft, Umwelttechnik, Immobilien und Weinanbau vertreten. Laut dem Katalog von Piyi erhofften sich die Unternehmen Investitionen, die von wenigen Millionen bis hin zu 275 Millionen Dollar reichen.

Video auf WSJ.com

More American companies are trying to get Chinese investors to write checks in the U.S. and cash-strapped states are getting in on the sales pitch. The WSJ's Dinny McMahon discusses the challenges American companies face in wooing Chinese investors.

Zu Geschäftsabschlüssen ist es noch nicht gekommen. Zu 25 Unternehmen hätten die potenziellen Investoren aber zusätzliche Informationen angefordert. Investitionsentscheidungen sollen Mitte Dezember fallen, erklärt Piyi. Ein Chinese hat bereits eine Absichtserklärung mit einem Biomedizinunternehmen aus Kalifornien abgeschlossen. 27 Millionen Dollar könnten dabei fließen.

Scott Mosley ist bei der Wirtschaftsförderung des Staates Wisconsin für direkte Auslandsinvestitionen zuständig. Er berichtet, immer mehr Anleger zeigten Interesse an den Unternehmen aus seinem Staat: „Die größte Schwierigkeit, um amerikanische Unternehmer und chinesische Investoren zusammenzubringen, ist die passende Umgebung, in der beide Seiten auf die Art und Weise und in der Geschwindigkeit handeln können, die sie gewohnt sind."

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